Dr. Günther Bittel erhält Deutschen Schmerzpreis 2016

Dr. Günther Bittel, Leiter des DGS-Schmerzzentrums Duisburg und umweltpoliti­scher Sprecher der MLPD, ist der diesjährige Empfänger des Deutschen Schmerzpreises. Die „Rote Fahne“ sprach mit ihm:

Rote Fahne: Wofür wurde dir der Schmerzpreis der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin und der Deutschen Schmerzliga verliehen?

Dr. Günther Bittel: Der Preis wird jährlich auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag an verdiente Schmerzforscher verliehen oder an „Persönlichkeiten, die durch ihre Arbeit oder ihr öffentliches Wirken entscheidend zum Verständnis des Problemkreises Schmerz und der davon betroffenen Patienten beigetragen haben“.

Bei mir war der zweite Aspekt ausschlaggebend. In der Preisurkunde wird mein vielfältiges Engagement hervorgehoben, speziell auch für die ganzheitliche Schmerztherapie unter Einschluss von Umweltmedizin, Naturheilverfahren und Psychosomatik. Die Urkunde betont, dass ich mich „auch aktiv politisch für die Belange der Schmerztherapie im deutschen Gesundheitswesen eingesetzt“ habe.

Es geht mit auf meine Initiative zurück, dass inzwischen an jedem ersten Dienstag im Juni ein bundesweiter Aktions­tag gegen den Schmerz stattfindet. Ich habe mich auch immer für die Selbsthilfe der Betroffenen eingesetzt, nicht nur in der „Deutschen Schmerzliga“, sondern auch bei der Montagsdemonstration und in Selbstorganisationen.

Dass ich umweltpolitischer Sprecher der MLPD bin, wird von den meisten Kolleginnen und Kollegen sowie Patienten als selbstloser Einsatz für berechtigte Ziele geschätzt – auch wenn sie politisch und weltanschaulich andere Positionen haben.

Welches Anliegen verbinden die verleihenden Organisationen mit dem Preis?

Wir erleben in den letzten Jahren eine dramatische Zunahme chronischer Schmerzkrankheiten. Nach den neuesten wissenschaftlichen Erhebungen leben in Deutschland 23 Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen, 5 Prozent mit Tumorschmerzen, 95 Prozent mit Nicht-Tumorschmerzen.

Ein bis zwei Millionen dieser Patien­ten brauchen eine Betreuung durch Schmerzspezialisten, von denen es nur etwa 1000 in Deutschland gibt. Viele Ärzte, Fachpersonal und Betroffene machen sich Gedanken, warum chronische Krankheiten und chronische Schmerzen so massiv zunehmen, hinterfragen den zunehmenden Stress am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft und die wachsende Umweltbelastung.

Warum hast du das Preisgeld für das Gesundheits- und Sozialzentrum in Kobanê gestiftet und nicht z.B. für die Erforschung besserer Schmerztherapien?

Kriegsverletzungen, Terror und Flucht führen zu chronischen Schmerzen und Traumafolgen. Ein Grund mehr für unsere internationale Solidarität!

Vor allem aber ein Grund, sich dort zu engagieren, wo es um Freiheit und Demokratie, Schutz der natürlichen Umwelt, Frauenrechte und Befreiung geht. Diese Aspekte sind im Bau und Betrieb des Gesundheits- und Sozialzentrums in Kobanê gebündelt.

Auf welche Reaktionen stieß all das unter deinen Kolleginnen, Kollegen, Patienten und Nachbarn?

Die Reaktionen waren überwältigend. Das betrifft sowohl die Würdigung meines Engagements und seiner Zielsetzung wie auch konkret die Spende an das Gesundheits- und Sozialzentrum in Kobanê.

Viele Flyer wurden schon in Frankfurt auf dem Schmerzkongress mitgenommen, und ich hoffe auf einen Schub bei weiteren Spenden und der Verbreiterung der ökologischen Wiederaufbau-Initiative.

Vielen Dank für das Interview!

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