Die bewußte Anwendung der dialektischen Methode auf dem Niveau der Lehre von der Denkweise

Beilage des Zentralkomitees der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) zur »Roten Fahne« 21/1999 von Stefan Engel, Leiter des theoretischen Organs REVOLUTIONÄRER WEG - 27.Mai 1999

Über die Vulgarisierung des Materialismus in der Arbeiterbewegung

Das Verhältnis des Geistes zur Natur ist die Grundfrage jeder Weltanschauung. Friedrich Engels schreibt dazu in »Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie«:

»Je nachdem diese Frage so oder so beantwortet wurde, spalteten sich die Philosophen in zwei große Lager. Diejenigen, die die Ursprünglichkeit des Geistes gegenüber der Natur behaupteten, also in letzter Instanz eine Weltschöpfung irgendeiner Art annahmen () bildeten das Lager des Idealismus. Die andern, die die Natur als das Ursprüngliche ansahen, gehören zu den verschiednen Schulen des Materialismus.«1

Die verschiedenen Varianten der bürgerlichen Ideologie sind weltanschaulich dem Idealismus zuzuordnen. Dieser verklärt die objektiven Verhältnisse in Natur und Gesellschaft, weil er die Wirklichkeit nicht aus den ihr innewohnenden Gesetzmäßigkeiten ableitet, sondern nach einem ausgedachten Ideal beurteilt. So funktioniert die heutige Wirtschaft nach bürgerlicher Lesart nach dem Ideal der »sozialen Marktwirtschaft«. Wirtschaftskrisen liegen demnach keine Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zugrunde, sondern sie werden dem mangelnden politischen Geschick der jeweiligen Regierung zugeschrieben. Diese idealistische Deutung zielt darauf ab, daß trotz des unvermeidbaren, offensichtlichen Bankrotts der kapitalistischen Wirtschaftsordnung nicht gleich die Gesellschaft grundsätzlich in Frage gestellt wird.

Die Ideale der Menschen sind lediglich die Widerspiegelung materieller, wirklicher Prozesse in Natur und Gesellschaft. Wie in jeder Klassengesellschaft ist auch im Kapitalismus jede Idee der Interessenlage einer bestimmten Klasse zugeordnet:

- Die bürgerliche Ideologie widerspiegelt die Interessen der Bourgeoisie an der Aufrechterhaltung der kapitalistischen Gesellschaft;

- die proletarische Ideologie widerspiegelt das Interesse des Proletariats an der Abschaffung der kapitalistischen Verhältnisse und einer Gesellschaft, die von der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen befreit ist.

Die bürgerliche Ideologie ist reaktionär, weil sie die herrschenden Verhältnisse rechtfertigt, vertuscht und schönredet. Die proletarische Weltanschauung ist an der vollständigen Aufdeckung der Wahrheit und der revolutionären Veränderung der Gesellschaft interessiert. Sie folgt dem materialistischen Grundsatz: »Das Sein bestimmt das Bewußtsein«.

Über diesen Grundsatz der materialistischen Weltanschauung gibt es in der internationalen marxistisch-leninistischen und Arbeiterbewegung zweifellos eine große Übereinstimmung. Aber es gibt auch eine ausgeprägte Tendenz, den Gesamtzusammenhang von Sein und Bewußtsein auf eben diesen materialistischen Grundsatz zu reduzieren. Das führt in der Konsequenz zu einer vulgärmaterialistischen Deutung, nach der sich die Wirklichkeit unmittelbar, d.h. mechanisch im Bewußtsein der Menschen widerspiegeln würde, sozusagen als einfache Kausalität von Sein als Ursache und dem Bewußtsein als Wirkung.

Eine der exponiertesten Vertreterin dieser Richtung in Deutschland ist die KPD (Roter Morgen)*. In der letzten Ausgabe ihrer Zeitschrift können wir zum neuen Programmentwurf der MLPD lesen:

»Was auch immer die MLPD unter Denkweise verstehen mag, jedenfalls hat letztere ja wohl etwas mit dem Denken zu tun und folglich mit dem Bewußtsein.«2

Volltreffer! Die Denkweise hat etwas mit dem Denken zu tun und folglich auch mit dem Bewußtsein Aber dennoch sind es mit Recht unterschiedliche Kategorien, mit jeweils unterschiedlicher Bedeutung. Das Bewußtsein hat immer einen Inhalt und eine Methode, mit der es zu seinen inhaltlichen Erkenntnissen kommt und mit der es diese Erkenntnisse in der Praxis zur Anwendung bringt. Diese Methode ist die Denkweise. Es liegt auf der Hand, daß die Denkweise deshalb gleicherweise etwas mit der Praxis zu tun hat. So wie der Mensch denkt, so handelt er auch. Oder wie es Marx formuliert: Alles, was der Mensch tut, muß vorher durch seinen Kopf.

Warum hat der »Rote Morgen« jedoch die Denkweise ausschließlich dem Bewußtsein zugeschlagen und ihren Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen Sein geleugnet? Weil er in einer völlig idealistischen, dogmatischen Vorstellung über das Verhältnis von Sein und Bewußtsein befangen ist. Er begreift nicht, daß Sein und Bewußtsein nur in ihren philosophischen Kategorien, also zur theoretischen Klärung, einer so scharfen Trennung unterliegen. In der gesellschaftlichen Wirklichkeit werden sie identisch als materieller Prozeß des menschlichen Denkens, Fühlens und Handelns. Dazu schreibt Lenin in seiner Schrift »Materialismus und Empiriokritizismus«:

»Freilich ist auch der Gegensatz zwischen Materie und Bewußtsein nur innerhalb sehr beschränkter Grenzen von absoluter Bedeutung: im gegebenen Fall ausschließlich in den Grenzen der erkenntnistheoretischen Grundfrage, was als primär und was als sekundär anzuerkennen ist. Außerhalb dieser Grenzen ist die Relativität dieser Entgegensetzung unbestreitbar. () Außerhalb dieser Grenzen mit der Gegensätzlichkeit von Materie und Geist, von Physischem und Psychischem als mit einer absoluten Gegensätzlichkeit zu operieren, wäre ein gewaltiger Fehler.«3

Natürlich hat alles, was sich im menschlichen Bewußtsein widerspiegelt, letztlich seine Ursache in der materiellen Wirklichkeit. Für die Roter-Morgen-Gruppe scheint es aber unfaßbar, daß das menschliche Bewußtsein nur existiert, um die Menschheit zu befähigen, auf Natur und Gesellschaft Einfluß zu nehmen. Dazu schreibt Marx in seinen berühmten »Thesen über Feuerbach«:

»Die materialistische Lehre, daß die Menschen Produkte der Umstände und der Erziehung, veränderte Menschen also Produkte anderer Umstände und geänderter Erziehung sind, vergißt, daß die Umstände eben von den Menschen verändert werden und daß der Erzieher selbst erzogen werden muß.«4

Was die Marxisten-Leninisten von den urwüchsigen Materialisten der antiken Griechen oder den mechanischen Materialisten des Mittelalters unterscheidet, ist die Deutung des Zusammenhangs von Sein und Bewußtsein als universelle dialektische Wechselbeziehung.

Der »Rote Morgen« fährt fort:

»Für MarxistInnen aber ist das Bewußtsein durch das gesellschaftliche Sein bestimmt. Folglich muß in erster Linie das gesellschaftliche Sein untersucht werden um Rückschlüsse auf das Bewußtsein ziehen zu können.«5

Niemand wird bezweifeln, daß es notwendig ist, das Bewußtsein auf seine materielle Basis in Natur und Gesellschaft zurückzuführen. Es ist aber völlig absurd, allein aus der objektiven Analyse der Gesellschaft kausal Schlüsse für das Klassenbewußtsein der Arbeiterklasse ziehen zu wollen. Die einfache Kausalität zwischen Sein und Bewußtsein kann die komplizierten Zusammenhänge des staatsmonopolistischen Kapitalismus nicht einmal annähernd richtig erfassen.

