Willi Dickhut

Willi Dickhut

Verhältnis zwischen den Redaktionen Revolutionärer Weg und Rote Fahne

Grundsätzliche Briefwechsel und Dokumente Willi Dickhuts 1973

Von RW-Redaktion
Verhältnis zwischen den Redaktionen Revolutionärer Weg und Rote Fahne

Lieber Willi! 9. 11. 73

Dein Artikel für die Beilage »Chile und der Weg zum Sozialismus« hat wieder einmal bei allen Genossen Begeisterung hervorgerufen. Was wir besonders von ihm lernen können, ist die nüchterne Art, alle Feinde zu entlarven.

Du hast uns Deine Unterstützung bei der Rote-Fahne-Arbeit angeboten. Wir brauchen sie, weil wir noch relativ wenig Erfahrung haben. Auf der anderen Seite ist natürlich Deine Zeit sehr eng bemessen, die Du für die Unterstützung für uns aufbringen kannst.

Ich würde deshalb, neben wichtigen ideologischen Artikeln, folgende Unterstützung vorschlagen:

1. Hinweise für die weitere Entwicklung der Pressearbeit (vor allem im Hinblick auf die Ausrichtung der Roten Fahne als Waffe zur Lösung der Organisationsfrage und das 14tägige Erscheinen),

2. Kritik an Fehlern von grundlegenderem Charakter und

3. Hinweise und Anregungen für Artikel …

Mit herzlichem Gruß
K. und I.

Lieber K., liebe L! 17. 11. 73

Besten Dank für den Brief vom 9. 11. Du weist auf die sachliche Auseinandersetzung gegen die Revisionisten in der Beilage hin. Seit über einem Jahr habe ich in der Zentralen Leitung immer wieder darauf hingewiesen, daß wir uns ideologisch mit den Auffassungen anderer Gruppen auseinandersetzen müssen, und zwar aus zwei Gründen:

1. weil unsere eigenen Genossen daraus lernen und Argumente für die Diskussion an der Basis bekommen und

2. weil unsere richtigen Argumente und Beweisführung eine Diskussion in den von uns kritisierten Gruppen hervorrufen, was offensichtlich im KBW der Fall ist (siehe »Kommunistische Volkszeitung« vom 24. Oktober, S. 12–14). Hier wird im Referat von Rechtsopportunismus in der Gewerkschaftsfrage gesprochen und W. Maier als Rechtsopportunist bezeichnet.

In diesem Zusammenhang will ich Euch auf etwas aufmerksam machen. Ich habe Kritiken von Leuten außerhalb unserer Organisation an der Roten Fahne. Alle kritisieren den subjektivistischen Ton in Artikeln, die sich gegen andere Gruppen beziehungsweise deren Führung richten (zum Beispiel gegen Aust). Das trifft vielfach auf Artikel von E. zu. Diese Leute sehen sogar einen gewissen Widerspruch zwischen der Roten Fahne und dem Revolutionären Weg. Wir werden uns darüber noch unterhalten, aber was den subjektivistischen Ton anbelangt, das stimmt tatsächlich. Ich werde mal nähere Hinweise ausarbeiten. Nehmt aber heute schon an, daß man ideologische Auseinandersetzungen nicht subjektivistisch führen darf, sondern sachliche Argumente bringen muß.

Liebe Genossen, Ihr habt als Verantwortliche einen guten Start gemacht, und es ist wichtig, daß Ihr Euren ganzen Ehrgeiz darein setzt, unser Zentralorgan immer besser zu gestalten. Ich mache Euch aber auf eins aufmerksam: Es gibt zweierlei Ehrgeiz.

1. der bürgerliche Ehrgeiz: Dieser sieht die eigene Person im Mittelpunkt, die anderen Mitarbeiter betätigen sich in ihrem Schatten. Es herrscht der individuelle Arbeitsstil vor. Empfindlichkeit gegen Kritik, Abneigung gegen Kritiker führt dazu, sich nur mit genehmen Mitarbeitern, die kritiklos und vorbehaltlos alles billigen, zu umgeben. Dieser bürgerliche Ehrgeiz ist für eine proletarische Organisation gefährlich.

2. der proletarische Ehrgeiz: Dieser sieht die Schaffung eines festen Kollektivs als Grundlage aller Arbeiten an. Die Fähigkeit jedes Mitarbeiters wird zu einer gemeinsamen Tätigkeit koordiniert. Je höher die Fähigkeit eines Genossen ist, um so bescheidener muß er auftreten und um so mehr muß er schwächeren Genossen helfen, sich rascher zu entwickeln. Das ist nur durch Kritik und Selbstkritik möglich, die ehrlich, offen, sachlich und helfend sein muß. Der kollektive Arbeitsstil verfolgt das Ziel, immer neue Mitarbeiter heranzuziehen und zu entwickeln. Um das zu erreichen, geht es nicht ohne den proletarischen Ehrgeiz, der jeden Genossen zu größter Leistung anspornt.

