Acht Morde an Frauen pro Monat

Acht Morde an Frauen pro Monat

Vilma Silva war die einzige Vertreterin Lateinamerikas auf der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen 2016 in Nepal

Keine Einzige mehr“ – eine Protestbewegung in Peru gegen Gewalt an Frauen. Die Rote Fahne sprach darüber mit Vilma Silva, Mitglied der Frauenorganisation „Micaela Bastidas1“

Rote Fahne: Unter der Losung „Keine Einzige mehr“ gab es in Peru diesen Sommer breite Proteste gegen die zunehmende Gewalt an Frauen. Wie bewertest du diese Bewegung?

Vilma Silva: Natürlich war diese Bewegung sehr wichtig – nicht nur, weil sie die Ablehnung der Frauen gegen Gewalt öffentlich ins Blickfeld gerückt hat. Sie hat vor allem die Positionen der chauvinistischen Denk- und Handlungsweise des bürgerlichen Systems zerpflückt, um eine Lösung gegen den Ballast des Patriarchats anzupacken. In dieser Bewegung kommen vielfältige Richtungen zusammen, die die Gewalt gegen Frauen ablehnen. Eine der schwersten Gräueltaten gegenüber den Menschenrechten in unserer Zeit. Wir haben weder alle denselben grundsätzlichen Hintergrund noch dieselbe Meinung, wie die Gewalt gegen Frauen beendet werden soll. Der liberalen Richtung geht es einfach darum, den Frauen mehr Beachtung zu schenken, den reformistischen und feministischen Bewegungen darum, die Gleichstellung zu verbessern. Aber für die revolutionären Kräfte muss die Gewalt gegen Frauen beendet werden, indem die kapitalistische Lebensweise und das Patriarchat beendet werden – und mit dem Aufbau des Sozialismus im ununterbrochenen Übergang zum Kommunismus.

Wie hat sich die Gewalt gegen Frauen in den letzten Jahren entwickelt, worin siehst du die Ursachen?

In Peru hat sich die Gewalt gegen Frauen im Familien- und Arbeitsumfeld entwickelt. Im familiären Bereich kommt es zur Ermordung von Frauen – zur äußersten und unumkehrbaren Form von Gewalt, die sich direkt auf die betroffenen Familien auswirkt. In diesem Jahr kam es bereits zu 265 Verbrechen an Frauen. Das bedeutet: pro Monat im Durchschnitt acht Mordfälle an Frauen. Am Arbeitsplatz ist die sexuelle Belästigung nach der Diskriminierung die häufigste Form der Gewalt.

Selbst der Präsident von Peru hat an der Demonstration teilgenommen, wie siehst du das?

Der derzeitige Präsident trifft Maßnahmen, um sich gut darzustellen. Aber er hat keine Lösung zum Problem der Gewalt gegen Frauen anzubieten, noch nicht mal von seinem bürgerlichen und proimperialistischen Standpunkt aus. So geht die Beteiligung des Präsidenten als eine Anekdote der Präsidentendarstellung in die Geschichte ein, nichts weiter.

Was nimmt sich die Frauenbewegung zum 25. November vor?

Mit unserer Organisation Micaela werden wir an Veranstaltungen teilnehmen, die verschiedene Bewegungen an diesem Datum durchführen, vor allem an der geplanten Demonstration in Lima. Wir werden aber auch das erste Treffen mit Landfrauen durchführen. Für uns ist das wichtig, weil es im Landesinnern, in den Anden stattfindet, wo die Frauen noch stärker der Gewalt ausgesetzt sind.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

1 Micaela Bastidas Puyucahua (1745–1781) war eine führerende Vertreterin des indigenen Widerstands gegen die spanische Kolonialherrschaft in Peru. Sie war Lebensgefährtin von Tupac Amaru II, Führer des Aufstands von 1780.

 

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