Wirtschaftsentwicklung und Klassenkampf

Die wirtschaftliche Entwicklung in der BRD machte 1972/73 deutlich, dass die Aufschwungsperiode nach dem II. Weltkrieg beendet war und neue Erscheinungen hervortraten. Diese mussten analysiert und die notwendigen Konsequenzen für die Strategie und Taktik gezogen werden.

Der RW 13 wies nach, dass 1973/74 in der BRD nicht – wie die bürgerliche und kleinbürgerliche Propaganda behauptete – von einer Überproduktionskrise die Rede sein konnte, sondern die Monopolbourgeoisie durch den gleichzeitigen Einsatz der Maßnahmen: „Konzentration des Kapitals“, „Rationalisierungsoffensive“ und „Kapitalexport“ in die Offensive ging. Die aufkommende Massenarbeitslosigkeit hatte darin ihre konkreten Ursachen. Mit dem RW 14 wurde nachgewiesen, dass diese Maßnahmen jedoch unweigerlich zu einer Wirtschaftskrise führen müssen. 

Das Buch leistet eine verständliche Einführung in die politische Ökonomie des Marxismus-Leninismus und gibt durch seine anschauliche Anwendung des Marxismus-Leninismus auf die damalige Situation auch eine hervorragende Einführung in die politische Ökonomie im Zeitalter des Imperialismus.

Wirtschaftsentwicklung und Klassenkampf

Erschienen: 1974

Am 29. April 1904, wurde Willi Dickhut in Schalksmühle geboren. Er starb am 8. Mai 1992 in Solingen - auf den Tag genau 47 Jahre nach der Befreiung vom Hitler-Faschismus. Willi Dickhut war Arbeiter, Marxist-Leninist, Widerstandskämpfer gegen den Hitler-Faschismus, Mitbegründer und Vordenker der MLPD.

Er hat lange Jahre das theoretische Organ REVOLUTIONÄRER WEG der MLPD geleitet. Sein Lebenswerk umfasst nahezu ein ganzes Jahrhundert Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung in Deutschland. Er hat den Stil der MLPD entscheidend mit geprägt. Ein besonderes Anliegen war ihm, kritisch-selbstkritisch und selbständig denkende und handelnde Kader zu entwickeln, als Damm gegen Dogmatismus, Revisionismus oder gar eine Entartung der Partei.

Leseprobe

I. Teil Monopoloffensive und die Folgen
Einleitung
I. Konzentration und Zentralisation des Kapitals
1. Zur allgemeinen Konzentrationsbewegung in der Industrie 9
2. Konzentration durch Fusion 14
3. Monopolisierung innerhalb der Branchen 22
4. Die Konzentration des Thyssen-Konzerns 30
II. Zweck und Auswirkung des kapitalistischen Rationalisierung
1. Allgemeine Tendenz: Rationalisierung im Inland 39
2. Die Devise des Staats: „Modernisierung der Wirtschaft“ 43
3. Rationalisierung bedeutet: Maximalprofite für die Monopole 47
4. Rationalisierung bedeutet: Verstärkte Ausbeutung der Werktätigen 59
III. Kapitalexport - Profitoffensive der Monopole
1. Warenexport und Produktionsverlagerung 63
2. Kapitalexport durch Auslandsinvestitionen 73
3. Absicherung und Erweiterung der Auslandsmärkte und Einflußsphären 80
4. Produktionsverlagerung in Niedriglohnländer 88
5. Sicherung von Rohstoffbasen 91
6. Kooperation mit revisionistischen Ländern 94
IV. Die Landwirtschaft unter dem Druck der Monopole
1. Die Agrar- und Klassenstruktur auf dem Lande 102
2. Die kapitalistische Produktionsweise in der Landwirtschaft und die Folgen 114
3. Die Landwirtschaft im Zangengriff der Monopole 128
II.Teil
V. Die Entwicklung von Wirtschaftskrisen und die Folgen
1. Die Akkumulation des Kapitals und die Entstehung von Krisen 5
2. Monopole verhindern nicht die Wirtschaftskrisen 12
3. Wirtschaftskrisen als Folge von Konzentration, Rationalisierung und Kapitalexport 20
4. Das Ende der relativen Stabilisierung des Kapitalismus 26
5. Massenarbeitslosigkeit als industrielle Reservearmee 31
VI. Die Auswirkung der Wirtschaftslage auf den Klassenkampf
1. Wirtschaftsentwicklung und die Lage der Arbeiterjugend 38
2. Die Wirkungen der Wirtschaftskrisen 45
3. Die Entwicklung des Klassenkampfes 52
4. Schaffung einer festen Aktionseinheit 60
5. Die Entwicklung der allgemeinen Krise des Kapitalismus und die Verschärfung des Klassenkampfes 69