Ihr beiden seid aus dem Schatten von E. ins helle Rampenlicht gerückt. Laßt Euch nicht davon blenden. Setzt Euren proletarischen Ehrgeiz darein, durch kollektive Arbeit die Rote Fahne besser zu gestalten. Das ist durchaus möglich:

1. durch eine unmittelbare Anleitung seitens des Sekretariats,

2. durch Schaffung einer arbeitsfähigen Redaktion, die in kollektiver Arbeit die Zeitung erstellt,

3. durch Schaffung eines breiten Mitarbeiterstabs: Arbeiterkorrespondenten, Berichterstatter aus Abteilungen (zum Beispiel Betrieb und Gewerkschaft, Wirtschaftsabteilung und Massenorganisationen, Mitarbeiter für grundsätzliche Beilagen, Leitungsmitglieder für Organisationsfragen usw.,

4. durch ständige kritische Überprüfung der einzelnen Nummern der Zeitung durch die Redaktion und den Mitarbeiterstab, Ausmerzung jeglicher Selbstgefälligkeit, wobei doch jeder stolz auf die erfolgreiche Arbeit sein kann,

5. dadurch, daß man nicht nur bestrebt sein muß, den politischen Inhalt des Zentralorgans zu verbessern, sondern auch die Form (aufgelockert durch Fotos, Karikaturen, Schlagzeilen usw.) und die Sprache so zu gestalten, daß sie lebendig und nicht ledern und für die einfachen Menschen verständlich ist. Dabei ist bei Arbeiterkorrespondenzen zu beachten, daß bei notwendiger Korrektur der Berichte nicht nur der Inhalt, sondern auch nach Möglichkeit die einfache Sprache erhalten bleibt (auch wenn sie etwas holperig ist),

6. durch regelmäßige Besprechungen und Konferenzen, um kollektiv Fehler und Mängel, aber auch Verbesserungsvorschläge zu diskutieren und die Mitarbeiter anzuleiten. Das muß vor allem kameradschaftlich, wenn auch kritisch und selbstkritisch und wenn nötig mit Härte, erfolgen,

7. durch Rundbriefe des Sekretariats, um zur Mitarbeit aufzufordern. Das hat gegenwärtig Erfolg gehabt und den Eingang von Berichten beziehungsweise Zuschriften erhöht, doch darf man sich nicht darauf verlassen, und das kann erfolgreich nur von Zeit zu Zeit angewandt werden. Vielmehr muß die Mitarbeit an der Roten Fahne organisiert werden, dazu brauchen wir Konferenzen mit Erfahrungsaustausch und die organisierende Mitarbeit der Leitungen und Abteilungen.

Ihr lieben Genossen, jetzt habe ich Euch überschüttet mit einer Flut von Hinweisen und Vorschlägen, obwohl Ihr sicher nicht wißt, wo Euch vor lauter Arbeit der Kopf steht. Es soll Euch auch nur als Richtschnur dienen, an der Ihr Euch ausrichtet für die zukünftige Arbeit. Ihr müßt das alles in Verbindung bringen mit der Lektion über den Arbeitsstil, die von der Zentralen Leitung ausgearbeitet wird zum Abschluß der Jahresschulung. Anhand dieser Lektion müßt Ihr Euren Arbeitsstil, was bisher richtig oder falsch war, überprüfen und den marxistischen Arbeitsstil für die zukünftige Arbeit entwickeln.

Damit will ich schließen und wünsche Euch viel Erfolg, und wenn Ihr gelegentlich etwas Zeit habt, gebt mir eine Antwort. Braucht Ihr meine Hilfe, teilt es mir mit.

Herzlichen Gruß
Willi



Lieber Willi! 22. 12. 73

Dein Brief vom 17. 11. hat uns die Augen um ein weiteres Stück geöffnet.