Um sich nicht weiter der Lächerlichkeit preiszugeben, sollten sich die Autoren des »Roten Morgen« folgenden Satz von Friedrich Engels hinter die Ohren schreiben:

»Die Herausarbeitung der Methode, die Marx' Kritik der politischen Ökonomie zugrunde liegt, halten wir für ein Resultat, das an Bedeutung kaum der materialistischen Grundanschauung nachsteht.«6

Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß das Klassenbewußtsein der Arbeiterklasse hinter der heutigen gesellschaftlichen Entwicklung zurückgeblieben ist, also im Widerspruch zu der krisenhaften Entwicklung der Gesellschaft steht. Es ist weiter unbestreitbar, daß dieselbe praktische Erfahrung auf die einzelnen Arbeiter zum Teil völlig unterschiedlich wirkt. Der eine setzt sich z.B. nach einer Ankündigung von Massenentlassungen für den gemeinsamen Kampf um jeden Arbeitsplatz ein, der andere verzichtet auf diesen Kampf und sucht für sich nach einem individuellen Ausweg. Die Ursache für diese Widersprüchlichkeit liegt in der klassenmäßig bedingten Denkweise begründet, mit der die Arbeiter ihre Erfahrungen verarbeiten.

Die Kritik am Einfluß des Vulgärmaterialismus ist heute, wie an jedem bedeutenden Wendepunkt in der Geschichte der Arbeiterbewegung, zu einer theoretischen und praktischen Kernfrage für einen neuen Aufschwung im Kampf um den Sozialismus geworden. Im REVOLUTIONÄREN WEG 26 mit dem Titel »Der Kampf um die Denkweise in der Arbeiterbewegung« heißt es:

»Das Bewußtsein kann nur mit Hilfe einer dialektisch-materialistischen Denkweise mit der objektiven Wirklichkeit in Übereinstimmung kommen.«7

Darin liegt gerade die Notwendigkeit der Lehre von der Denkweise, daß sie wissenschaftlich die dialektischen Bewegungsgesetze aufdeckt, die in der Entwicklung des Klassenbewußtseins der Arbeiterklasse wirken, um in Übereinstimmung mit der objektiven Wirklichkeit zu kommen: »Die Lehre von der Denkweise behandelt die Entwicklungsgesetze des menschlichen Denkens bei der Herausbildung des proletarischen Klassenbewußtseins und seiner Höherentwicklung zum sozialistischen Bewußtsein.«8

Die gesetzmäßige Entwicklung des proletarischen Klassenbewußtseins

Natürlich muß auch die kleinbürgerliche Linke die Frage beantworten, warum die revolutionäre Arbeiterbewegung nach dem II.Weltkrieg in Deutschland einen solchen Niedergang erlebt hat und sich davon erst langsam erholt. Der »Rote Morgen« beantwortet das so:

»Warum ist es (das Proletariat, Stefan Engel) schwach? Das basiert letztlich auf materiellen Faktoren. Tatsache ist, daß es in Deutschland nach dem Krieg lange keine zyklischen Krisen gab.«9

Demnach müßte sich das Klassenbewußtsein der Arbeiter in erster Linie als Folge zyklischer Krisen entwickeln, nach dem Motto: je schlechter es der Arbeiterklasse geht, desto höher ihr revolutionäres Bewußtsein. Offen wird das auch von der DKP vertreten. So referierte Detlef Fricke auf einer DKP-Konferenz zu »150 Jahre Manifest der Kommunistischen Partei«:

»Erst dann, wenn die soziale Not so groß ist, daß die Arbeiterklasse aufgrund politischer Einsichten über die Ursachen der Not in ihren sozialen Kämpfen hart und konsequent auftritt, wird sie den inneren Zusammenhang vom Kampf um soziale und demokratische Rechte voll begreifen ­ und die richtige Antwort darauf geben.«10

Diese Theorien sind völlig wirklichkeitsfremd. Hat sich nicht seit Mitte der 70er Jahre auf der Basis unterschiedlichster ökonomischer Krisen eine wachsende Massenarbeitslosigkeit in Deutschland herausgebildet, so daß inzwischen 11 Millionen Vollerwerbsarbeitsplätze in Deutschland fehlen? Gibt es nicht bereits in Deutschland wieder eine verbreitete Armut, die in den drei Millionen Sozialhilfeempfängern nur andeutungsweise in Erscheinung tritt? Wieviel »soziale Not« soll denn nötig sein, damit oben beschriebener Automatismus der Entwicklung des Klassenkampfs in Gang gesetzt wird?

Die Auffassungen von KPD (Roter Morgen) und DKP laufen darauf hinaus, daß sich das Klassenbewußtsein als unmittelbare Reaktion auf die Angriffe der Herrschenden entwickelt. Das ist jedoch die Theorie der Anbetung der Spontaneität der Massen, die die große Bedeutung des weltanschaulichen Kampfs für die Fortentwicklung des proletarischen Klassenkampfs leugnet. Lenin weist darauf hin, daß » jede Anbetung der Spontaneität der Arbeiterbewegung, jede Herabminderung der Rolle des bewußten Elements, der Rolle der Sozialdemokratie, zugleich ­ ganz unabhängig davon, ob derjenige, der diese Rolle herabmindert, das wünscht oder nicht ­ die Stärkung des Einflusses der bürgerlichen Ideologie auf die Arbeiter bedeutet.«11

Die bürgerliche Gesellschaft fußt auf der Wirkung eines Systems von Gesetzmäßigkeiten. Diese kommen vermittels der Denkweise der Menschen zur Wirkung. Deshalb kann die bürgerliche Gesellschaft auch nur durch die vorherrschende bürgerliche Weltanschauung im Kampf gegen die proletarische Weltanschauung funktionieren. Jede Weltanschauung umfaßt jeweils Theorie und Methode als dialektische Einheit. Der weltanschauliche Kampf zwischen Bourgeoisie und Proletariat findet innerhalb der Arbeiterbewegung als Kampf zwischen der proletarischen und der kleinbürgerlichen Denkweise seinen Niederschlag. In der proletarischen Denkweise kommt die Einheit von Theorie und Methode des Marxismus-Leninismus zum Ausdruck, in der kleinbürgerlichen Denkweise die Theorie und Methode bestimmter Formen der bürgerlichen Ideologie. Das Besondere an der kleinbürgerlichen Denkweise ist, daß sie sich scheinbar der proletarischen Denkweise anpaßt, sich bestimmte einzelne proletarische Inhalte und Formen zu eigen macht. Das macht sie so schwer erkennbar und ermöglicht es ihr, tiefer in das Bewußtsein der Arbeiterklasse und der Massen Eingang zu finden. Durch die Politik der Reformen von oben in den 60er und 70er Jahren und die massenhafte Entstehung kleinbürgerlicher Familienverhältnisse haben sich die Lebensverhältnisse zwischen den kleinbürgerlich-intellektuellen Zwischenschichten und der Arbeiterklasse tendenziell angenähert. Das war die materielle Grundlage für das tiefe Eindringen der kleinbürgerlichen Denkweise in die Arbeiterbewegung.

Das Klassenbewußtsein der Arbeiterklasse wird sich nur in dem Maße entwickeln, wie sie mit der kleinbürgerlichen Denkweise fertig wird. Das ist das objektive Gesetz, das der Entwicklung des proletarischen Klassenbewußtseins unter den heutigen Bedingungen des Klassenkampfs zugrunde liegt.

