„Den Menschen helfen, sich selbst zu organisieren und Politik zu machen“

Interview mit Hans Roth (AUF-Kassel), neu gewählter Ortsvorsteher von Kassel-Rothenditmold¹

Rote Fahne: Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu eurem tollen Erfolg, sowohl bei der hessischen Kommunalwahl als auch bei der Wahl zum Ortsvorsteher von Rothenditmold. Wie kommt euer Erfolg zustande?

Hans Roth: Schon lange vor der Gründung von AUF-Kassel waren für mich kommunalpolitische Fragen und vor allem die Jugendarbeit im Stadtteil, wo ich mit meiner Familie seit 32 Jahren wohne, eine ständige Herausforderung. Meine Mitgliedschaft in der MLPD war für eine gute Zusammenarbeit in Fragen des Stadtteils kein Hindernis. Sie war im Gegenteil sogar anziehend, als Merkmal für eine gelebte Überzeugung. Sehr viele Menschen kennen mich zumindest im alten Ortskern persönlich. Gerade in polarisierenden Auseinandersetzungen hat das geholfen, betroffene Bürgerinnen und Bürger für ihre Interessen zusammenzuschließen, die nicht in Gremien entschieden werden. AUF-Kassel hat sich klar für die Solidarität mit Flüchtlingen ausgesprochen.

Wie fallen die Reaktionen im Stadtteil wie auch in den Medien aus?

Es gab sehr viele Gratulationen, die von Herzen kamen, verbunden mit der Erwartung, dass sich nun parlamentarisch Einiges ändert. Natürlich werden wir demokratisch koordinierend Einiges neu entwickeln. Wir wollen aber unserem Programm treu bleiben, den Menschen zu helfen, sich selbst zu organisieren und selbst Politik zu machen. Bisher waren die Medienberichterstattung und die Reaktion der Ämter fair im Unterschied zu früheren Wahlen, wo AUF-Kassel fast immer als „U-Boot“ der MLPD behandelt wurde. Als überparteiliches Wahlbündnis bleiben wir wie gesagt offen für alle, außer Faschisten und reli­giöse Fanatiker. Es ist und bleibt eben etwas Neues in der politischen Landschaft. Das wird uns als Personen im neuen Ortsbeirat auch abgenommen. Lediglich aus Kreisen der sogenannten „Antideutschen“ wird Gift und Galle gegen meine Wahl zum Ortsvorsteher gesprüht. Im Stadtteil selbst und darüber hinaus hat das bisher keine Wirkung.

Was hat sich AUF-Kassel und was hast du dir selber vorgenommen?

Als Ortsvorsteher ist mein Vorschlag angekommen, künftig zwei statt einen Stellvertreter zu haben. Ich werde versuchen, alle vier Fraktionen im Ortsbeirat nicht nur bei den Sitzungen einzubeziehen. Das erwarten viele Menschen auch mit dieser Wahl.

AUF-Kassel wird an seinem ökologischen Profil weiter arbeiten, beispielsweise für den Ausbau und Erhalt des öffentlichen Personennahverkehrs. Der Protest gegen den geplanten Wegfall einer wichtigen Busverbindung für den Stadtteil war ein wichtiger Grund für das gute Wahlergebnis. Ich setze weiter auf eine praktische Jugendarbeit außerhalb des Ortsbeirates, gerade weil wir auch mit der jüngsten Liste angetreten sind.

Wir werden unsere Kandidatengrundsätze von AUF-Kassel weiter bekanntmachen. So rechnen wir nur den Aufwand ab, den wir tatsächlich haben und ziehen keine persönliche Bereicherung daraus. Wir werden regelmäßig über unsere Arbeit öffentlich Rechenschaft ablegen. Dazu kommt, dass unsere Vertreter bei Verstößen gegen die Grundsätze unseres Kommunalwahlbündnisses grundsätzlich abwählbar und dass wir finanziell unabhängig sind. Wir hängen nicht am Tropf einer Partei oder der Monopole.

Zukünftig will AUF-Kassel nach einer gewissen Zeit der Konsolidierung unserer Arbeit und Konzentration auf den Stadtteil wieder stadtweit antreten. Neben aktivem Einsatz unserer Mitglieder für Flüchtlinge, wie wöchentlichem Engagement in einer Erstaufnahmeeinrichtung, wollen wir auch unser Fest „Wir feiern gemeinsam und international“ unter Einbeziehung der Flüchtlinge im Stadtteil wieder aufleben lassen.

Vielen Dank für das Interview!


¹ Das überparteiliche Kommunalwahlbündnis AUF-Kassel kam bei der hessischen Kommunalwahl am 16. März im Stadtteil Rothenditmold auf 28,75 Prozent (drei Sitze). Es hat seinen Stimmenanteil damit verdoppelt. Hans Roth erhielt mit 773 Stimmen absolut die meisten Stimmen eines Einzelkandidaten im Stadtteil. Bei der anschließenden Wahl zum Ortsvor­steher schlug er mit fünf zu vier Stimmen den bisherigen Ortsvorsteher Rolf Lösking (SPD). Ortsvorsteher sind in anderen Bundesländern mit den Bezirksbürger­meistern der Stadt­bezirke zu vergleichen.

 

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