Gewerkschaften und Klassenkampf

Mit dem REVOLUTIONÄREN WEG 11/12 wurde die grundsätzliche Ausrichtung der marxistisch-leninistischen Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit entwickelt. Er setzt sich sowohl mit opportunistischen wie linkssektiererischen Fehlern und Prägungen in dieser Arbeit auseinander, die zum Teil aus der Geschichte der deutschen Arbeiter- und kommunistischen Bewegung entstanden sind.

Im Vorwort heißt es: „Die Frage der Entwicklung und Herausbildung der Arbeiteroffensive entscheidet sich nicht nur am spontanen Kampfwillen der Arbeiter. Im Gegenteil, unter den heutigen Bedingungen können die bürgerlichen Medien, Presse und vor allem Fernsehen, gezielt für Verunsicherung sorgen. Um dem zu begegnen und Klarheit in die Köpfe zu bringen, ist es erforderlich, sich sowohl die historischen Zusammenhänge als auch die grundlegenden Erfahrungen in den letzten Jahren vor Augen zu führen. Dazu soll dieses Buch einen Beitrag leisten.“ (REVOLUTIONÄRER WEG 11/12, S.9-10)

Der RW 11 behandelt die Entstehung und Entwicklung der Gewerkschaften bis heute. Der RW 12 untersucht vor allem das Verhältnis zwischen gewerkschaftlichem Kampf und revolutionärem Klassenkampf. Er gibt eine ausgezeichnete Anleitung für die Arbeit als klassenkämpferisches Gewerkschaftsmitglied, Vertrauensmann oder Betriebsrat. Ausgangspunkt ist dabei, die Kämpfe der Arbeiter als Schule des Klassenkampfs zu verstehen.

Gewerkschaften und Klassenkampf

Erschienen: 1973

Am 29. April 1904, wurde Willi Dickhut in Schalksmühle geboren. Er starb am 8. Mai 1992 in Solingen - auf den Tag genau 47 Jahre nach der Befreiung vom Hitler-Faschismus. Willi Dickhut war Arbeiter, Marxist-Leninist, Widerstandskämpfer gegen den Hitler-Faschismus, Mitbegründer und Vordenker der MLPD.

Er hat lange Jahre das theoretische Organ REVOLUTIONÄRER WEG der MLPD geleitet. Sein Lebenswerk umfasst nahezu ein ganzes Jahrhundert Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung in Deutschland. Er hat den Stil der MLPD entscheidend mit geprägt. Ein besonderes Anliegen war ihm, kritisch-selbstkritisch und selbständig denkende und handelnde Kader zu entwickeln, als Damm gegen Dogmatismus, Revisionismus oder gar eine Entartung der Partei.

Leseprobe

Vorwort 9
Erster Teil: Die Entstehung der Gewerkschaften und ihre Bedeutung für die Arbeiterbewegung
I. Lehren aus der Geschichte der Gewerkschaftsbewegung
1. Zwei Wege der Entstehung und Entwicklung der Gewerkschaften und ihre Folgen 15
2. Strömungen in der internationalen Gewerkschaftsbewegung 27
3. Die Spaltung der deutschen Gewerkschaftsbewegung 36
4. Die Revolutionäre Gewerkschaftsopposition 48
Schlußfolgerungen 57
II. Die Gewerkschaften in Westdeutschland nach 1945
1. Gewerkschaftliche Einheit und Einheitsgewerkschaft 61
2. Die Macht des Gewerkschaftsapparats 71
3. Das Koalitions- und Streikrecht 89
Schlußfolgerungen 106
III. Die antigewerkschaftliche Politik der Ultra"linken"
1 Die Sozialfaschismustheorie und ihre Folgen 109
2. Die Theorie der "monopolkapitalistischen" Gewerkschaften 127
3. Alte Fehler im neuen Gewand: die RGO-Politik 139
Schlußfolgerungen 150
Zweiter Teil: Gewerkschaftskampf und revolutionärer Klassenkampf
IV. Der Kampf um soziale Reformen und die Rolle der Gewerkschaften
1. Zwei Ansichten vom Kampf um soziale Reformen 155
2. Sozialdemokratismus als soziale Hauptstütze der Bourgeoisie 167
3. Kampf um echte Reformen oder Illusionen über "systemverändernde Reformen" 179
Schlußfolgerungen 191
V. Das Problem der Mitbestimmung und der Klassenkampf
1. Mitbestimmung und Kontrolle als Realität und Illusion 193
2. Der Betrieb als Basis des Klassenkampfes 217
3. Die Bedeutung ökonomischer und politischer Streiks 237
Schlußfolgerungen 244
VI. Der Klassenkampf und die Rolle der Gewerkschaften
1. Die Etappen des Klassenkampfes und der Opportunismus 247
2. Die Bedeutung der gewerkschaftlichen und selbständigen Kämpfe der Arbeiterklasse 258
3. Die Aufgabe der Kommunisten in den Gewerkschaften 274
Schlußfolgerungen 281
VII. Vier Jahrzehnte Gewerkschaftskampf und Klassenkampf
1. Das Jahrzehnt der Konsolidierung der Monopole und zehn Jahre "Reformen von oben" 283
2. Die "Richtlinien über wilde Streiks" als Vorbereitung der Monopoloffensive 290
3. Die Monopoloffensive der siebziger Jahre 305
4. Die achtziger Jahre: Übergang zur Arbeiteroffensive 322
Schlußfolgerungen 350
Anhang Die Bedeutung der selbständigen Streiks 355
Anhang Chronik des Kampfes der Stahlarbeiter 1987/88 358

Das vorliegende Buch "Gewerkschaften und Klassenkampf" basiert auf der gleichnamigen Ausarbeitung, die 1973 im Theoretischen Organ der MLPD, REVOLUTIONÄRER WEG 11 und 12, veröffentlicht wurde.