Die Monopole nutzen das gesellschaftlich organisierte System der kleinbürgerlichen Denkweise als zentrales Kampfmittel, um die Arbeiterbewegung zu desorientieren, zu desorganisieren und zu demoralisieren. Eine seiner Hauptmethoden ist die Manipulierung der öffentlichen Meinung. Dabei werden heute nicht einmal in erster Linie Informationen vorenthalten oder nur Desinformation betrieben, die mit Enthüllungen beantwortet werden müßten usw. In der psychologischen Kriegführung im Zusammenhang mit dem NATO-Krieg in Jugoslawien wird vor allem eine bestimmte kleinbürgerliche Logik vermittelt. Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt diesen Krieg moralisch ab. Den Herrschenden ist es auch relativ klar, daß sie die Massen nicht offen für ihre imperialistischen Ziele gewinnen können. Systematisch wird das Denkmuster ausgeben: »Irgendwas muß man ja gegen die ethnischen Vertreibungen Milosevics im Kosovo tun.« Die offene militärische NATO-Aggression soll wie das kleinere Übel erscheinen. Für diejenigen, die sich dennoch gegen den Krieg aussprechen, wird der pazifistische Leitsatz verbreitet: »Krieg darf kein Mittel der Politik sein«, damit sie sich nicht für den aktiven Widerstand einsetzen. Es ist aber ein unverrückbares Gesetz, daß der Krieg nur die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist. Wenn man den imperialistischen Krieg bekämpfen will, dann muß man auch die Politik bekämpfen, zu deren Verwirklichung dieser Krieg geführt wird. Alles andere läuft auf eine Unterstützung der Herrschenden hinaus.

Ohne die von der psychologischen Kriegführung vermittelte Logik bzw. Denkweise zu durchbrechen, werden unsere politischen Inhalte usw. nur als eine zusätzliche Information in die herrschenden Denkmuster integriert. Geradewegs geleugnet wird diese Notwendigkeit aber von einer dogmatischen Richtung in der Arbeiterbewegung, die zum Teil leider auch in die Agitation und Propaganda der MLPD Eingang finden konnte. Nach ihr entsteht und entwickelt sich das Klassenbewußtsein ausschließlich durch Hineintragen marxistisch-leninistischer Theorie in die Arbeiterbewegung. Aufgrund der proletarischen Klassenlage und des objektiv stattfindenden Klassenkampfs entsteht sehr wohl ein bestimmtes Klassengefühl, ein Klasseninstinkt bis hin zur ersten Stufe des Klassenbewußtseins, z.B. dem gewerkschaftlichen Bewußtsein. Natürlich reichen die spontanen Erfahrungen nicht aus für ein entwickeltes sozialistisches Bewußtsein. Aber sie sind die Grundlage, auf der sich in Verbindung mit der marxistisch-leninistischen Überzeugungsarbeit ein entwickeltes sozialistisches Bewußtsein heranbilden kann. Für die Entwicklung des proletarischen Klassenbewußtseins ist das dialektische Zusammenwirken von zwei Faktoren ausschlaggebend: die proletarische Klassenlage und die praktischen Kampferfahrungen im Klassenkampf als materielle Grundlage und die proletarische Weltanschauung als ideologische Grundlage. Der REVOLUTIONÄRE WEG 26 stellt hierzu zusammenfassend fest:

»Praktische Kampferfahrungen der Massen und theoretische Grundkenntnisse sind die zwei unverzichtbaren Grundlagen, die nur in ihrer dialektischen Wechselwirkung ein entwickeltes Klassenbewußtsein hervorzubringen vermögen. Nur mit einer proletarischen Denkweise ist es möglich, praktische Kampferfahrungen bewußt mit der marxistisch-leninistischen Theorie zu durchdringen und so das Bewußtsein der Arbeiterklasse mit der sich stets verändernden objektiven Wirklichkeit in Übereinstimmung zu bringen.«12

Eine notwendige Erweiterung der marxistisch-leninistischen Strategie und Taktik

Wenn die KPD (Roter Morgen) die Lehre von der Denkweise als »Rückzug aus dem Klassenkampf« (»Roter Morgen« 12/96) bezeichnet, zeigt das nur, wie wenig sie die veränderten Bedingungen im Klassenkampf im staatsmonopolistischen Kapitalismus begriffen hat.

Die Aufgabe der proletarischen Strategie und Taktik besteht in der Führung und Höherentwicklung des proletarischen Klassenkampfs bis zum Sturz der Monopolherrschaft und der Errichtung der Diktatur des Proletariats. In der jetzigen Etappe der relativen Ruhe im Klassenkampf muß vor allem das proletarische Klassenbewußtsein der Arbeiterklasse systematisch geweckt und höherentwickelt werden, bis ihre entscheidende Mehrheit für den Kampf um den Sozialismus gewonnen ist. Da die Entwicklung des proletarischen Klassenbewußtseins heute maßgeblich vom Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise abhängt, muß die marxistisch-leninistische Strategie und Taktik im proletarischen Klassenkampf durch den Kampf um die Denkweise der Massen erweitert werden. Wer darauf verzichtet, ignoriert die Tatsache, daß das Problem der Denkweise heute zur ausschlaggebenden Frage in der Entwicklung des Klassenkampfs geworden ist.

Auch im marxistisch-leninistischen Parteiaufbau oder bei der Vorbereitung der internationalen Revolution findet die Strategie und Taktik im Kampf um die Denkweise ihre grundlegende Anwendung. Nur in der Einheit dieser drei Ebenen kann das universell wirkende, gesellschaftliche System der kleinbürgerlichen Denkweise wirksam bekämpft und im Zusammenhang mit dem Sturz der Alleinherrschaft der Monopole überwunden werden. Der marxistisch-leninistische Parteiaufbau auf Grundlage der proletarischen Denkweise muß dabei stets der führende Faktor sein.

Das allgemeine Wesen der Strategie und Taktik im Kampf um die Denkweise besteht in der bewußten Anwendung der dialektischen Methode zur Organisierung der Überlegenheit der proletarischen Denkweise im Kampf gegen die kleinbürgerliche Denkweise. Im Politischen Bericht des Zentralkomitees der MLPD vom Januar 1997 heißt es:

»Es haben sich vor allem drei Elemente als ausschlaggebend erwiesen, um mit der kleinbürgerlichen Denkweise fertig zu werden:

1.Die kleinbürgerliche Denkweise erkennen und allseitig aufdecken. In der Regel treten die Erscheinungsformen der kleinbürgerlichen Denkweise sehr eng verbunden mit der proletarischen Denkweise auf. Die wissenschaftliche Unterscheidung zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise hilft uns, den klassenfremden Einfluß der Bourgeoisie auf unser Denken, Fühlen und Handeln zu verstehen und schärft den proletarischen Klassenstandpunkt. Dies erfordert die allseitige Kenntnis und Anwendung der ideologisch-politischen Linie der MLPD und die Beherrschung der dialektisch-materialistischen Methode.

2.Ist die kleinbürgerliche Denkweise aufgedeckt, kommt alles auf die richtige Behandlung der Widersprüche an. Dazu ist es notwendig festzustellen, welche Denkweise vorherrschend ist und welche Qualität der Kampf angenommen hat. Das Vorherrschen der kleinbürgerlichen Denkweise führt zum offenen Kampf zweier Linien. Die kleinbürgerliche Linie muß schonungslos bekämpft und zerschlagen werden, um ihren allseitig zersetzenden Einfluß zu bannen. ()

Solange die proletarische Denkweise vorherrschend ist, muß der Kampf gegen die kleinbürgerliche Denkweise in nicht-antagonistischer Form geführt werden. ()

3.Im Kampf gegen die kleinbürgerliche Denkweise muß stets das System der Selbstkontrolle weiterentwickelt werden und seine richtige Handhabung erlernt werden. ()

Die Anwendung prinzipieller Kritik und Selbstkritik ist das eigentliche Wesensmerkmal des Systems der Selbstkontrolle und muß immer wieder neu erkämpft und weiterentwickelt werden.«13

In der Lösung der Kaderfrage bzw. der Erziehung der Massen zur Selbstbefreiung faßt sich letztlich der ganze Zweck der Strategie und Taktik des Kampfs um die Denkweise zusammen.