Einleitung

„Das kapitalistische System verschwindet nicht von selbst. Seine Stunde schlägt erst dann, wenn tiefgehende Wirtschaftskrisen das Gefüge der kapitalistischen Produktion, des Handels und der Finanzen erschüttern, das politische Gefüge des monopolkapitalistischen Systems in eine Sackgasse gerät, die Machtstellung der Monopolbourgeoisie geschwächt wird und die grundlegenden Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaftsordnung sich derart zuspitzen, daß die Massen nicht mehr in der alten Weise leben wollen und die herrschende Klasse nicht mehr in der alten Weise regieren kann.“ (Grundsatzerklärung des KABD, S. 12)

Befindet sich das kapitalistische System der BRD zur Zeit in einer Wirtschaftskrise oder in einer Phase der relativen Stabilisierung? Diese Frage zu klären, scheint angesichts des Gejammers der deutschen Industrie und der Fehleinschätzungen verschiedener Gruppen notwendig.

Bereits in seiner Broschüre vom Januar 1973 „Die gegenwärtige Wirtschaftslage und die proletarische Taktik“ hat der KABD gründlich nachgewiesen, daß der deutsche Imperialismus sich gegenwärtig in einer Phase der relativen Stabilisierung befindet. Hat sich seitdem die Lage für die Monopolkapitalisten derart verschlechtert, daß man jetzt von einer Wirtschaftskrise sprechen kann?

Der Kommunistische Bund Westdeutschland (KBW) ist offensichtlich dieser Meinung. Gleich auf der ersten Seite seiner „Kommunistischen Volkszeitung“ (KVZ) vom 10. Juli 1974 steht der Artikel „Krise in der Automobilindustrie“. Anhand der Entlassungen und Kurzarbeit verschiedener Automobilbetriebe in der letzten Zeit wird eine Überproduktionskrise in dieser Branche „nachgewiesen“. Diese Einschätzung deckt sich mit dem Krisengejammer der Automobilindustrie in den Schlagzeilen der bürgerlichen Presse. Die ROTE FAHNE des KABD weist in ihrer Juliausgabe nach, was es mit diesem Krisengerede auf sich hat.

Dividenden von 9 % bei VW und 18 % bei Daimler und BMW, Steigerung der Inlandsverkäufe bei VW im April um 9 %, bei Opel Steigerung der Automobilproduktion in der ganzen Welt um 27 % und Steigerung der Investitionen machen das Krisengerede un-glaubwürdig. Sicherlich wird die Steigerung des Absatzes nicht mehr so explosionsartig vor sich gehen wie bisher, aber die Konzerne haben sich schon auf die Erschließung neuer Absatzmärkte ein-gerichtet. Mit der Verlagerung der Produktion ins Ausland ist eine brutale Rationalisierungsoffensive im Inland verbunden. Und genau diese Offensive ist der Grund für die Entlassungen und die Kurzarbeit so vieler Kollegen in den Automobilwerken. Das heißt aber, daß es notwendig ist, nicht auf den Zweckpessimismus der Konzerne hereinzufallen, der Krisenpropaganda entschieden entgegenzutreten und die Pläne der Automobilkonzerne zu entlarven!

Der KBW bringt aber noch weitere „Beweise“ für die gegenwärtige Krise. Der Artikel „Die Herstatt-Pleite – Zeichen der Krise“ versucht, einen Zusammenhang zwischen der angeblichen Krise der westdeutschen Wirtschaft und der Bankpleite herzustellen. Dabei pfeifen es die Spatzen von den Dächern, daß die Ursache der Herstattpleite die Spekulation des Chefs des GERLING-VERSICHE-RUNGS-KONZERNS, Gerling, ist, der 85 % Anteil der Herstattbank und damit Weisungsrecht besaß. Durch Mißbrauch des Vertrauens der kleinen Einleger von Ersparnissen und mit deren Geld hatte Gerling spekuliert und zunächst riesige Profite gemacht. Dann hat er sich verspekuliert und die Millionen-Verluste den Ein-legern und die Herstattbank ihrem Schicksal überlassen, indem er kurz vor der Pleite seinen Bankanteil abstieß und ausschied.

