Erfolgreiche Parteiarbeit und der Kampf gegen die Anbetung der Spontaneität

Der Rechenschaftsberichtsentwurf des Zentralkomitees an den VIII. Parteitag der MLPD, der gerade in allen Parteigruppen intensiv diskutiert wird, stellt im Vorwort fest, dass die MLPD ihre bisher erfolgreichste Arbeit seit der Parteigründung bilanzieren kann und dass sich zugleich eine Tendenz der Anbetung der Spontaneität dem erfolgreichen Parteiaufbau entgegenstellt. Wie passt eigentlich beides zusammen?
Erfolgreiche Parteiarbeit und der Kampf gegen die Anbetung der Spontaneität

Systematische revolutionäre Kleinarbeit und Anbetung der Spontaneität sind wie Feuer und Wasser. Parteistand während der Bundestagswahl 2005 in Gelsenkirchen.

Wie hängt das mit der erfolgreichsten Entwicklung der MLPD zusammen? Das wird z. B. an den großen Fortschritten unserer Wohngebietsgruppen in den letzten Jahren sehr deutlich:

Der Rechenschaftsberichtsentwurf des Zentralkomitees stellt fest, dass die Wohngebietsgruppen der MLPD „ihre Aktivitäten unter den Massen seit dem VII. Parteitag (Anmerkung der Red.: seit 2004) erheblich ausgeweitet“ und „neue Felder der Arbeit erobert“ haben. Die Anzahl von Kontakten, Verbindungen, Mitarbeit in Bündnissen und Initiativen hat sich sprunghaft erhöht. Zugleich wurde aber oft die Stärkung unserer Parteigruppen durch neue Mitglieder, durch die Ausbildung unserer Gruppenleiter nicht im gleichen Maß entwickelt und es bildete sich deshalb in nicht wenigen Gruppen eine Überfrachtung der Aufgaben und Überbeanspruchung der Kräfte heraus. Die Anbetung der Spontaneität besteht darin, den Parteiaufbau als führenden Faktor zu vernachlässigen und in der Massenarbeit drauf loszuarbeiten, ohne zugleich neue Kräfte für die Partei zu gewinnen, rechtzeitig neue Gruppen zu gründen und die Mitglieder und Leitungen auszubilden, damit sie in die neuen Aufgaben hineinwachsen können. Deshalb war es eine unbedingte Notwendigkeit, die Reorganisierung der MLPD in Landesverbände und weitere Kreisverbände nach der erfolgreichen Bundestagswahl 2005 sofort in Angriff zu nehmen. Nur so konnten die Erfolge gesichert werden. Durch eine Anpassung an das Auf und Ab des Tageskampfes wären sie dagegen wieder in Frage gestellt worden. All das war nicht immer unumstritten in unseren Gruppen und Leitungen.

Die MLPD konnte in den letzten Jahren gerade deshalb eine erfolgreiche Arbeit machen, weil sie ausgehend von der Ausrichtung durch den VII. Parteitag immer einen bewussten Kampf gegen alle Tendenzen der Anbetung der Spontaneität geführt hat. Damit ist aber die Gefahr von deren Auftreten und Vordringen in der MLPD nicht beseitigt. Vielmehr muss sich die Partei in der heutigen allgemeinen Übergangssituation auf die künftige Entwicklung vorausschauend einstellen, um dieser Gefahr bereits im Vorfeld zu begegnen. Lenin wies in seiner Schrift „Was tun?“ im Jahre 1902 auf die Gefahr hin, dass in Zeiten des Aufschwungs der Massenbewegungen die Partei von der Entwicklung überrollt werden kann, wenn sie nicht alles tut, sich rechtzeitig systematisch ideologisch-politisch, organisatorisch und kaderpolitisch darauf vorzubereiten.