Parteiaufbau auf der Grundlage der proletarischen Denkweise

Der Solinger Parteitag der MLPD faßte den Beschluß: »Die proletarische Denkweise muß als Grundlage der Parteiarbeit durchgesetzt werden.« Das war die Quintessenz aus 25 Jahren Erfahrungen in Parteiaufbau und Klassenkampf. Die Partei muß die grundlegende Methode beherrschen, Fehler zu vermeiden. Das war zugleich eine rechtzeitige Einstellung auf die neuen Herausforderungen, die die Verschärfung der Allgemeinen Krise des Kapitalismus in ihrer 5. Phase um die Jahrtausendwende mit sich brachte. Der Kampf zwischen der proletarischen und kleinbürgerlichen Denkweise wurde zur ausschlaggebenden Frage für einen neuen Aufschwung des Kampfs um den echten Sozialismus.

Im »Übergang zu einer neuen Grundlage des Parteiaufbaus« witterte der Verfassungsschutz seine Chance, Vorbehalte und Widersprüche in und gegenüber der Partei zu schüren. So lesen wir in seiner jüngsten Ausgabe:

»Die maoistisch ausgerichtete MLPD befand sich 1998 nach eigenen Angaben in einer Sinn- und Identitätskrise.«14

Es gehört zu der grundlegenden Aufgabe des Verfassungsschutzes als Organ des Klassenkampfs zur Niederhaltung der revolutionären Arbeiterbewegung und zur Verteidigung der Diktatur der Monopole, jeden Schritt unseres Parteiaufbaus als vergeblichen Versuch des Zentralkomitees zu deuten, die Mitglieder durch ausgeklügelte Kampagnen und vermeintlich drakonische Maßnahmen bei der Stange zu halten. Außer einer bewußten Diskreditierung der MLPD und ihrer Führung offenbart diese ­ an Ignoranz kaum zu überbietende ­ Darstellung das völlige Unverständnis der bürgerlichen Ideologen gegenüber der marxistisch-leninistischen Strategie und Taktik im Parteiaufbau.

In einem Seminar zum neuen System der Organisations- und Kaderarbeit vom August 1997 führte das Zentralkomitee der MLPD aus:

»Die Strategie und Taktik im Parteiaufbau ist natürlich Bestandteil der Strategie und Taktik des proletarischen Klassenkampfs ­ eine Erweiterung, die in engem Zusammenhang mit der Verschiebung der Grundlage des Parteiaufbaus steht.«

In der Partei besteht die größte Gewähr für die Organisierung der Überlegenheit der proletarischen Denkweise im Kampf gegen die kleinbürgerliche Denkweise, weil im Unterschied zum gesellschaftlichen Kampf die proletarische Denkweise hier allgemein vorherrschend ist. Wäre das nicht mehr der Fall, dann hätte sie ihren marxistisch-leninistischen Charakter eingebüßt.

Der Kampf um die Denkweise innerhalb der Partei ist eine Widerspiegelung des Klassenkampfs im Parteiaufbau. Er folgt dem Kampf zweier Linien als objektivem Gesetz der Entwicklung des Kampfs zwischen der proletarischen und kleinbürgerlichen Denkweise. Alle Beziehungen zwischen Partei und Massen müssen sich innerparteilich widerspiegeln. Das Vordringen der kleinbürgerlichen Denkweise in der marxistisch-leninistischen Partei führt gesetzmäßig zu einer Trennung von Partei und Massen. Umgekehrt nimmt die immer tiefere Verbindung der Partei mit den Massen ihren Ausgangspunkt in den inneren Beziehungen der Partei. Diese inneren Beziehungen werden durch die fünf grundlegenden Seiten des Parteiaufbaus verkörpert:

1.Der Marxismus-Leninismus, die ideologische Grundlage der Partei

2.Das Programm, die politische Linie der Partei

3.Die Organisation, das Instrument der praktischen Tätigkeit der Partei

4.Der demokratische Zentralismus, das Organisationsprinzip der Partei

5.Kritik und Selbstkritik, das Entwicklungsgesetz der Partei.

Die fünf grundlegenden Seiten des Parteiaufbaus waren Leitschnur des marxistisch-leninistischen Parteiaufbau neuen Typs von Anfang an und wurden durch die Lehre von der Denkweise verallgemeinert:

»Die Identität der fünf grundsätzlichen Seiten des Parteiaufbaus als dialektische Einheit von Theorie und Praxis zu begreifen und zu verwirklichen, das ist die proletarische Denkweise als neue Grundlage des Parteiaufbaus.«15

Die kleinbürgerliche Denkweise in der Partei bewirkt immer eine Trennung der fünf grundlegenden Seiten des Parteiaufbaus. Im August 1996 war eine gefährliche Situation eingetreten. Dazu heißt es in einem vom Politischen Leiter des Zentralkomitees verfaßten Brief,

» daß wir es im Kampf zur Durchsetzung einer neuen Grundlage des Parteiaufbaus nicht lediglich mit einzelnen Erscheinungen der kleinbürgerlichen Denkweise zu tun haben. Es ist ein ganzes System kleinbürgerlicher Methoden in der Anleitung und Kontrolle, das sich der neuen Grundlage in der Praxis entgegenstemmt. () Die Existenz eines ganzen Systems kleinbürgerlicher Methoden in der Anleitung und Kontrolle ist ein alarmierendes Signal und stellt den gesamten Parteiaufbau in Frage. ()

Das verändert schlagartig die Situation in der Partei und erfordert, die gesamte Mitgliedschaft schrittweise in diese prinzipielle Auseinandersetzung einzubeziehen. Daß sich in der Praxis ein System kleinbürgerlicher Methoden organisiert hat, ist zum Haupthindernis für das Vorankommen des Übergangs zur neuen Grundlage des Parteiaufbaus geworden. Es ist inzwischen fast unmöglich, gegen dieses System durchzukommen. Vorwärtstreibende Initiativen werden erstickt, die ideologisch-politische Seite der Tätigkeit wird systematisch weggedrückt, prinzipienlose Kritik und Selbstkritik ersetzt die richtige Handhabung des Systems der Kontrolle. Die Lehre von der Denkweise droht zur leeren Phrase zu verkommen und der wirklichen Selbstveränderung der Denkweise wird ausgewichen! Das Allerschlimmste ­ die Kleinarbeit stagniert, und es gibt die größten Probleme, die Taktik des Kampfs um die Neuorientierung der Massen zu begreifen bzw. in die Tat umzusetzen. Die Auswirkungen sind also allseitig. ()

Die Existenz dieser beiden Systeme in der Praxis der Partei ist die unmittelbare Vorstufe eines offenen Kampfs zweier Linien, in dem es darum geht, ob die Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus, die Lehre von der Denkweise, die theoretische Grundlage bleibt, sich die Partei auf die internationale Revolution vorbereitet, oder ob die Partei sich gegen die Lehre von der Denkweise wendet und damit jede Fähigkeit zur revolutionären Tätigkeit einbüßt.

Auch wenn sich das System der kleinbürgerlichen Methoden in der Anleitung und Kontrolle erst in der Praxis herausgebildet hat und es noch keine allseitig ausgearbeitete kleinbürgerliche Linie dazu gibt, so muß dennoch bereits eine ideologisch-politische und theoretische Rechtfertigung des Systems existieren. Wo es Rauch gibt, da gibt's auch Feuer! Es ist nur eine Frage der Zeit, wie dieses System der kleinbürgerlichen Methoden in der Praxis sich in einer kleinbürgerlichen Linie niederschlägt und offen die Führung beansprucht und die proletarische Linie des Parteiaufbaus neuen Typs angreift. ()

Die Lage ist ernst, aber sie beinhaltet vor allem auch eine große Chance, den sich nunmehr seit geraumer Zeit hinziehenden Problemen tatsächlich auf den Grund zu gehen und sie wirklich zu lösen. Es wird ein harter Kampf, der gnadenlos geführt werden muß, der aber auch immer vom Standpunkt der prinzipiellen Einheit des ZK, der prinzipiellen Einheit der Kader in der Partei, der prinzipiellen Einheit zwischen Partei und REBELL ausgeführt werden muß

In einem im bisherigen Parteiaufbau beispiellosen Kampf um die Denkweise gelang es unter Führung des Zentralkomitees bis zum Sommer 1997 das System kleinbürgerlicher Methoden in der Anleitung und Kontrolle restlos zu überwinden. Dazu mußten die Ursachen und Wirkungen des Systems kleinbürgerlicher Methoden in der Anleitung und Kontrolle allseitig aufgedeckt werden.

