Willi Dickhut

Willi Dickhut

Kritik am Revolutionären Weg 14

Briefwechsel und Dokumente Willi Dickhuts 1975

Von RW-Redaktion
Kritik am Revolutionären Weg 14

Liebe Genossen!

Ich habe eine Kritik an einer Stelle des Revolutionären Wegs 14, zweiter Absatz von oben; es heißt da: »Der Monopolpreis ist darum ein Raubpreis, der nicht durch ökonomische Gesetze, sondern durch die Raubgier der Monopolkapitalisten bestimmt ist.«

An einer anderen Stelle des Revolutionären Wegs 14 wird Stalin zitiert, der als Grundgesetz des modernen Kapitalismus die Notwendigkeit des Strebens nach Maximalprofiten hervorhebt. Das sehe ich in Zusammenhang mit dem obigen Zitat. Denn der Monopolpreis ist doch wohl nur eine bestimmte Form, die dieses Streben nach Maximalprofiten zutage bringt. Deshalb ist es mir unverständlich, wenn in Verbindung mit dem Monopolpreis von »Raubgier« gesprochen und ein Zusammenhang mit ökonomischen Gesetzmäßigkeiten ausdrücklich verneint wird. Wenn von Raubgier gesprochen wird, dann erweckt das den Eindruck, daß der subjektive Wille der Kapitalisten und nicht ökonomische Gesetze ausschlaggebend für den Maximalprofit sind.

Hierzu ein Zitat von Marx aus »Lohn, Preis und Profit«, zweites Kapitel: »Wenn andererseits die gegebene Grenze der Lohnsumme von dem bloßen Willen der Kapitalisten abhängt oder den Grenzen seiner Habsucht, dann ist dies eine willkürliche Grenze. Sie kann durch den Willen der Kapitalisten und kann daher auch gegen ihren Willen verändert werden.«

Marx weist solche Argumentationen, hier am Beispiel der feststehenden Lohnsumme, entschieden zurück.

Auch wenn dann im Revolutionären Weg 14, Seite 15, darauf hingewiesen wird, daß der Monopolpreis nichts am Wertgesetz ändert, so ist die zitierte Stelle dennoch aus sich heraus falsch. Denn die Kapitalisten sind genauso den Gesetzen des Systems ausgeliefert wie die Arbeiter, nur daß die Arbeiterklasse letztlich die Kraft sein wird, die dieses System aus den Angeln hebt. Und erst dann sind wir soweit, daß die Menschheit nicht mehr der blinden, unkontrollierbaren Wirkung nicht erkannter ökonomischer Gesetze ausgeliefert ist, sondern diese Gesetze bewußt anwendet und im Einklang mit den Bedürfnissen der Werktätigen zur Geltung bringt.

Das ist ja wohl teilweise damit gemeint, wenn in der Grundsatzerklärung am Schluß gesagt wird: »Dann wird die Menschheit vom Reich der Notwendigkeit zum Reich der Freiheit voranschreiten.« Und wenn wir dieses Ziel, den Sozialismus/Kommunismus, erreichen wollen, dann dürfen wir uns heute nicht durch Unklarheiten und verschwommene Formulierungen daran hindern, einen klaren Blick für dieses Ziel zu gewinnen. Aus diesem Grund glaube ich, daß diese Kritik nicht nur an nebensächlichen Formulierungsfragen ansetzt, sondern an Fragen, die bei uns wohl noch häufiger diskutiert werden müssen.

In diesem Sinne: Rot Front!
A.





Lieber Genosse A.! 18. 7. 75

Deine Kritik am Revolutionären Weg 14, Seite 15, betreffend den Satz: »Der Monopolpreis ist darum ein Raubpreis, der nicht durch ökonomische Gesetze, sondern durch die Raubgier der Monopolkapitalisten bestimmt ist«, beruht auf einem Mißverständnis.

