Willi Dickhut

Willi Dickhut

Über die Zahl der Monopole

Briefwechsel und Dokumente Willi Dickhuts 1978

Von RW-Redaktion
Über die Zahl der Monopole

An das Redaktionskollektiv 26. 12. 78
des Revolutionären Wegs
zu Händen Willi Dickhut



Lieber Willi!

In der Schulung des Revolutionären Wegs 17 ist eine Frage aufgekommen, die wir nicht klären konnten. Ausgangspunkt war die Tabelle 56 (S. 233).

Uns sind die Kriterien, warum in der Differenzierung zwischen monopolistischer und nichtmonopolistischer Industrie die 250 größten Konzerne als monopolistische und der Rest als nichtmonopolistische Industrie bezeichnet wurden, nicht klar.

Vorweg. Uns ist klar, daß es fließende Übergänge gibt. Die Frage ist nicht, ob die 240 oder die 260 größten die monopolistische Gruppe bilden.

Aber. Warum sind es nicht 100 oder 500 oder sonst irgendwas? Im Revolutionären Weg 16 wird ja eingangs der Begriff Monopol charakterisiert. Habt Ihr nun von allen Industriebetrieben, auf welche die dort genannten Kriterien zutreffen, die 250 größten zusammengefaßt? Sind das etwa 250? Oder seid Ihr von den jährlich veröffentlichten Listen über die »x-größten« Firmen in der BRD ausgegangen und habt die 250 größten zusammengenommen? Sind die deutschen Teile ausländischer Monopole eingearbeitet (zum Beispiel Ford, BP …)?

Wir sind Dir dankbar, wenn Du uns das mal näher erläutern kannst.

Die Frage hat deshalb Bedeutung, weil die Aussagen des Revolutionären Wegs 17 über die wirtschaftliche Entwicklung auf der Unterscheidung monopolistische – nichtmonopolistische Industrie aufbauen.

Dies schlägt sich in der Agitation (zum Beispiel 35-Stundenwoche-Broschüre) nieder.

Mit revolutionären Grüßen und den besten Wünschen fürs neue Jahr

Revolutionärer-Weg-Schulungsgruppe des KABD Karlsruhe
i.A. O.





KABD Ortsgruppe Karlsruhe 12. 2. 79
Revolutionärer-Weg-Schulungsgruppe

Liebe Genossen!

Ich bitte um Entschuldigung, daß ich nicht eher antworten konnte, aber das Manuskript für den Revolutionären Weg 19 mußte ich noch einmal überarbeiten und für den Satz redigieren. Nun zu den Fragen in Eurem Brief.

Eine genaue Abgrenzung zwischen der monopolistischen und nichtmonopolistischen Industrie ist nicht möglich. Der Grenzbereich ist nicht nur deshalb fließend, weil die Zahl der Betriebe in diesem Bereich schwankend ist, sondern weil auch Veränderungen vor sich gehen, indem monopolistische Betriebe zu mittelständischen Betrieben absacken und umgekehrt mittelständische Betriebe zu Monopolbetrieben werden. Dazu ein Beispiel: Nixdorf aus Paderborn war vor Jahren ein Mittelbetrieb mit ein paar hundert Arbeitern. Inzwischen ist der Betrieb zum wichtigsten Computerbeziehungsweise Elektronik-Hersteller geworden mit etwa 10000 Beschäftigten. Er verwandelte sich infolge der technischen Entwicklung von einem nichtmonopolistischen Betrieb zu einem monopolistischen.

Lenin ging seinerzeit von 200 Monopolen in Deutschland aus. Wir haben uns die Liste der Firmen (etwa 500) genau angesehen und kommen auf rund 250, denen man Monopolcharakter zusprechen kann. Vergleicht man die Namen dieser Firmen in der jährlichen Aufstellung der letzten zehn Jahre, dann schwimmt eine gewisse Zahl im Grenzbereich von 250, mal ist eine Firma drüber, mal drunter. Man kann eine genaue Analyse von jedem dieser Betriebe nicht machen. Aber das ist auch nicht entscheidend. Eine gewisse Grenze mußte gezogen werden, und die Trennung der nichtmonopolisierten und monopolisierten Betriebe ist bei etwa 250 zutreffend; bei 200 würden eine Reihe Monopolbetriebe nicht erfaßt, bei 300 eine Reihe nichtmonopolisierte Betriebe zu Monopolbetrieben erklärt.

In den Umsatzzahlen der multinationalen Konzerne sind auch die ausländischen Betriebe eingeschlossen, das heißt, es ist der Weltumsatz, nicht der Konzernumsatz (nur inländische Betriebe). Wir haben bei unserer Analyse den Umsatz und nicht die Produktion zugrunde gelegt, weil nur die umgesetzte Produktion eine realisierte Größe ist. Lagerbestände sind eine nichtrealisierte Produktionsmenge, die durch den Verkauf realisiert wird, das heißt, in zirkulierendes Kapital verwandelt wird. Deshalb ist es richtiger, den Umsatz zugrunde zu legen.

Die ausländischen Monopolbetriebe (Ford, Opel, BP usw. ) sind in der Zahl von 250 einbezogen, selbstverständlich nur mit ihrer Produktion in der BRD.

Ich hoffe, damit Eure Fragen ausreichend beantwortet zu haben, und wünsche Euch in der Schulung vollen Erfolg.

Rot Front!
Willi