Die Systematisierung kleinbürgerlicher Methoden in der Anleitung und Kontrolle bestand in folgendem:

1.Aufbau eigener Strukturen, die sich der Kontrolle entziehen können

2.Ein System von Rechtfertigungen der kleinbürgerlichen Denkweise

3.Aufbau einer bürokratischen Hierarchie, um die Verantwortungslosigkeit zu begründen

4.Wegdrücken der ideologisch-politischen Grundlage als Hauptausdruck des kleinbürgerlichen Führungsanspruchs

5.Prinzipienlose Kritik und Selbstkritik, um die kleinbürgerliche Denkweise zu decken.

Das 3. ZK-Plenum deckte als Haupttriebkraft für das gefährliche Vordringen der kleinbürgerlichen Denkweise einen kleinbürgerlichen Führungsanspruch in der Führung der Organisations- und Kaderarbeit auf, der folgende Haupterscheinungen beinhaltete:

»1.Das Konkurrenzverhalten zwischen den Kadern

2.Ein unkameradschaftlicher Umgang und eine herzlose Kaderbehandlung

3.Die prinzipienlose Kritik und Selbstkritik und die Ignoranz der Kritiken aus der Organisation

4.Die Häufung ungelöster Probleme, insbesondere zur Anleitung und Kontrolle und im Apparat- und Finanzbereich, und die Verschleppung ihrer Lösung

5.Die Loslösung von der ideologisch-politischen Grundlage der Partei

6.Das Ersaufen im pragmatischen Auf und Ab oder in dogmatischen Ausschweifungen, statt prinzipieller Klärung und Lösung der aufgeworfenen Fragen

7.Demoralisierung und Aufweichung der Kampfmoral

8.Vordringen von Individualismus und Disziplinlosigkeit, in Verbindung mit einer Häufung von Eigenmächtigkeiten, die allesamt bewirken, sich der Kontrolle durch die politische Führung und die ZKK zu entziehen

9.Die Unfähigkeit zu einer materialistischen Organisationsanalyse und ihre Ersetzung durch subjektivistische Nabelschauen, Rechtfertigungen

10.Vertuschung prinzipieller Fehler

11.Objektives Entstehen eines kleinbürgerlichen Zentrums im ZK, das sich gegen die Zerschlagung des Systems kleinbürgerlicher Methoden in der Anleitung und Kontrolle richtete

12.Torpedierung des organisationspolitischen Schwerpunkts Jugendarbeit und Gefährdung der Ergebnisse des 3. Verbandsdelegiertentags und der Allgemeinen Untersuchung der ZKK mit dem REBELL.«

Über die Entstehung eines solchen kleinbürgerlichen Ehrgeizes heißt es im REVOLUTIONÄREN WEG 26:

»Gegen diesen in stets neuer Form auftretenden Druck hilft nur eine feste theoretische Grundlage, hilft nur die beständige Auswertung und Verarbeitung aller Erfahrungen mit Hilfe der Theorie des Marxismus-Leninismus. Das geht nicht ohne den proletarischen Ehrgeiz, um unermüdlich eine selbständige Orientierung in jeder Frage zu erkämpfen und ein sozialistisches Bewußtsein zu erlangen. Läßt dieser Ehrgeiz nach, wird das den klassenfremden Einfluß zur vollen Entfaltung bringen. So kann sich auch die proletarische Denkweise eines Arbeitergenossen in eine kleinbürgerliche Denkweise verwandeln und einem kleinbürgerlichen Ehrgeiz Platz machen.«16

Um dieses System kleinbürgerlicher Methoden in der Anleitung und Kontrolle zu überwinden, mußten folgende grundlegende Elemente der Strategie und Taktik des Kampfs um die Denkweise Beachtung finden:

lNur im bewußten Kampf ist die proletarische Denkweise der kleinbürgerlichen Denkweise überlegen. Dagegen setzt sich in der Sphäre der Spontaneität gesetzmäßig die kleinbürgerliche Denkweise durch, weil diese unter der Bedingung der gesellschaftlich vorherrschenden bürgerlichen Ideologie ständig von Neuem genährt wird. Das unterstreicht die große Bedeutung der marxistisch-leninistischen Erziehungsarbeit der Partei im Kampf um die Denkweise.

- Man muß immer von der grundsätzlichen Seite an jede Frage herangehen und die Allseitigkeit der ideologisch-politischen Linie der MLPD ausspielen. Die kleinbürgerliche Denkweise lebt dagegen von Teilerkenntnissen und subjektiver Willkür, mit denen sie die Wirklichkeit verzerrt wahrnimmt bzw. darstellt.

- Die proletarische Denkweise kann sich gegen die allgemeine Überlegenheit des gesellschaftlichen Systems der kleinbürgerlichen Denkweise nur durch die strikte Konzentration der Kräfte auf die Lösung derjenigen Probleme durchsetzen, bei denen sie aktuell und im gegebenen Moment ihre konkrete Überlegenheit ausspielen kann.

- Nur in der direkten Konfrontation ist die proletarische Denkweise der kleinbürgerlichen Denkweise überlegen. Deshalb muß dieser Kampf immer offen ausgetragen werden. Die kleinbürgerliche Denkweise weicht dagegen der offenen Auseinandersetzung aus, weil sie in der Form der Anpassung ihr geeignetes Medium hat.

- Die proletarische Denkweise muß die kleinbürgerliche Denkweise angreifen, damit diese nicht vordringen kann. Denn das Vordringen der kleinbürgerlichen Denkweise ist immer mit der Verdrängung und Zerstörung proletarischer Eigenschaften und Organisationsformen verbunden.

- Die proletarische Denkweise muß sich in ihrem Kampf gegen die kleinbürgerliche Denkweise in einem fortlaufenden Wechselprozeß von marxistischer Theorie und revolutionärer Praxis beständig höherentwickeln, sonst kann sie nicht bestehen. Das geht nur systematisch und organisiert. Im System der Kleinarbeit kommt das in dem allseitigen Wechselverhältnis von marxistisch-leninistischer Partei und der Förderung der Selbstorganisationen der Massen zum Ausdruck.

lDie Beherrschung der dialektischen Methode ist die ausschlaggebende Fähigkeit der Kader, den Kampf der proletarischen Denkweise gegen die kleinbürgerliche Denkweise zur Entscheidung zu bringen.

Diese grundlegenden Elemente der Strategie und Taktik des Kampfs um die Denkweise fassen sich in einer vom Zentralkomitee geführten proletarischen Streitkultur zusammen.

Das System der Organisations- und Kaderarbeit neuen Typs

Mit der Zerschlagung des Systems kleinbürgerlicher Methoden in der Anleitung und Kontrolle hat das Zentralkomitee grundlegende Lehren gezogen. Als Konsequenz wurde ein System der Organisations- und Kaderarbeit auf der Grundlage der proletarischen Denkweise als ein zentrales Element des Systems der Selbstkontrolle der Partei eingeführt.

Die Systematisierung der Organisations- und Kaderarbeit neuen Typs ist die einschneidendste organisationspolitische Veränderung in der marxistisch-leninistischen und Arbeiterbewegung seit der Bolschewisierung der KPD in den 20er Jahren.

Die Bolschewisierung der Kommunistischen Parteien setzte die von Lenin entwickelten Prinzipien für die Parteien neuen Typs weltweit durch:

- Parteien, die auf der Grundlage einer klaren ideologisch-politischen Linie und organisiert nach dem demokratischen Zentralismus arbeiteten;

- die politische Aktivität jedes Parteimitglieds statt einer Masse passiver bzw. rein zahlender Mitglieder in der Sozialdemokratie;

- die Konzentration auf die Betriebe und eine kommunistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit; aktive Betriebszellen statt vorwiegend eine auf Wahlkämpfe orientierte und in Wohngebieten organisierte Partei;

- die kollektive Analyse und Beschlußfassung über die Politik der Parteien und die systematische Organisierung der Umsetzung und ihrer Kontrolle entgegen einem Stil wortradikaler Resolutionen, die niemand umsetzte.