Das ist der Tatbestand und nicht die „Krise“ der „KVZ“. Die wird auch nicht glaubwürdiger, indem sie eine Meldung der „Süddeutschen Zeitung“ zitiert:

„1973 war für nahezu alle Banken ein mieses Jahr, denn die meisten Institute mußten beim Kreditgeschäft, und das ist und bleibt der Kern aller Bankgeschäfte, heilfroh sein, wenn sie, ehrlich gerechnet, mit Plus/Minus Null herauskamen“,

und die „KVZ“ folgert daraus:

Wenn also das Geschäft für die Bankiers nicht so gut lief, dann, weil die Kapitalisten nicht mehr so flott investierten, wozu sie das Geld hätten brauchen können … Das miese Jahr für die Banken ist also nur Ausdruck einer krisenhaften wirtschaftlichen Entwicklung in Westdeutschland.“

War das Jahr 1973 für die Banken wirklich so mies? Die folgende Tabelle läßt an dieser Tatsache die stärksten Zweifel aufkommen:

Tabelle 1 (s.o.)

So ist denn auch die Commerzbank optimistisch für das laufende Jahr: „Das Jahr 1974 begannen wir organisatorisch und finanziell gut gerüstet für weiteres Wachstum.“ Dieser Optimismus und die oben angeführten Zahlen zeigen wohl deutlich, daß von „Plus/ Minus Null" nicht die Rede sein kann und daß die „KVZ“ auch hier wieder auf das Krisengejammer der Konzerne und der bürgerlichen Presse hereingefallen ist. Genau wie beim KBW dient bei dem Münchner „Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD“ das Festhalten an ihrem Krisengerede der Verschleierung ihrer opportunistischen und kleinbürgerlichen Politik.

Die Führer des Arbeiterbundes sehen bereits seit 1971 die Krise am westdeutschen Wirtschaftshimmel heraufziehen. Da sie diese These nicht mit durch Erfahrung begründetem Material belegen können, verwirren sie ihre Anhänger durch laufend sich widersprechende Behauptungen. Die wirkliche Lage wird nicht konkret analysiert, sondern über den Daumen gepeilt, und so ist es nur erklärlich, daß auch sie auf den Zweckpessimismus der Konzerne hereinfallen, zumal diese Einschätzung noch ihr Zurückweichen vor dem offensiven und selbständigen Kampf der Arbeiterklasse bemäntelt.

Genau dieses Zurückweichen aber ist ein Ziel des Zweckpessimismus der Unternehmer. Die Angst vor der drohenden Wirtschaftskrise soll die Arbeiter vom selbständigen Kampf abhalten und sie zurück in die Arme der rechten Gewerkschaftsführung und des Reformismus treiben. Mit ihrer falschen Einschätzung der augenblicklichen wirtschaftlichen Lage unterstützen KBW und Arbeiterbund dieses Ziel. Solange der Kapitalismus besteht, wird es auch Wirtschaftskrisen geben: Das ist ein ökonomisches Gesetz des Kapitalismus. Aber im Augenblick können die Monopole noch ein wichtiges Instrument als „Krisenbremse“ einsetzen – den Staat.

Die Monopole haben sich den Staatsapparat vollkommen untergeordnet. Dieser Staatsapparat übt zahlreiche wirtschaftliche Funktionen aus, die mit denjenigen der privaten Monopole verschmolzen sind. Unter Ausnutzung staatlicher Hebel will die Monopolbourgeoisie den Monopolprofit absichern und anheben. Mit Hilfe der Staatsgewalt wird den Monopolen ein zeitweilig relativ gesicherter Markt geschaffen, die Überproduktion zu drosseln und die Krise auf das arbeitende Volk abzuwälzen versucht.“ (Grundsatzerklärung des KABD, S. 7)

Im jetzigen staatsmonopolistischen Kapitalismus sind dem Staat viele Möglichkeiten gegeben, die Monopolprofite abzusichern und anzuheben: konjunktur- und haushaltspolitische Maßnahmen zur Unterstützung der Monopole, direkte Unterstützungsmaßnahmen wie Subventionen, Kredite und vor allen Dingen auch die politische Absicherung des Ausbeutersystems.