Als wir beide im August ohne E. weiterarbeiten mußten, waren wir zwar erfüllt von dem Willen, auf jeden Fall das weitere pünktliche Erscheinen der Roten Fahne zu gewährleisten und sie zu verbessern. Aber das Wesentliche, die prinzipiellen Fehler, die unter E. von der Redaktion gemacht wurden, erkannten wir noch nicht. Trotz einiger Kritikpunkte an E. waren wir noch der Meinung, die Redaktionsarbeit sei bisher im wesentlichen gut gewesen und es genügten einige kleine Korrekturen. Durch die enge Freundschaft mit E., das Schätzen einiger guter Seiten an ihm und auch durch die auftrumpfende Art und Weise, wie We. gegen E. auftrat, wurden wir daran gehindert, E.s prinzipielle Fehler zu erkennen. Wir verstanden es zunächst nicht, die Sache mit E. und We. auseinanderzuhalten und zu E.s prinzipiellem Fehler vorzudringen, seiner kleinbürgerlichen, zirkelmäßigen Grundhaltung.

Auf der Grundlage des Schulungsprogramms, Deines Briefs sowie der Stellungnahme der Zentralen Leitung haben wir unseren eigenen Arbeitsstil überprüft und dabei folgende Mängel festgestellt:

1. Wir übten nie prinzipiell und beharrlich Kritik an E.s Fehlern, soweit sie uns auffielen. Meistens blieb es bei taktischen Vorstößen, wobei wir uns schnell zurückzogen, wenn die Autorität E. sich nicht überzeugen ließ. So geschah das zum Beispiel bei der Diskussion über den »Roten Kommentator« über die Horlemann-Gruppe. E.s Fehler, zum Beispiel seine Gleichgültigkeit gegenüber organisatorischen Fragen, wurden von uns als »Schwächen« anerkannt. Auch unter uns beiden waren wir teilweise unkritisch, was uns erst in den letzten Tagen so richtig klargeworden ist. Das ist Liberalismus. Kritik von außen wurde zu E.s Zeiten oft als lästig abgetan. Statt ernsthafter und kämpferischer Kritik und Selbstkritik herrschte Selbstzufriedenheit vor. Das war ein gewaltiger Hemmschuh für die Weiterentwicklung der Roten Fahne. Auch wir beide hatten die Bedeutung von Kritik und Selbstkritik nur zum Teil erkannt und sie vor allem nicht selbst angewandt.

2. Statt kollektivem Arbeitsstil entwickelte sich eine Hierarchie mit E. an der Spitze – dann kam K. und schließlich I. So war zum Beispiel das Leitartikel-Schreiben immer Sache von E. und K., wobei E. diktierte und K. fast nur schrieb. Die Gesamtgestaltung und der Inhalt der wichtigsten Artikel wurden nur selten gemeinsam erarbeitet und diskutiert.

3. Handwerkelei: Es herrschte ein liberaler, »familiärer« Arbeitsstil vor. Klare Perspektiven wurden nie diskutiert, und es wurde eben Nummer für Nummer geschustert. Verbesserungen ergaben sich immer mehr oder weniger spontan. So war auch die gesamte redaktionelle Endverarbeitung bis zum Layout auf K. konzentriert. Hier bestand die falsche Devise: »Alles selber machen«. Besonders jetzt, da wir die Herstellung der Roten Fahne auf ein neues Niveau heben, spüren wir immer wieder unsere Schwäche in Organisationsfragen, mit denen wir uns früher praktisch nie befaßt haben.

4. Die Heranbildung von Kadern für die Pressearbeit wurde von uns nicht energisch angepackt. K. machte zwar ein paarmal, als er E. nach Hause fuhr, entsprechende Vorschläge, die aber offensichtlich von E. nicht weitergegeben wurden. Unser Fehler war es, daß wir den Ernst dieser Frage nicht erkannten und sie deshalb nicht auf einer offiziellen Sitzung mit E. anmahnten. Insgesamt bestätigen unsere Erfahrungen und eigenen Fehler genau die Feststellung im Rundbrief der Zentralen Leitung: kleinbürgerlicher, zirkelmäßiger Arbeitsstil. Wir beide haben über die ganzen Vorgänge viel diskutiert und wollen die Überreste des Zirkelwesens an uns überwinden. Immer wieder wird uns klar, wieviel wir noch lernen müssen und wie bescheiden wir sein müssen. Wir wollen uns ernsthaft um die Beseitigung aller Überreste des bürgerlichen Ehrgeizes und die Erkämpfung des proletarischen Ehrgeizes bemühen. Deine Hinweise haben uns die Frage klargemacht. Wir meinen, daß wir dabei auch auf folgendes achten müssen:

– auf eine revolutionär-kritische Haltung uns selbst und anderen gegenüber,

– auf einen kollektiven Arbeitsstil, wodurch wir selbst und andere sich nur vorwärtsentwickeln können,

– auf die wirkliche Verbindung mit der Arbeiterklasse durch aktive Teilnahme an der Kleinarbeit am Ort,

– auf ein gründliches und wissenschaftliches Herangehen an alle Fragen, auf verstärkte Beachtung grundsätzlicher Fragen unter anderem durch gründliche kollektive Schulung und Selbststudium, damit wir Fehler besser erkennen können und unsere Praxis nicht ziellos wird.