- Die alte Sozialdemokratie war geprägt von den Führungspersönlichkeiten, die niemandem zur Rechenschaft verpflichtet waren. Die Bolschewisierung der Partei schuf kollektive Führungsgremien mit klar bestimmter Aufgabenstellung. Auf zentraler Ebene waren dies vor allem das ZK-Plenum und die daraus gebildete Pol- und Org-Gruppe.

Bei allen historischen Fortschritten war die Bolschewisierung der KPD nicht konsequent von der dialektisch-materialistischen Methode geprägt. Mechanische Zusammenhänge, einfache Negationen und Auseinanderreißen von verschiedenen Seiten, die eine dialektische Einheit bilden, prägen die Argumentation und die praktische Durchführung der Bolschewisierung:

- Die richtige Betonung der Bedeutung der Betriebszellen ging einher mit einer Negierung der Wohngebietsarbeit, mit einer Vernachlässigung der Arbeit unter den breiten Massen und der Arbeit unter den Zwischenschichten.

- Ein »mehr« an Zentralismus und Kontrolle führt zu »weniger« Demokratie und Rechten der Mitglieder. Das Verhältnis von Basis und Führung und die Inhalte der Kaderarbeit der Leitungen wurden wie folgt bestimmt:

»Die leitenden Organe müssen ständige Verbindung mit den Parteimitgliedern haben und unter diesen die Arbeit verteilen, Direktiven geben, ihre Arbeit kontrollieren usw., um sie dadurch zur regelmäßigen, aktiven Parteiarbeit heranzuziehen.

Durch die Mitglieder verbreitet die Parteiorganisation die Parteilosungen und verwirklicht die Taktik der Partei unter den Massen. Gleichzeitig wird die Parteiorganisation von den Mitgliedern über die Lage der Arbeiterklasse und über die Stimmung der Massen informiert, unter denen die Parteimitglieder arbeiten.«17

- Die notwendige Arbeit der Kommunisten in den Massenorganisationen wurde ausdrücklich auf eine Fraktionstätigkeit ausgerichtet, die letztendlich zu einer Instrumentalisierung der Massenorganisationen als Anhängsel der kommunistischen Parteien führte.

- So richtig die kollektive politische Beschlußfassung und die Organisierung und Kontrolle der Umsetzung ist, so negativ wirkt sich die starre Trennung in Politischen und Organisations-Bereich aus. Dazu hieß es in den »Richtlinien für den organisatorischen Aufbau der Partei« von 1925:

»Das Polbüro nimmt Stellung zu den politischen Fragen und entscheidet sie.
Das Orgbüro befaßt sich mit allen Organisationsfragen und leitet die Verteilung der aktiven Parteikräfte.«18

Die Organisations- und Kaderarbeit konzentrierte sich auf die Verteilung der Aufgaben, Einteilung der Kräfte und Kontrolle der Arbeit.

Damit war die Organisations- und Kaderarbeit vollständig auf die Umsetzung der vom Polbüro gefaßten Beschlüsse ausgerichtet. Das legte von vornherein eine Trennung von politischer Beschlußfassung und organisationspolitischer Umsetzung an.

Alle diese Züge der metaphysischen Methode haben gravierende ideologisch-politische, aber auch politische und taktische Auswirkungen.

In der MLPD gab es bewußt nie ein getrenntes Pol- und Org-Büro, sondern das Sekretariat des Zentralkomitees faßte die Gesamtheit der Politischen Führung stets als Einheit von Politischem und Organisations- und Kaderbereich auf. Dennoch wirkte ein Verständnis der Organisations- und Kaderarbeit, das diese vor allem in der Aneignung und Umsetzung der ideologisch-politischen Linie ansiedelte.

Tatsächlich beruhen aber alle Seiten des Parteiaufbaus sowohl in ihrer Gesamtheit als auch in jeder einzelnen Seite auf der dialektischen Wechselwirkung von Theorie und Praxis.

»So geht die Vielfalt der praktischen Erfahrungen und theoretischen Erkenntnisse in die Festsetzung und Weiterentwicklung der ideologisch-politischen Linie der Partei ein. Die einheitliche ideologisch-politische Linie wird wiederum entsprechend den unterschiedlichen Verhältnissen durch die jeweiligen Organisationseinheiten schöpferisch in die Praxis umgesetzt.«19

Das Wesen des Systems der Organisations- und Kaderarbeit neuen Typs ist die Organisierung der grundlegenden Einheit der Festsetzung und Weiterentwicklung der ideologisch-politischen Linie mit der Anleitung und Kontrolle zu ihrer Aneignung und Umsetzung.

Die richtige Behandlung der Widersprüche im Übergang zu einer neuen Situation

Nach der marxistischen Dialektik handelt es sich bei jeder wesentlichen Änderung in der Entwicklung eines Prozesses, eines Dings um einen qualitativen Sprung. Im REVOLUTIONÄREN WEG 24 heißt es dazu:

»Die Entwicklung der Natur und Gesellschaft verläuft nicht im stetigen Fluß allmählich höher, sondern sprunghaft. Die scheinbare Kontinuität wird unterbrochen, es findet ein Umschlagen von Quantität in Qualität und umgekehrt statt.«20

Oftmals wird der Fehler gemacht, daß quantitative Entwicklungen für die Ursache des Sprungs in eine neue Qualität gehalten werden. In Wirklichkeit ist die quantitative Entwicklung nur die grundlegende Bedingung, damit die innere Widersprüchlichkeit eines jeden Prozesses so zur Entfaltung kommen kann, daß sich das Neue gegen das Alte durchsetzen kann. Mao Tsetung schreibt zu diesem Problem:

Die materialistische Dialektik »betrachtet die äußeren Ursachen als Bedingungen der Veränderung und die inneren Ursachen als deren Grundlage, wobei die äußeren Ursachen vermittels der inneren wirken.«21

Die Grundursache jeden qualitativen Sprungs ist das Gesetz des Kampfs und der Einheit der Gegensätze, das jeder Entwicklung und jedem Prozeß innewohnt. Wie sich Kampf und Einheit der Gegensätze dabei entwickeln, beschreibt Mao Tse-tung:

»Die Bewegung eines jeden Dinges äußert sich in zwei Zuständen: im Zustand relativer Ruhe und im Zustand offensichtlicher Veränderung. Diese sich in den beiden Zuständen äußernde Bewegung wird durch den Kampf verursacht, den die beiden im Ding enthaltenen gegensätzlichen Faktoren miteinander führen. Wenn die Bewegung des Dinges den ersten Zustand zeigt, dann macht das Ding nur quantitative Veränderungen durch und keine qualitativen; deshalb äußert sie sich in scheinbarer Ruhe. Nimmt aber die Bewegung den zweiten Zustand an, so haben die im ersten Zustand vor sich gegangenen quantitativen Veränderungen bereits einen bestimmten Kulminationspunkt erreicht, das Einheitliche hat sich daher aufgelöst, und es erfolgt eine qualitative Veränderung, deshalb äußert sich die Bewegung des Dinges in einer offensichtlichen Veränderung.«22

Das bedeutet, daß jeder Übergang von der einen zur anderen Qualität immer an die Entfaltung von Widersprüchen gebunden ist. Die gegensätzlichen Seiten im Prozeß entfalten ihren Kampf mit dem Ergebnis, daß die alte Qualität des Prozesses in eine neue Qualität übergeht.

Es ist die Aufgabe einer jeden Leitung, dafür zu sorgen, daß sich die Widersprüche in einer solchen Übergangssituation nichtantagonistisch entfalten. Das Ergebnis muß immer die Höherentwicklung der dialektischen Einheit von Theorie und Praxis sein. Die antagonistische Entwicklung der Widersprüche käme dagegen einem Vorherrschen der kleinbürgerlichen Denkweise gleich.