Weil die Preise einzelner Waren durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden, liegen sie teils über, teils unter dem Wert der Waren. Der Wert der Ware wird bestimmt durch die zu ihrer Herstellung gesellschaftlich notwendigen Arbeitsmenge. Die Warenpreise pendeln um den Durchschnittswert der Waren herum. Nimmt man die Summe aller Warenpreise, so entspricht diese dem Gesamtwert aller Waren. Das liegt im Wertgesetz begründet, das das ökonomische Gesetz der Warenproduktion ist.

Wenn die Monopolkapitalisten aufgrund ihrer Monopolstellung höhere Preise erzwingen, als der Wert dieser Waren ausmacht, so sind diese Preise eben nicht durch das Wertgesetz bestimmt; es sind Raubpreise, die nur auf Kosten anderer Schichten der kapitalistischen Gesellschaft erzwungen werden können. Wenn in diesem Zusammenhang von Raubgier gesprochen wird, dann mußt Du berücksichtigen, daß dieser Raubzug nicht von der Person und dessen Bewußtsein zu trennen ist. Der Mensch ist das Produkt seiner Verhältnisse und seiner Umgebung. Es ist das Sein, welches das Bewußtsein bestimmt. Dabei spielt der Überbau der Gesellschaft eine große Rolle, besonders bei der Handlungsweise der Monopolkapitalisten.

Lenin sagt in »Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus«: »Der außerökonomische Überbau, der sich auf der Grundlage des Finanzkapitals erhebt, seine Politik, seine Ideologie steigern den Drang nach kolonialen Eroberungen.« Du kannst an Stelle von »Drang« auch »Gier« setzen, es kommt auf dasselbe heraus.

Du mußt den oben zitierten Satz aus dem Revolutionären Weg 14 im Zusammenhang mit den nachfolgenden zwei Absätzen sehen, nur so ist der Raubpreis erklärlich. Denn wie weit die Monopolkapitalisten einen Raubpreis auf Kosten anderer erzwingen können, hängt letzten Endes von ihrer Macht beziehungsweise der Grenze ihrer Macht ab.

Du bringst ein Zitat von Marx aus »Lohn, Preis und Profit«. Das bezieht sich aber nicht auf die allgemeinen Warenpreise, sondern auf den Lohn, der ein besonderer Preis für die Ware Arbeitskraft ist. Auf die Höhe des Lohnes haben die Arbeiter durch ihren Kampf Einfluß – sie bestimmen bei Festsetzung der Höhe des Preises für ihre Arbeitskraft mit. Auf die allgemeinen Warenpreise haben die Arbeiter keinen Einfluß, darum ist das Zitat nicht vergleichbar. Außerdem mußt Du das Zitat im Zusammenhang mit dem letzten Absatz des ersten Kapitels sehen. Hier heißt es: »Sicher ist es der Wille der Kapitalisten, zu nehmen, was zu nehmen ist. Uns kommt es darauf an, nicht über seinen Willen zu fabeln, sondern seine Macht zu untersuchen, die Schranken dieser Macht und den Charakter dieser Schranken.«

Die Arbeiterklasse kann sich gegen die Raubpreise der Monopolkapitalisten nur durch den Kampf um höhere Löhne wehren. Sie muß sich aber klar sein, »daß sie gegen Wirkungen kämpft, nicht aber gegen die Ursachen dieser Wirkungen«.

»Sie sollte begreifen, daß das gegenwärtige System bei all dem Elend, das es über sie verhängt, zugleich schwanger geht mit den materiellen Bedingungen und den gesellschaftlichen Formen, die für eine ökonomische Umgestaltung der Gesellschaft notwendig sind. Statt des konservativen Mottos: ›Ein gerechter Tagelohn für ein gerechtes Tagewerk!‹, sollte sie auf ihr Banner die revolutionäre Losung schreiben: ›Nieder mit dem Lohnsystem!'‹« (Marx: »Lohn, Preis und Profit«) Ich danke Dir für Deinen Hinweis und grüße im Auftrag der Redaktion

Willi