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Lenin: „Ohne revoutionäre Theorie kann es
auch keine revolutionäre Bewegung geben.“

Die Hinwendung der Arbeiter zum Sozialismus

Gesetzmäßig untergräbt die Destabilisierung des kapitalistischen Systems auch die Wirkung der Manipulation der bürgerlichen Meinungsmache und unterhöhlt das gesellschaftliche System der kleinbürgerlichen Denkweise. Wir erleben heute eine wachsende Hinwendung der Arbeiter zu einer gesellschaftlichen Alternative und Offenheit für den echten Sozialismus. Das ist ein Ergebnis einer jahrzehntelangen Kleinarbeit der MLPD und eines gewachsenen Vertrauens unter den Massen in die MLPD. Dieses Vertrauen stellt auch höhere Erwartungen in die Partei, höhere und neue Anforderungen an die revolutionäre Theorie und Praxis. Dagegen reagieren aber auch die Herrschenden mit einem ganzen Arsenal des reaktionären Antikommunismus, mit Verfälschungen und Verzerrungen über den Sozialismus. Den Kampf gegen den Antikommunismus muss die Arbeiterklasse unter Führung ihrer revolutionären Partei bewusst als Vorgefecht für den revolutionären Kampf für den Sozialismus austragen und für sich entscheiden. Wie in diesem Prozess der Gewinnung der entscheidenden Mehrheit der Arbeiterklasse für den Sozialismus Spontaneität und Bewusstheit in Wechselwirkung stehen, arbeitete Lenin wissenschaftlich heraus:

„Die Arbeiterklasse fühlt sich spontan zum Sozialismus hingezogen. Das ist vollkommen richtig in dem Sinne, daß die sozialistische Theorie tiefer und richtiger als jede andere die Ursachen des Elends der Arbeiterklasse aufzeigt; darum wird sie von den Arbeitern auch so leicht erfaßt, falls diese Theorie nur selber vor der Spontaneität nicht die Segel streicht, falls sie sich die Spontaneität unterordnet. (…) Die Arbeiterklasse fühlt sich spontan zum Sozialismus hingezogen, aber die am weitesten verbreitete (und in den mannigfaltigsten Formen ständig wiederauferstehende) bürgerliche Ideologie drängt sich trotzdem spontan dem Arbeiter am meisten auf.“ (Lenin, Werke, Bd. 5, S. 397)

Die MLPD hat in ihrer 25-jährigen Parteigeschichte anknüpfend an diese Erkenntnis Lenins die Kritik an der Anbetung der Spontaneität in der Arbeiterbewegung konkretisiert und erweitert und den Marxismus-Leninismus mit der Lehre von der Denkweise weiterentwickelt.

Dadurch hat sie eine Leitlinie, wie Partei und Massen mit Hilfe einer systematischen marxistisch-leninistischen Kleinarbeit unter den heutigen Bedingungen mit dem gesellschaftlichen System der kleinbürgerlichen Denkweise fertig werden können.

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Je größer die Massenbewegung, desto höher stellt
sich die Anforderung an die Bewusstheit

Aufgabenstellung des VIII. Parteitags

Der Rechenschaftsberichtsentwurf des Zentralkomitees an den VIII. Parteitag wertet auf den verschiedenen Feldern der Parteitätigkeit nun aus, dass sich im Übergang von der ersten Etappe des Klassenkampfes, der nichtrevolutionären Situation, zur zweiten Etappe der akut revolutionären Situation neue Anforderungen in dieser Auseinandersetzung stellen. Das ist auch der rote Faden der Parteitagsvorbereitung, worüber es im Vorwort des

Rechenschaftsberichtsentwurfs zusammenfassend heißt:

Es ist eine der wichtigsten Aufgaben des VIII. Parteitags, die Tendenz zur Anbetung der Spontaneität erschöpfend aufzuarbeiten und die Aufgaben der revolutionären Arbeiterpartei im Übergang von der ersten zur zweiten Etappe des Klassenkampfs gründlich zu diskutieren und daraus Schlussfolgerungen zu ziehen.

(S. 2).

Wolf-Dieter Rochlitz

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