Um die Monopole vor einer Krise zu schützen, wurden und werden alle Maßnahmen getroffen, die Last auf die arbeitende Bevölkerung abzuwälzen, und bis jetzt ist das den deutschen Monopolherren mit Hilfe des Staates auch noch gelungen. Um der Offensive der Monopole die richtige Taktik entgegensetzen zu können, ist eine gründliche Analyse der westdeutschen Wirtschaft unumgänglich.

Briefwechsel und Dokumente

Kritik am Revolutionären Weg 14

Liebe Genossen!

Ich habe eine Kritik an einer Stelle des Revolutionären Wegs 14, zweiter Absatz von oben; es heißt da: »Der Monopolpreis ist darum ein Raubpreis, der nicht durch ökonomische Gesetze, sondern durch die Raubgier der Monopolkapitalisten bestimmt ist.«

An einer anderen Stelle des Revolutionären Wegs 14 wird Stalin zitiert, der als Grundgesetz des modernen Kapitalismus die Notwendigkeit des Strebens nach Maximalprofiten hervorhebt. Das sehe ich in Zusammenhang mit dem obigen Zitat. Denn der Monopolpreis ist doch wohl nur eine bestimmte Form, die dieses Streben nach Maximalprofiten zutage bringt. Deshalb ist es mir unverständlich, wenn in Verbindung mit dem Monopolpreis von »Raubgier« gesprochen und ein Zusammenhang mit ökonomischen Gesetzmäßigkeiten ausdrücklich verneint wird. Wenn von Raubgier gesprochen wird, dann erweckt das den Eindruck, daß der subjektive Wille der Kapitalisten und nicht ökonomische Gesetze ausschlaggebend für den Maximalprofit sind.

Hierzu ein Zitat von Marx aus »Lohn, Preis und Profit«, zweites Kapitel: »Wenn andererseits die gegebene Grenze der Lohnsumme von dem bloßen Willen der Kapitalisten abhängt oder den Grenzen seiner Habsucht, dann ist dies eine willkürliche Grenze. Sie kann durch den Willen der Kapitalisten und kann daher auch gegen ihren Willen verändert werden.«

Marx weist solche Argumentationen, hier am Beispiel der feststehenden Lohnsumme, entschieden zurück.

Auch wenn dann im Revolutionären Weg 14, Seite 15, darauf hingewiesen wird, daß der Monopolpreis nichts am Wertgesetz ändert, so ist die zitierte Stelle dennoch aus sich heraus falsch. Denn die Kapitalisten sind genauso den Gesetzen des Systems ausgeliefert wie die Arbeiter, nur daß die Arbeiterklasse letztlich die Kraft sein wird, die dieses System aus den Angeln hebt. Und erst dann sind wir soweit, daß die Menschheit nicht mehr der blinden, unkontrollierbaren Wirkung nicht erkannter ökonomischer Gesetze ausgeliefert ist, sondern diese Gesetze bewußt anwendet und im Einklang mit den Bedürfnissen der Werktätigen zur Geltung bringt.

Das ist ja wohl teilweise damit gemeint, wenn in der Grundsatzerklärung am Schluß gesagt wird: »Dann wird die Menschheit vom Reich der Notwendigkeit zum Reich der Freiheit voranschreiten.« Und wenn wir dieses Ziel, den Sozialismus/Kommunismus, erreichen wollen, dann dürfen wir uns heute nicht durch Unklarheiten und verschwommene Formulierungen daran hindern, einen klaren Blick für dieses Ziel zu gewinnen. Aus diesem Grund glaube ich, daß diese Kritik nicht nur an nebensächlichen Formulierungsfragen ansetzt, sondern an Fragen, die bei uns wohl noch häufiger diskutiert werden müssen.

In diesem Sinne: Rot Front!
A.





