War die Sowjetunion vorbereitet?

Am 22. Juni jährt sich zum 75. Mal der Überfall der faschistischen deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion

Der deutsche Generalstab plante, die Rote Armee in zwei Monaten zu besiegen und die Sowjetunion bis zu einer Linie von Archangelsk bis Astrachan zu besetzen. Mit den riesigen Rohstoffvorkommen dieses Landes wollten die Faschisten den Krieg fortsetzen, der das Ziel hatte, die Weltherrschaft für die deutschen Konzerne zu erobern. Die sowjetische Bevölkerung sollte umgebracht oder versklavt werden. Die deutschen Faschisten wollten die sozialistische Gesellschaftsordnung beseitigen. Deshalb brachten sie bei diesem Feldzug Kommunisten in der Roten Armee oder im Zivilleben meist sofort um.

Die deutschen Faschisten handelten dabei auch im Interesse der Kapitalisten anderer Länder, die den proletarischen Staat bekämpften und ihn beseitigt haben wollten. Das sozialistische Gesellschaftssystem hat sich aber als überlegen erwiesen. Die Rote Armee und die sowjetische Bevölkerung trugen entscheidend dazu bei, den deutschen Faschismus zu besiegen und Europa von den deutschen Sklavenhaltern zu befreien.

Seit dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 werden, basierend auf Nikita Chruschtschows sogenannter Geheimrede, Lügen und Verleumdungen verbreitet über Stalins Verhalten zu Kriegsbeginn und über seine Verantwortung bei der Vorbereitung des Landes auf den Krieg. Stalin stand seit Mitte der 1920er Jahre an der Spitze der kommunistischen Partei. Er sei, so die Anti­kommunisten, in den ersten Tagen nach dem Überfall in Panik geraten und hätte sich in seiner Datsche versteckt. Tatsächlich dokumentieren Logbücher, die 1996 veröffentlicht wurden, „Stalins intensive Aktivität vom allerersten Tag des Krieges an.“1 Neben vielen anderen Zeitzeugen bestätigt auch Wjatscheslaw M. Molotow – damals so­wjetischer Außenminister – es sei eine Erfindung, dass Stalin in Panik geraten sei. Stalin sei besorgt gewesen, hätte aber weitergearbeitet wie immer.2

Stalin hätte die Warnungen vor dem Überfall nicht ernst genommen, behaupten seine Gegner. Deshalb sei das Land nicht abwehrbereit gewesen. Tatsächlich hatten Stalin und die Parteispitze nie Zweifel, dass das faschistische Deutschland die Sowjetunion überfallen würde. Der britische Journalist Walter Duranty sagt sogar, dass Stalin als erster Staatsmann der damaligen Zeit begriff, dass Hitler nach der Weltherrschaft greifen würde.3

Stalin hatte schon Jahre vorher erkannt, dass dem Land nur wenig Zeit blieb, um eine eigenständige Verteidigungsindustrie aufzubauen. Deshalb wurden im Eiltempo die Industrialisierung und die Kollektivierung der Landwirtschaft durchgeführt. Nur mit dieser neu geschaffenen Produktionsbasis war der Sieg über die Wehrmacht überhaupt möglich. Molotow bestätigt, dass die Wachstumsraten der Militärindustrie in der Zeit vor dem Krieg nicht größer hätten sein können.

Der sowjetischen Führung und besonders Stalin war aber klar, dass das Land für einen Überfall Deutschlands trotzdem noch nicht ausreichend gerüstet war. Es fehlten moderne Waffensysteme in großer Stückzahl. Deshalb versuchte man, den Kriegsbeginn so lange wie möglich hinauszuzögern. Zeit zu gewinnen – dem diente auch der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt. Bis zum faschistischen Überfall wurde alles vermieden, was vonseiten Deutschlands als Provokation hätte ausgelegt werden können. Die sowjetische Führung und Stalin handelten also im höchsten Maß verantwortlich im Interesse des sowjetischen Volkes und zum Erhalt des Friedens.

Wurden von Stalin konkrete Hinweise auf den Überfall missachtet? So hatte der deutsche Kommunist Richard Sorge das exakte Datum des Überfalls mitgeteilt. Diese Frage kann man nur im Zusammenhang mit der damals äußerst komplizierten Lage beantworten. Die sowjetische Regierung erhielt 1941 allein im Frühjahr aus verschiedenen Quellen 84 Hinweise auf ein Datum für den Überfall. Als Angriffsbeginn wurde die Zeit von 6. April bis zum 15. Juni 1941 genannt.4 Viele Hinweise hatten ihre Wurzeln in der deutschen Propaganda. Tatsache war auch, dass der Nichtangriffspakt nach wie vor Gültigkeit hatte. Es kam zwar immer wieder zu Grenzverletzungen deutscher Truppen, aber die Deutschen hatten den Vertrag nicht gekündigt. Die Sowjetunion vermied bewusst bewaffnete Auseinandersetzungen und beschränkte sich auf Protestnoten. Hätte sie mehr getan, wäre das als Anlass für den Kriegsbeginn genutzt worden.

Dass Stalin recht hatte, den Kriegsbeginn so lange wie möglich hinauszuschieben, zeigen auch die anfänglichen Schwierigkeiten der Roten Armee. Die Wehrmacht und ihre Verbündeten griffen das Land mit modernster Kriegstechnik auf einer Frontlänge von fast 3000 Kilometern an. Über 4,5 Millionen Soldaten – bestens bewaffnet und kampferfahren. Dass es der Roten Armee gelang, im weiteren Verlauf des Krieges die militärische Überlegenheit zu erringen, ist nicht zuletzt der vorausschauenden Politik Stalins zu verdanken. Wer heute etwas anderes behauptet, verfolgt oft das Ziel, diesen großartigen Sieg des Sozialismus und der Sowjetunion, in Zusammenarbeit mit den Alliierten, vergessen zu machen.

Kassel (Korrespondenz)

1 Furr, Grover: Chruschtschows Lügen, Verlag Das Neue Berlin, S.115, 2 Chuev, Feliks. Molotov Remembers. Chicago: I. R. Dee, 1993, p. 39, 3 Duranty, Walter. Story of Soviet Russia. Philadelphia, N. Y.: JB Lippincott Co. 1944, p. 175, 4 Read, Anthony and David Fisher. The Deadly Embrace. New York: Norton, 1988, p. 602

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