Das Wichtigste ist, daß wir in der Redaktionsarbeit aus den Fehlern lernen und die Redaktionsarbeit auf einen parteimäßigen Stand heben. Wenn jetzt dann das verstärkte Redaktionskollektiv seine Arbeit aufnimmt, dann werden wir Deine Hinweise kollektiv besprechen und umsetzen. Wir beide halten sie für sehr gut und haben zum Teil schon Entsprechendes vorgeschlagen …

Lieber Willi, in den letzten Wochen ist uns durch die eigene Erfahrung so richtig klargeworden, daß Kritik nicht etwas Schlechtes, sondern das lebensnotwendige Entwicklungsgesetz unserer Organisation ist. Die Kritik an E. sowie die Kritiken auf den Organisationskonferenzen usw. haben der Roten Fahne gewaltig geholfen. Auch weiterhin brauchen wir Kritik wie unser täglich Brot. Genausowenig ist der Kampf zweier Linien in der Organisation etwas Schlechtes. Nur so gibt es Fortschritt, nicht aber durch Kritiklosigkeit, Kameraderie und Liberalismus. Wenn wir jetzt wieder sehen, wie sich der Kampf zwischen Arbeiterklasse und Kapital in der sogenannten Energiekrise verschärft, wird uns klar, wie gewissenhaft wir unseren Beitrag für ein gutes Zentralorgan leisten müssen. Wir sind Dir gegenüber zu Dank verpflichtet, weil Du, wie die ganze Organisation, uns geholfen hast, Fehler zu erkennen und wachsamer zu werden. Was wir jetzt geschrieben haben, halten wir nicht für der Weisheit letzter Schluß. Wir sind immer noch dabei, uns einen Überblick über die vergangenen Fehler und die anstehenden Aufgaben zu verschaffen. Die künftige kollektive Redaktion wird auch weiterhin Deine kritische Unterstützung brauchen.

Herzliche Grüße und die besten Wünsche
für das kommende Jahr 1974!
I. und K.

Liebe L, lieber K.! 14. 1. 74

Besten Dank für Euren Brief vom 22. 12. Es freut mich, daß Ihr die entscheidenden Probleme verstanden und die richtigen Schlußfolgerungen gezogen habt. Der marxistische Arbeitsstil muß in der ganzen Organisation erst noch begriffen und zur vollen Entfaltung gebracht werden. Darauf müssen wir alle hinwirken. Das wird nicht leicht sein, weil der individuelle Zirkelarbeitsstil tief verankert ist. Ihn zu überwinden, bedarf es ständiger Überzeugungsarbeit, wobei Rückschläge zu erwarten sind.

Ihr schreibt: »Kritik von außen wurde zu E.s Zeiten oft als lästig abgetan.« Ist das heute nicht mehr der Fall? Die Verbindung, die ich mit früheren Zentralbüro-Leuten habe, veranlaßte sie, sich mit unserem Material zu befassen. Dabei äußerten sie Kritik an verschiedenen Artikeln der Roten Fahne. Ich forderte sie auf, die Kritik an die Redaktion zu schicken. D. K. aus Gelsenkirchen hat eine ausführliche Kritik geschickt, wobei er den Fehler machte, zu übertreiben, und die Fehler in einigen Artikeln der Roten Fahne auf die gesamte Organisation übertrug. Das letztere wird Euch veranlaßt haben, diese Kritik an das Sekretariat weiterzuleiten, die mir H. am 22. 12. zeigte. Das Schlimme ist nun allerdings, daß D. K. keine Antwort bekam, nicht einmal eine Empfangsbestätigung. Er beschwerte sich sehr verärgert bei mir, worauf ich ihm eine 41/2 Seiten lange Antwort schrieb, die natürlich anders ausgefallen ist, als er erwartet hatte und wie sie ihm vom Standpunkt der Redaktion hätte gegeben werden müssen. Ich habe an das Sekretariat eine Durchschrift meines Briefs an D. K. geschickt. Fordert diese an, und überlegt Euch eine Antwort an D. K. Der Kern seiner Kritik berührt den subjektiven Ton in einigen Artikeln, die sich mit anderen Gruppen befassen. Dieser Ton muß unbedingt ausgemerzt werden, um einer sachlichen Auseinandersetzung Platz zu machen.