Lieber Genosse A.! 18. 7. 75

Deine Kritik am Revolutionären Weg 14, Seite 15, betreffend den Satz: »Der Monopolpreis ist darum ein Raubpreis, der nicht durch ökonomische Gesetze, sondern durch die Raubgier der Monopolkapitalisten bestimmt ist«, beruht auf einem Mißverständnis.

Weil die Preise einzelner Waren durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden, liegen sie teils über, teils unter dem Wert der Waren. Der Wert der Ware wird bestimmt durch die zu ihrer Herstellung gesellschaftlich notwendigen Arbeitsmenge. Die Warenpreise pendeln um den Durchschnittswert der Waren herum. Nimmt man die Summe aller Warenpreise, so entspricht diese dem Gesamtwert aller Waren. Das liegt im Wertgesetz begründet, das das ökonomische Gesetz der Warenproduktion ist.

Wenn die Monopolkapitalisten aufgrund ihrer Monopolstellung höhere Preise erzwingen, als der Wert dieser Waren ausmacht, so sind diese Preise eben nicht durch das Wertgesetz bestimmt; es sind Raubpreise, die nur auf Kosten anderer Schichten der kapitalistischen Gesellschaft erzwungen werden können. Wenn in diesem Zusammenhang von Raubgier gesprochen wird, dann mußt Du berücksichtigen, daß dieser Raubzug nicht von der Person und dessen Bewußtsein zu trennen ist. Der Mensch ist das Produkt seiner Verhältnisse und seiner Umgebung. Es ist das Sein, welches das Bewußtsein bestimmt. Dabei spielt der Überbau der Gesellschaft eine große Rolle, besonders bei der Handlungsweise der Monopolkapitalisten.

Lenin sagt in »Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus«: »Der außerökonomische Überbau, der sich auf der Grundlage des Finanzkapitals erhebt, seine Politik, seine Ideologie steigern den Drang nach kolonialen Eroberungen.« Du kannst an Stelle von »Drang« auch »Gier« setzen, es kommt auf dasselbe heraus.

Du mußt den oben zitierten Satz aus dem Revolutionären Weg 14 im Zusammenhang mit den nachfolgenden zwei Absätzen sehen, nur so ist der Raubpreis erklärlich. Denn wie weit die Monopolkapitalisten einen Raubpreis auf Kosten anderer erzwingen können, hängt letzten Endes von ihrer Macht beziehungsweise der Grenze ihrer Macht ab.

Du bringst ein Zitat von Marx aus »Lohn, Preis und Profit«. Das bezieht sich aber nicht auf die allgemeinen Warenpreise, sondern auf den Lohn, der ein besonderer Preis für die Ware Arbeitskraft ist. Auf die Höhe des Lohnes haben die Arbeiter durch ihren Kampf Einfluß – sie bestimmen bei Festsetzung der Höhe des Preises für ihre Arbeitskraft mit. Auf die allgemeinen Warenpreise haben die Arbeiter keinen Einfluß, darum ist das Zitat nicht vergleichbar. Außerdem mußt Du das Zitat im Zusammenhang mit dem letzten Absatz des ersten Kapitels sehen. Hier heißt es: »Sicher ist es der Wille der Kapitalisten, zu nehmen, was zu nehmen ist. Uns kommt es darauf an, nicht über seinen Willen zu fabeln, sondern seine Macht zu untersuchen, die Schranken dieser Macht und den Charakter dieser Schranken.«

Die Arbeiterklasse kann sich gegen die Raubpreise der Monopolkapitalisten nur durch den Kampf um höhere Löhne wehren. Sie muß sich aber klar sein, »daß sie gegen Wirkungen kämpft, nicht aber gegen die Ursachen dieser Wirkungen«.

»Sie sollte begreifen, daß das gegenwärtige System bei all dem Elend, das es über sie verhängt, zugleich schwanger geht mit den materiellen Bedingungen und den gesellschaftlichen Formen, die für eine ökonomische Umgestaltung der Gesellschaft notwendig sind. Statt des konservativen Mottos: ›Ein gerechter Tagelohn für ein gerechtes Tagewerk!‹, sollte sie auf ihr Banner die revolutionäre Losung schreiben: ›Nieder mit dem Lohnsystem!'‹« (Marx: »Lohn, Preis und Profit«) Ich danke Dir für Deinen Hinweis und grüße im Auftrag der Redaktion

Willi