Wie die Regie auf dem IX. SED-Parteitag funktionierte

Leipzig (Korrespondenz): Was ich hier berichte, sind die Erfahrungen meiner Schwägerin. Sie war Delegierte zum IX. Parteitag der SED. Die Delegierten wurden nicht aus den Grundeinheiten gewählt. Es war eine so genannte Auszeichnung, die Delegierten wurden von der übergeordneten Leitung vorgeschlagen, meist regelrecht bestimmt. Das sollte nur noch abgenickt werden. Nachdem klar war, dass sie zum Parteitag fahren musste, traten Funktionäre aus der Bezirksparteileitung der SED an sie heran und forderten sie auf, einen Redebeitrag über ihre Arbeit für den Parteitag zu schreiben. Ob sie den dann halten könne, konnte ihr nicht zugesichert werden, aber sie solle ihn bald schreiben und ihn dann vorlegen. Sie schrieb und berichtete über ihre Arbeit im Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter, über Probleme und Fragen. Sie gab den Beitrag wie vereinbart ab. Ein paar Wochen später bekam sie ihn zurück. Mit Rotstift – wie bei einem Diktat in der Schule – wurde jede kritische Meinung weggestrichen, die offiziell zu vertretende Meinung rein geschrieben, ohne auch nur mit ihr darüber zu sprechen. Gleichzeitig wurde ihr mitgeteilt, dass sie genau diesen Redebeitrag auf dem Parteitag halten sollte. Tagelang quälte sie sich, ob sie überhaupt fahren und ob sie diesen vorgeschriebenen Redebeitrag halten sollte oder nicht. Sie ist gefahren und sie hat den Beitrag so gehalten, wie es die SED-Funktionäre wollten. Der Beitrag kam sogar im Fernsehen. Sie hat sich anschließend dafür geschämt. Ich bin stolz, in der MLPD zu sein, in einer Partei, wo so etwas undenkbar ist. In der MLPD ist Kritik und Selbstkritik das Entwicklungsgesetz der Partei.

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