Willi Dickhut

Willi Dickhut

Helfende Kritik

Grundsätzliche Briefwechsel und Dokumente Willi Dickhuts 1973

Von RW-Redaktion
Helfende Kritik

Lieber Willi 4. 6. 73

ich möchte mich besonders für Deine Literaturhinweise herzlich bedanken. Ich hatte mit der Angabe der einen oder anderen Schrift von Lenin und Stalin gerechnet; und dann kam sehr rasch eine sehr detaillierte Aufstellung mit genauen Seitenangaben! Das war ein fix und fertiges Konzept! Das war mehr, als ich zu hoffen gewagt habe. Hoffentlich hat Dich das nicht zu viel Zeit gekostet.

Ich habe auf der Grundlage Deiner Hinweise die ganze Broschüre neu geschrieben. Ich habe Deinen Vorschlag für den Aufbau der Broschüre voll und ganz übernommen, und damit war eine Überarbeitung meines alten Entwurfs kaum noch möglich. Nachdem ich die in Deiner Literaturliste angegebenen Stellen studiert hatte, habe ich die beiden Konzepte miteinander verglichen. Der Hauptmangel meines alten Entwurfs besteht meines Erach-tens darin, daß er unserer gegenwärtigen Schwerpunktaufgabe, Lösung des Kaderproblems, in seiner ganzen Bedeutung nicht gerecht wird. Ich habe im alten Entwurf auf drei Punkte das Schwergewicht gelegt:

1. Organisierung des Kampfs für die Durchführung der politischen Linie,

2. Kaderpolitik und

3. Kontrolle von oben und Kontrolle von unten.

Wenn ich Dich richtig verstanden habe, muß aber alles dem einen und zentralen Thema untergeordnet sein, den Genossen in der Broschüre die Prinzipien einer richtigen Kaderpolitik darzustellen.

Willi, ich hoffe, Du bist damit einverstanden, daß ich in der Broschüre eine längere Passage aus einem Brief, den Du an die Hamburger Genossen geschrieben hast, fast wörtlich zitiert beziehungsweise übernommen habe ...

Herzliche Grüße
Werner

Lieber Werner! 8. 6. 73

Die Lektion ist wesentlich besser als die erste. Ich habe zur Ergänzung noch einige Hinweise gegeben.

Nimm es mir nicht übel, wenn ich Dich auf etwas aufmerksam mache. Aus beiden Lektionen klingt eine gewisse Unsicherheit in der theoretischen Arbeit heraus, bei der ersten noch mehr als jetzt. Bei der letzten bist Du etwas zu schematisch herangegangen, indem Du Dich zu krampfhaft an das Konzept der Literaturhinweise gehalten hast. Man muß sich bei einer theoretischen Arbeit vollständig in das Problem hineindenken und dann erst formulieren. Dabei sollen wir neben fremden auch eigene Gedanken hineinarbeiten. Beim Formulieren muß man davon ausgehen, daß nicht nur man selbst, sondern auch die anderen verstehen sollen, was man geschrieben hat. Das ist manchmal nicht leicht, wie zum Beispiel die Wirtschaftsbroschüre oder der Revolutionäre Weg über dialektischen Materialismus zeigen. Das lernt man mit der Zeit. Wenn ich zurückdenke an die Zeit meiner ersten Parteitätigkeit und wie ich als Arbeiterkorrespondent meine ersten Artikelchen geschrieben hatte, dann hätte ich mir nicht träumen lassen, daß ich mal Bücher schreiben werde. Leider habe ich früher keine helfenden Hinweise oder Kritiken erhalten, so daß ich viele Fehler gemacht habe. Darum verstehe richtig, daß ich Dir mit dem Hinweis helfen will.

Herzlichen Gruß
Willi