Zweifellos haben sich seit dieser Zeit die Bedingungen zur Führung der Kämpfe der Arbeiter und zur Entwicklung des Klassenkampfes wesentlich verändert: Die Strukturkrise der kapitalistischen Wirtschaft, die damals noch nicht als solche erkannt werden konnte, prägt heute das Vorgehen der Monopole und hat Auswirkungen auf die Kämpfe der Arbeiter. Standen 1973 Forderungen nach Lohnerhöhungen und die Erkämpfung von Teuerungszulagen gegen die Preissteigerungen im Mittelpunkt, so sind es heute, unter den Bedingungen der Massenarbeitslosigkeit, vor allem Kämpfe zum Erhalt der Arbeitsplätze unter der zentralen Forderung der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich.

Die damalige SPD/FDP-Regierung wurde 1982 durch die Regierung von CDU/CSU und FDP ersetzt. Fast alle der ultra"linken" Gruppierungen, die damals Verwirrung unter den Arbeitern stifteten und nicht wenige vom Marxismus-Leninismus ab stießen, sind in der Zwischenzeit eingegangen oder haben sich selbst aufgelöst, ohne daß damit jedoch die entsprechenden Ideen aus der Welt geschafft wären.

Neue Fragen, wie die Umweltkrise oder die Gefahr eines atomaren Infernos, flossen in die Arbeiterbewegung ein. Die vielleicht wesentlichste Veränderung besteht darin, daß sich im Zusammenhang mit den Kämpfen der Arbeiter die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) gründen und entwickeln konnte und die Perspektive des Sozialismus in die Kämpfe hineintrug. Entspricht aufgrund dieser Veränderungen die vorliegende Ausarbeitung nicht mehr dem aktuellen Stand Das trifft mit Sicherheit nicht zu! Die Ausarbeitung wurde 1973 erstellt, um den im allgemeinen noch jungen und unerfahrenen Mitgliedern der revolutionären Organisation die Grundsätze marxistisch-leninistischer Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit deutlich zu machen und sie zum Parteiaufbau zu befähigen. Diese Grundsätze gelten heute im gleichen Maß und sind angesichts der Entwicklung der Kämpfe (zum Beispiel Duisburg-Rheinhausen) in gewissem Sinn noch wichtiger als 1973.

Die Frage der Entwicklung und Herausbildung der Arbeiteroffensive entscheidet sich nicht nur am spontanen Kampfwillen der Arbeiter. Im Gegenteil, unter den heutigen Bedingungen können die bürgerlichen Medien, Presse und vor allem Fernsehen, gezielt für Verunsicherung sorgen. Um dem zu begegnen und Klarheit in die Köpfe zu bringen, ist es erforderlich, sich sowohl die historischen Zusammenhänge als auch die grundlegenden Erfahrungen in den letzten Jahren vor Augen zu führen. Dazu soll dieses Buch einen Beitrag leisten. Aus diesem Grund wurden die angeführten Beispiele aus den siebziger Jahren im wesentlichen so belassen und an einigen Stellen mit Fußnoten versehen. Anhand der 15 Jahre Kampferfahrung, die dazwischenliegen, werden so die aufgeführten Grundfragen um so deutlicher und nicht durch unmittelbare, spontane Anforderungen "Überlagerte". Dennoch wurde auch der neueren Entwicklung Rechnung getragen: Ein weiteres Kapitel "Vier Jahrzehnte Gewerkschaftskampf und Klassenkampf" wurde neu ausgearbeitet. Darin wird der Zusammenhang der wirtschaftlichen Entwicklung nach dem II. Weltkrieg mit der Entwicklung der Arbeiterkämpfe (bis 1988) untersucht und Entwicklung und Verlauf der bedeutendsten Kämpfe der siebziger und achtziger Jahre genauer geschildert. Auch dieses Kapitel kann aber nicht die Notwendigkeit ersetzen, unter Berücksichtigung der Erfahrungen der Arbeiterbewegung, in der Festlegung und Durchführung einer konkreten Kampftaktik jeweils den eigenen Kopf zu gebrauchen.

Neben dieser Ergänzung und einzelnen Veränderungen im Text wurde das Buch mit einer Reihe von Abbildungen versehen, um das Verständnis (vor allem der historischen Erfahrungen) zu erleichtern. Die verwendeten Zitate der Klassiker des Marxismus-Leninismus wurden mit Quellenangaben versehen und entsprechend den neuesten Übersetzungen sprachlich korrigiert. Ebenso wurden weitere Zitate soweit sie noch zugänglich waren mit Quellenangaben versehen. Zur besseren Übersicht für den Leser wurden verschiedene Zwischenüberschriften eingefügt.

Stefan Engel

Juli 1988