Die Kritik, die ich im Revolutionären Weg 11 und 12 am KBW geübt habe, hat eine Auseinandersetzung in der Organisation zur Folge gehabt, indem genau diese Punkte von Schmierer aufgegriffen wurden, um Maier des Rechtsopportunismus zu bezichtigen. M. ist aus Bremen, wo sich jetzt eine Fraktion innerhalb des KBW gebildet hat, die sich auf eine eigene Plattform stützt. Wir müssen uns mit der Politik der anderen Gruppen ideologisch auseinandersetzen (das habe ich seit längerem gefordert), auch in der Roten Fahne und sie nicht durch einen subjektivistischen Ton abtun. Das ist sehr wichtig und muß von Euch beachtet werden.

Daß Ihr D. K. keine Antwort gegeben habt, war schlecht. Er steht mit einer Arbeitsgruppe in Westberlin in Verbindung und hat dieser eine Durchschrift seiner Kritik an der Roten Fahne geschickt und es als Schwäche ausgelegt, daß er keine Antwort bekommen hat. Der Leiter dieser Gruppe schrieb mir: »Ich weiß von D., daß auf das Papier von ihm noch keine Antwort erfolgt ist, und das halte ich für einen schweren Fehler, denn das widerspricht doch total Eurem Anspruch und Eurer Forderung nach Kritik und Selbstkritik als Entwicklungs­gesetz, Eurem Anspruch, die Vereinigung der westdeutschen Marxisten-Leninisten voranzutreiben.«

So hat diese Unterlassungssünde weitere Folgen und wird eine Annäherung sehr erschweren.

Euren Brief an die Wirtschaftsabteilung werde ich jetzt erst besprechen, weil ein Umzug stattgefunden hat. Aus bestimmten Gründen halte ich die Teilnahme an Redaktionsbesprechungen nicht für zweckmäßig, und außerdem bedenkt folgendes: Die Hauptaufgabe der Wirtschaftsabteilung ist Zusammenstellen von Materialien für eine tiefgreifende Wirtschaftsanalyse, dann Erstellung von Materialien und Statistiken für den Revolutionären Weg 13 und daneben Schreiben von Artikeln für die Rote Fahne.

Warum ist der Artikel über die Bauwirtschaft in der Nummer 1/74 nicht erschienen? Ihr hattet ihn angefordert, und er wurde rechtzeitig geliefert. Der Artikel zeigte die Entwicklung in der Bauwirtschaft gut auf und auch die Abhängigkeit von der Auftragserteilung durch die öffentliche Hand, die durch die Wirtschaftspolitik der Regierung gedrosselt wurde. Ich sehe keinen Grund, warum er nicht gebracht wurde .. .

In dem Leninartikel können wir Lenins Genie unbedenklich herausstellen. Er war wirklich eine Genie, sowohl in der Erstellung der Theorie wie in der praktischen Durchführung der Revolution. Anders bei Stalin, der in Theorie und Praxis Fehler gemacht hat. Die Herausstellung Stalins als Person war während des Großen Vaterländischen Kriegs notwendig, um unter seiner Führung alle Kräfte des Volks (einschließlich des religiösen Teils) zu einer einheitlichen Widerstandskraft zusammenzufassen. Die weitere Herausstellung auch nach dem Kriege war nicht erforderlich, ja sogar schädlich, weil sie die Kritik einengte und zum Teil untergrub. Die Hervorhebung Maos als großer Vorsitzender und Steuermann während der Großen Proletarischen Kulturrevolution und zur besseren Entlarvung und Bekämpfung der inneren Feinde war zweckmäßig, ist aber heute nicht mehr notwendig, und Mao wünscht es selber nicht. Für unseren revolutionären Kampf und Parteiaufbau ist die geniale Bedeutung Lenins in der ganzen Epoche der proletarischen Revolution nicht hoch genug einzuschätzen. Der Leninismus ist die tödlichste Waffe gegen den Revisionismus, in Theorie und Praxis unangreifbar, bei richtiger Anwendung unfehlbar. Das verdanken wir Lenins Genie. Die Rolle derPersönlichkeit hat in engster Verbindung mit den Massen und der revolutionären Massenbewegung eine große Bedeutung, denn »die Idee wird zur materiellen Gewalt, wenn sie die Massen ergreift«. Ohne die marxistisch-leninistische Theorie (Idee) kann es keine revolutionäre Arbeiterbewegung geben.

Euch für das neue Jahr vollen Erfolg wünschend,
grüßt Euch herzlich
Willi