Die wesentliche Methode, damit sich eine Übergangssituation nichtantagonistisch entwickelt, ist die kontrollierte Entfaltung der Widersprüche:

- Das bedeutet, den Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise bewußt auszutragen und dabei zu gewährleisten, daß die proletarische Denkweise die führende Rolle behält und die kleinbürgerliche Denkweise nicht vordringt.

- Jede Übergangssituation ist an einen ganz bestimmten Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise gebunden, der in gewisser Weise bereits voraussehbar ist. Dazu muß bei jeder Aufgabe von der ideologisch-politischen Seite ausgegangen werden.

- Da sich die innerparteilichen Widersprüche nicht im luftleeren Raum abspielen, ist der Bezug zu den Aufgaben im Klassenkampf grundlegend. Bei jeder Veränderung der Parteiarbeit geht es immer darum, die Aufgaben der Partei im Klassenkampf zu meistern, das Wechselverhältnis von Parteiaufbau und Förderung der Selbstorganisation der Massen höherzuentwickeln und die entscheidende Mehrheit der Arbeiterklasse für den Kampf um den Sozialismus zu gewinnen.

- Der kontrollierte Übergang von der einen Qualität der Parteiarbeit zu einer anderen ist immer an das Funktionieren des Systems der Selbstkontrolle der Partei gebunden. Dieses ist durch drei Seiten einer dialektischen Einheit gekennzeichnet.

1. Die Kontrolle der Leitungen von unten durch Kritik und Selbstkritik,

2. durch die Selbstkontrolle der Kader, was identisch ist mit der Fähigkeit, selbständig mit der kleinbürgerlichen Denkweise fertig zu werden, und

3. durch die Kontrolle von oben durch die Zentrale Kontrollkommission, in der sich die Kontrolle der Denkweise der Partei bündelt. Ohne solche Kontrollkommissionen würde die Kontrolle der Denkweise eine leere Phrase bleiben.

Dieses System der Selbstkontrolle der Partei muß bei jeder neuen Aufgabenstellung der Partei vom Zentralkomitee grundsätzlich und konkret ausgerichtet werden und von der Zentralen Kontrollkommission (ZKK) kontrolliert werden. Mit dem System der Selbstkontrolle der Partei haben sich die Marxisten-Leninisten eine bedeutende Waffe geschaffen, die innerparteilichen Widersprüche schöpferisch und vorwärtstragend zu behandeln.

- Die kontrollierte Entfaltung von Widersprüchen im Parteiaufbau im Übergang von einer Qualität in eine andere ist also eng verbunden mit der Methode des In-Spannung-Haltens von untergeordneten Fragen, während die prinzipiellen Fragen sofort geklärt und zur Entscheidung gebracht werden müssen. Wer dagegen prinzipielle Fragen in Spannung hält, riskiert eine antagonistische Zuspitzung in der Partei, die bis zum Liquidatorentum gehen kann. Wer allerdings auf die Methode des In-Spannung-Haltens von Widersprüchen verzichtet, riskiert, daß die kleinbürgerliche Denkweise unkontrolliert vordringt und entsprechend Schaden für den Parteiaufbau anrichten kann. Diese Frage war im Übergang von der alten zur neuen Grundlage des Parteiaufbaus sehr bedeutend. Es konnte nicht in jeder Frage sofort gleichermaßen mit den Änderungen begonnen werden, ohne zu riskieren, daß in der Partei ein Durcheinander entsteht. Naturgemäß stand zunächst die Veränderung der Anleitung und Kontrolle als zentrales Problem für die Selbstveränderung der Parteiarbeit in jeder einzelnen Frage im Mittelpunkt. Das zeitweilige In-Spannung-Halten von Widersprüchen ist Bestandteil der bewußten Lösung des Hauptwiderspruchs und ist an ganz bestimmte Bedingungen gebunden.

Gesetzmäßiges Vordringen der kleinbürgerlichen Denkweise

Das System der Selbstkontrolle muß das Gesetz vom Kampf zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise beachten. Nach diesem Gesetz verläuft das Vordringen der kleinbürgerlichen Denkweise in der Parteiarbeit in drei Stufen:

- Die erste Stufe berührt das Auftreten einzelner Merkmale der kleinbürgerlichen Denkweise in der täglichen Theorie und Praxis der Parteiarbeit. Das können Erscheinungen der Starrheit, des subjektivistischen Herangehens, taktische Fehler, mangelnde Flexibilität, Einseitigkeiten in der Planung, falsche Einsetzung der Kräfte, Vernachlässigung bestimmter Seiten der Partei sein. Alle diese Fehler sind für sich genommen noch kein Problem. Sie werden in der normalen Parteiarbeit in Form der Diskussionen in den Gruppen- oder Leitungssitzungen oder im Prozeß der Auswertung der Arbeit überwunden.

- Wird allerdings versäumt, die Fehler zu korrigieren, oder kommt es zu einer Häufung von bestimmten Fehlern, zu einer Verfestigung und Kombination bestimmter Fehler, zu Fehlentwicklungen, dann bedeutet das eine zweite Stufe des Vordringens der kleinbürgerlichen Denkweise. Die kleinbürgerliche Denkweise tritt jetzt als Tendenz auf. Dazu gehört die Verdrängung der ideologisch-politischen Seite, allgemeine Selbstüberschätzung, prinzipienlose Kritik und Selbstkritik, Wunschdenken, die Anbetung der Spontaneität, Gewerkschaftslegalismus, bürokratische Führungsmethoden, Disziplinlosigkeit, Unplanmäßigkeit usw. Diese Stufe faßt sich darin zusammen, daß die kleinbürgerliche Denkweise einen prinzipiellen Charakter annimmt. Das heißt, sie richtet sich gegen die Prinzipien der Partei. In dieser Stufe besteht die latente Gefahr des Kampfs zweier Linien. Es ist die höchste revolutionäre Wachsamkeit gefordert, und mit Entfaltung prinzipieller Kritik und Selbstkritik müssen die prinzipiellen Fehler bis auf ihren weltanschaulichen Kern aufgedeckt und korrigiert werden. In dieser Situation entscheidet die Stellung zu prinzipieller Kritik und Selbstkritik alles. Im REVOLUTIONÄREN WEG 26 heißt es dazu: »Die prinzipielle Handhabung von Kritik und Selbstkritik ist die Scheidelinie zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise!«23

Werden prinzipielle Fehler statt dessen sogar gerechtfertigt und vertieft, kann die kleinbürgerliche Denkweise in der Parteiarbeit vorherrschend werden.

- Das berührt den Übergang in die dritte Stufe des Vordringens der kleinbürgerlichen Denkweise: Die kleinbürgerliche Denkweise systematisiert sich zu einer kleinbürgerlichen Linie. Erfahrungsgemäß beginnt dieser Prozeß als Systematisierung kleinbürgerlicher Methoden in der Praxis. In dieser Situation besteht noch die Möglichkeit, mit der kleinbürgerlichen Denkweise mit besonderen Maßnahmen in Verbindung mit der Entfaltung prinzipieller Kritik und Selbstkritik durch die ganze Partei fertig zu werden. Wenn sich die kleinbürgerliche Denkweise allerdings in einer kleinbürgerlichen Linie niederschlägt, wandelt sich der Widerspruch zwischen proletarischer und kleinbürgerlicher Denkweise in einen antagonistischen Widerspruch um. Es kommt zum offenen Kampf zweier Linien. Die kleinbürgerliche Linie muß zerschlagen werden, um die Einheit der Partei zu retten. Wenn die kleinbürgerliche Linie siegt, ist die marxistisch-leninistische Partei liquidiert, oder sie wird in eine revisionistische Partei umgewandelt.

Das System der Selbstkontrolle der Partei und seine Handhabung müssen diese Gesetzmäßigkeiten im Vordringen der kleinbürgerlichen Denkweise immer beachten, um die Widersprüche jederzeit richtig zu behandeln. Der Kampf gegen die kleinbürgerliche Denkweise muß auf der jeweiligen Stufe mit unterschiedlichen Methoden geführt werden.

