Kampf dem Liquidatorentum

Seit Mitte der 1970er-Jahre musste sich die Partei vermehrt mit dem Liquidatorentum auseinandersetzen.

»Mit dem Rückzug der Arbeiterkämpfe 1974 auf dem Hintergrund der Schwankenden Stagnation in der Wirtschaft wurden viele kleinbürgerliche Elemente innerhalb der Arbeiterbewegung verunsichert und zweifelten an der Richtigkeit der proletarischen Linie, griffen sie an und betraten damit den Boden des Liquidatorentums ... Die Veränderung der wirtschaftlichen und politischen Situation und ihre reaktionären Auswirkungen sind die wichtigsten Merkmale der materiellen Grundlagen des gegenwärtigen Liquidatorentums.« (REVOLUTIONÄRER WEG 15, S. 10/11) 

Der REVOLUTIONÄRE WEG 15 wurde zu einem Markstein des Aufbaus der proletarischen Partei, weil er zum ersten Mal die vielfältigen Erscheinungsformen der kleinbürgerlichen Denkweise im Kampf um den Aufbau der marxistisch-leninistischen Partei neuen Typs zusammenstellte und nachwies, daß hier die Hauptursache des Liquidatorentums zu suchen war. Mit seiner grundsätzlichen Ausrichtung zum Kampf gegen das Liquidatorentum ist er zu einer wichtigen Waffe im Kampf zum Erhalt des proletarischen Charakter der Partei geworden.

Kampf dem Liquidatorentum                                                                       

Erschienen: 1976

Am 29. April 1904, wurde Willi Dickhut in Schalksmühle geboren. Er starb am 8. Mai 1992 in Solingen - auf den Tag genau 47 Jahre nach der Befreiung vom Hitler-Faschismus. Willi Dickhut war Arbeiter, Marxist-Leninist, Widerstandskämpfer gegen den Hitler-Faschismus, Mitbegründer und Vordenker der MLPD.

Er hat lange Jahre das theoretische Organ REVOLUTIONÄRER WEG der MLPD geleitet. Sein Lebenswerk umfasst nahezu ein ganzes Jahrhundert Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung in Deutschland. Er hat den Stil der MLPD entscheidend mit geprägt. Ein besonderes Anliegen war ihm, kritisch-selbstkritisch und selbständig denkende und handelnde Kader zu entwickeln, als Damm gegen Dogmatismus, Revisionismus oder gar eine Entartung der Partei.

Leseprobe

I. Ursache und Bedeutung des Liquidatorentums
1. Die materielle Grundlage des Liquidatorentums 5
2. Die kleinbürgerliche Denkweise als Hauptursache des Liquidatorentums 11
a) Überheblichkeit und Arroganz 13
b) Individualistischer Führungsanspruch und Karrierismus 15
c) Disziplinlosigkeit und “Unabhängigkeit” 17
d) ,Ultra‘-Demokratismus und “Freiheit der Kritik” 19
e) Massenfeindlichkeit und Sektierertum 23
f) Dogmatismus und Empirismus 25
g) Liberalismus und Revisionismus 27
II. Die Methoden der Liquidatoren
1. Die Liquidatoren in der russischen Arbeiterbewegung 33
2. Die Liquidatoren in der KPD/ML (RM) und KPD/ML (RF) 38
3. Die Liquidatoren im KABD und seinen Jugendmassenorganisationen 44
III. Die ideologische Grundlage der modernen Liquidatoren
1. Die Liquidierung der revolutionären Praxis 50
2. Die Liquidierung der Massenlinie 61
3. Die Liquidierung des revolutionären Klassenkampfes 68
4. Die Konzentrierung auf die “Fortgeschrittensten” 75
5. Die Liquidierung der führenden Rolle des Proletariats 84
IV. Der Kampf gegen das moderne Liquidatorentum
1. Entfachung der revolutionären Wachsamkeit 90
2. Die Aneignung der Grundsätze des Marxismus-Leninismus und der ideologisch-politischen Linie des KABD 94
3. Die Umsetzung der Linie des KABD in die Praxis in Verbindung mit der Massenlinie 100
4. Die Entfaltung der Kämpfe der Arbeiterklasse 107
5. Die Entlarvung der modernen Liquidatoren 111

Der REVOLUTIONÄREWEG 15/76 behandelt die Bedeutung des Einflusses der kleinbürgerlichen Denkweise in der Arbeiterbewegung. Erstmalig werden die verschiedenen Merkmale, Züge, Erscheinungsformen der kleinbürgerlichen Denkweise, die in der Arbeiterbewegung Einfluß ausüben, in zusammenfassender Form dargelegt. Es wurden nur die wichtigsten Erscheinungsformen analysiert und kurz skizziert. Es gibt noch mehr Merkmale, die wir aber nicht allesamt behandeln wollen, um von dem Kern nicht abzulenken.

Unmittelbare Ursache zur Untersuchung der kleinbürgerlichen Denkweise innerhalb der drei Organisationen KOMMUNISTISCHER ARBEITERBUND DEUTSCHLANDS, REVOLUTIONÄRER JUGENDVERBAND DEUTSCHLANDS und KOMMUNISTISCHE STUDENTENGRUPPEN war das liquidatorische Vorgehen der Jacob-Gruppe. Günther Jacob, ein junger ehrgeiziger Genosse im KABD und RJVD wurde mehr und mehr von der kleinbürgerlichen Denkweise erfaßt. Durchdrungen von einem maßlosen Führungsanspruch versuchte er, den drei Organisationen eine linksopportunistische Linie mit rechten Fehlern aufzupfropfen. Dabei traten alle die nachfolgend aufgezeigten Merkmale der kleinbürgerlichen Denkweise in Erscheinung. Als sein Plan mißglückte, schreckte er nicht vor Spaltung der drei Organisationen durch Austritt seiner Anhänger zurück.