Die bewußte Anwendung der dialektischen Methode auf dem Niveau der Lehre von der Denkweise

Die bewußte Anwendung der dialektischen Methode auf dem Niveau der Lehre von der Denkweise untersucht die gesetzmäßige Rolle der Denkweise in der gesellschaftlichen Entwicklung und zieht Schlußfolgerungen für die Strategie und Taktik im Kampf um die Denkweise der Massen, des marxistisch-leninistischen Parteiaufbaus und der Vorbereitung der internationalen Revolution. Ihre Verwirklichung ist identisch mit der proletarischen Denkweise als Grundlage. Das bedeutet die schöpferische Anwendung des Marxismus-Leninismus auf jede konkrete praktische Frage des Klassenkampfs und Parteiaufbaus durch die bewußte Anwendung der dialektischen Methode. Die prinzipiellen Merkmale der Parteiarbeit auf Grundlage der proletarischen Denkweise bestehen:

1.im System der fünf grundsätzlichen Seiten des Parteiaufbaus als dialektische Einheit von Theorie und Praxis

2.im System REVOLUTIONÄRER WEG als ideologisch-politische Grundlage für die allseitige Einheit von Theorie und Praxis

3.im System der Organisations- und Kaderarbeit neuen Typs als systematische Wechselbeziehung von Festsetzung und Weiterentwicklung der ideologisch-politischen Linie und der kritisch-selbstkritischen Aneignung und schöpferischen Umsetzung

4.im System der Kleinarbeit mit dem Kern der allseitigen Wechselbeziehung von Parteiaufbau und Förderung der Selbstorganisation der Massen und nicht zuletzt

5.im System der Selbstkontrolle der Partei als Hauptmethode zur Lösung der Kaderfrage.

Die proletarische Denkweise als Grundlage der Parteiarbeit erfordert also das System der Einheit von Theorie und Praxis der Parteiarbeit allseitig zu verstehen und in der Praxis zu verwirklichen. In der marxistisch-leninistischen Kaderarbeit neuen Typs faßt sich die richtige Handhabung dieser Merkmale zusammen.

Es war eine der bedeutendsten Errungenschaften in der schöpferischen Anwendung und Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus auf die heutigen Bedingungen des Klassenkampfs, als Willi Dickhut daranging, die Parteiarbeit als bewußte Anwendung der dialektischen Methode zu fassen. So definierte er im REVOLUTIONÄREN WEG 20 die marxistisch-leninistische Strategie und Taktik als die »bewußte Anwendung der dialektischen Methode zur Leitung und Höherentwicklung des proletarischen Klassenkampfes«24. Dieses Verständnis der verschiedenen Tätigkeiten der Partei als bewußte Anwendung der dialektischen Methode ist ein Schlüssel, die Arbeit auf die Grundlage der proletarischen Denkweise zu stellen.

Nach dieser Methode muß die marxistisch-leninistische Agitation und Propaganda als die bewußte Anwendung der dialektischen Methode zur Weckung und Höherentwicklung des proletarischen Klassenbewußtseins gefaßt werden. Die marxistisch-leninistische Jugendarbeit der Partei ist die bewußte Anwendung der dialektischen Methode zur massenhaften Gewinnung von Mitgliedern unter der Masse der Jugend für den marxistisch-leninistischen Parteiaufbau. Die prinzipielle Kritik und Selbstkritik ist die bewußte Anwendung der dialektischen Methode zur allseitigen Weiterentwicklung der Theorie und Praxis der Partei. Der demokratische Zentralismus ist die bewußte Anwendung der dialektischen Methode zur Festigung und Höherentwicklung der prinzipiellen Einheit der Partei. Die Anleitung und Kontrolle ist die bewußte Anwendung der dialektischen Methode zur kritisch-selbstkritischen Aneignung und schöpferischen Umsetzung der ideologisch-politischen Linie durch die Kader und Mitglieder der Partei und zur Auswertung der praktischen Erfahrungen in Theorie und Praxis für die Weiterentwicklung und Festsetzung der ideologisch-politischen Linie.

Jedes dieser Anwendungsgebiete hat seine besondere Dialektik. Dagegen betrachtet die metaphysische Denkweise die dialektische Methode nur als eine Abstraktion, losgelöst von der Theorie und Praxis des Parteiaufbaus. Oder sie wird nur als eine besondere Methode unter vielen anerkannt. Das Ergebnis ist, daß die kleinbürgerliche Denkweise in Form von Metaphysik und Idealismus in die Parteiarbeit eindringt und den Parteiaufbau zerstört. Die Grundlage der proletarischen Denkweise bedeutet darum ein allseitiges Begreifen und Verwirklichen jeder Aufgabe in Parteiaufbau und Klassenkampf als bewußte Anwendung der dialektischen Methode.

»Das verlangt ein dreifaches Denken:

1.In die Tiefe denken: Analyse der widersprechenden Kräfte und Tendenzen, Erschließung neuer Seiten und Beziehungen

2.in die Perspektive denken: Planung, Übergang von der Quantität in die Qualität

3.planmäßiges Handeln: Vereinigung von Analyse und Synthese und regelmäßige Kontrolle ­ unendlicher Prozeß der Vertiefung der Erkenntnisse«.25


*Mancher Leser wird sich fragen, ob eine öffentliche Diskussion mit den Standpunkten dieser Gruppe nicht einer ungebührlichen Aufwertung gleichkommt. Das mag in Deutschland so sein. International verfügt diese Richtung aus dem ehemals proalbanischen Lager durchaus in manchen Ländern über Masseneinfluß.

Zudem muß man dem »Roten Morgen« zugute halten, daß er eine der wenigen linken Zeitungen ist, die sich in der Vergangenheit wiederholt mit der Lehre von der Denkweise auseinandergesetzt hat. Er hat dabei die besondere Fähigkeit entwickelt, sich die Gesamtheit aller kleinbürgerlichen Kritiken und Vorbehalte gegenüber der Lehre von der Denkweise zu eigen zu machen. Auf diese Weise verfügt die MLPD in den Artikeln des »Roten Morgen« über ein lebendiges Schulungsmaterial zum Einfluß der idealistischen Metaphysik in der internationalen marxistisch-leninistischen und Arbeiterbewegung.


1 Marx/Engels, Werke, Bd. 21, S.275

2»Roter Morgen« 8/99, S.12

3Lenin, Werke, Bd.14, S.142/143 u. 244

4Marx/Engels, Werke, Bd. 3, S.533/534

5»Roter Morgen«, 8/99, S.12

6F. Engels, »Karl Marx, Zur Kritik der Politischen Ökonomie«, Marx/Engels, Werke, Bd. 13, S.474 ­ Hervorhebung Stefan Engel

7REVOLUTIONÄRER WEG 26, S.22

8ebenda, S.27

9»Roter Morgen« 14/95, S.8

10Detlef Fricke, »Das Kommunistische Manifest und der Kampf um Demokratie«, Berlin 1998

11»Was tun?«, Lenin, Werke, Bd. 5, S. 394

12REVOLUTIONÄRER WEG 26, S.123

13Politischer Bericht des Zentralkomitees der MLPD, Januar 1997 S.48­50

14Verfassungsschutzbericht für das Jahr 1998

15REVOLUTIONÄRER WEG 26, S.214

16ebenda, S.257

17»Richtlinien für den organisatorischen Aufbau der Partei«, Orgbüro des Exekutivkomitees der Komintern, 1925, in: »Die Bolschewisierung der KPD, 2. Teil«, S.99 ­ Hervorhebungen Stefan Engel

18ebenda, S.109

19REVOLUTIONÄRER WEG 26, S.213

20REVOLUTIONÄRER WEG 24, S.35

21»Über den Widerspruch«, Mao Tsetung, Ausgewählte Werke, Bd.1, S. 369

22ebenda, S. 401

23REVOLUTIONÄRER WEG 26, S.260

24REVOLUTIONÄRER WEG 20, S.20

25REVOLUTIONÄRER WEG 26, S.119


Herausgeber:
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