Nicht die quantitative Absplitterung der Jacob-Gruppe ist wesentlich, sondern die in diesem Prozeß zutage getretene kleinbürgerliche Denkweise. Während der Untersuchung dieses Vorganges durch die ZENTRALE KONTROLL-KOMMISSION (ZKK) zeigte sich, welche Bedeutung die kleinbürgerliche Denkweise in der Arbeiterbewegung spielt. Diese Bloßlegung der kleinbürgerlichen Denkweise deckt die Hauptursache des Liquidatorentums auf. Die proletarische Denkweise ist unvereinbar mit Liquidatorentum. Wo Liquidatorentum auftritt, da herrscht die kleinbürgerliche Denkweise vor, die in verschiedenen Erscheinungsformen sich bemerkbar macht. Die Erscheinungsformen rechtzeitig zu erkennen, ob sie nun einzeln auftreten oder in mehreren Zügen gleichzeitig, sie durch Kritik und Selbstkritik entschieden zu bekämpfen – das ist für die Entwicklung der marxistisch-leninistischen Bewegung von großer Bedeutung. Dazu soll der RW 15 beitragen.

Die Redaktion

Rezensionen und Studientipps

Das Liquidatorentum und seine Grundlagen

Solange es eine marxistische Arbeiterbewegung gibt, tritt auch das Liquidatorentum in verschiedenen Formen in Erscheinung. Das hängt aufs engste mit der Revision des Marxismus zusammen; ohne Revisionismus kein Liquidatorentum! Seit sich der Marxismus verbreitete, sich in der Arbeiterklasse festigte, häuften sich die wütenden den Angriffe der bürgerlichen Ideologen. Aber alle Bemühungen waren umsonst, der Marxismus erwies sich als unüberwindlich und lebensfähig.

Von außen war dem Marxismus nicht beizukommen, weder ideologisch durch die bürgerliche Wissenschaft, noch durch Unterdrückung mittels des Staatsapparats. Jetzt wurden scheinsozialistische Lehren in die Arbeiterklasse hineingetragen, die die Arbeiter verwirren und vom Marxismus ablenken sollten. Das war schon gefährlicher und der Marxismus mußte sich mit diesen verschiedenartigen falschen und schädlichen Theorien in der Arbeiterklasse auseinandersetzen. …

Der Marxismus hatte sich gegenüber den verschiedenen Theorien, die in der Arbeiterklasse eingedrungen waren, durchgesetzt, die feindlichen Lehren verdrängt. Doch dann drangen Ideen, die nicht minder arbeiterfeindlich waren, in die marxistische Bewegung selbst ein, um den Marxismus zu revidieren.

So entstand in den neunziger Jahren der Reformismus, durch den „Marxist“ Eduard Bernstein in die marxistischen Parteien und in die Arbeiterbewegung hineingetragen. … Dem Rechtsopportunismus in Form des Reformismus gelang es, einen beträchtlichen Einfluß in der Arbeiterklasse zu erringen.

Neben dem Rechtsopportunismus entstand sein Zwillingsbruder, der Linksopportunismus verschiedener Prägung, Er bedeutet nicht minder eine Revision des Marxismus wie der Rechtsopportunismus. …

Der Revisionismus – rechts- und linksopportunistischer Prägung – tritt überall in der Arbeiterbewegung aller Länder auf; er ist eine internationale Erscheinung. Seine Auswirkungen sind zersetzend und liquidatorisch. Das Einheitliche seines Auftretens, wenn auch in verschiedenen Formen, muß eine gemeinsame Klassenwurzel haben.

Die materielle Grundlage des Liquidatorentums wird durch die kapitalistische Gesellschaftsordnung bestimmt – durch Entstehung und Vernichtung kleinbürgerlicher Zwischenschichten und ihr Eindringen in das Proletariat. Das hat die unvermeidliche Folge, daß kleinbürgerliche Anschauungen in die Arbeiterbewegung eindringen. …

Damit kommen wir zu einer zweiten Seite der materiellen Grundlage des Liquidatorentums, die Wirkung der veränderten Situation a) in der Etappe der akut revolutionären Situation, b) in einer nichtrevolutionären Etappe.

In einer revolutionären Situation, wo nicht nur die Arbeitermassen aufgewühlt sind, sondern auch breite Schichten des Kleinbürgertums unzufrieden mit den bestehenden kapitalistischen Verhältnissen geworden sind, schließen sich diese der revolutionären Bewegung an. Es sind unsichere, schwankende Elemente, die sich den revolutionären Arbeitern als Verbündete anbieten. Bei Rückschlägen oder sogar nach einem Sieg der Konterrevolution herrscht bei ihnen Panik und Zerfahrenheit vor, sie kehren der Arbeiterbewegung den Rücken und verbreiten Zersetzung. Sie sind die Hauptträger des Liquidatorentums.

Quellen & Links

1 Revolutionärer Weg 15, „Kampf dem Liquidatorentum“, S. 5 bis 9

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