Der Ursprung des Menschen –

eine Geschichte der Vermischung verschiedener Menschenformen (1. Teil)

Um ihre Forderung nach rigoroser Unterdrückung und Abschiebung von Flüchtlingen zu rechtfertigen, verbreiten Rassisten und Faschisten längst widerlegte Behauptungen über die angebliche Minderwertigkeit von Menschen anderer kultureller Prägung gegenüber der „christlich-abendländischen“ Kultur.

Dabei bestätigen alle wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass die Menschheitsgeschichte eine Geschichte der Migration ist. Auch die Urgeschichte des Menschen ist von der ständigen Vermischung gleichzeitig lebender Menschenformen als wesentlicher Faktor der Höherentwicklung der Evolution geprägt. Welche neuen Erkenntnisse es dazu gibt und welche antikommunistischen Fesseln die bürgerliche Wissenschaft hemmen – das ist das Thema dieses zweiteiligen Artikels.

1856 wurden im rheinischen Neandertal das Schädeldach und andere Knochen eines Urmenschen entdeckt, der später den Namen Neandertaler bekam („homo sapiens neanderthalensis“). Noch galt aber die biblische Lehre, dass Gott in sieben Tagen die Welt erschaffen habe. Der englische Bischof Ussher hatte 1658 ausgerechnet, dass die Welt und die Menschen im Jahr 4004 vor Christus erschaffen worden seien (ähnlich abstruse Rechnungen stellen heute die ultra­reaktionären „Kreationisten“ auf).

Dass mit dem Neandertaler die moderne Erforschung der Urgeschichte begann, verdankt diese dem 1859 erschienenen Buch von Charles Darwin „Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl“, dem 1871 „Die Abstammung des Menschen“ folgte. Darwin begründete darin die Entstehung und Entwicklung der Arten durch Evolution (natürliche Auslese) sowie durch ihren gemeinsamen Ursprung bzw. ihre Verwandtschaft (Deszendenztheorie). Besonders umstritten war seine Feststellung, dass der Mensch aus tierischen Vorfahren entstand. Als „wahrscheinlichere Geburtsstätte“ des Menschen nahm Darwin Afri­ka an, weil dort die nächsten Verwandten des Menschen, ausgestorbene Affen, lebten. Sein Schüler Ernst Haeckel stellte 1868 in seiner Schrift „Natürliche Schöpfungsgeschichte“ die These auf, dass die Urheimat des Menschen am ehesten in Asien, im versunkenen südindischen Kontinent „Lemurien“, zu suchen sei. Engels schloss sich dieser Ansicht Haeckels in seiner 1876 entstandenen genialen Schrift „Der Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“ an.1

Dass der Marxismus in Einklang mit den neues­ten Erkenntnissen der Biologie und Archäologie stand, versuchten die Herrschenden mit offenem Antikommunismus zu unterdrücken. Der angesehenste Anatom dieser Zeit, Rudolf Virchow, warnte 1877 in seiner Rede „Die Freiheit der Wissenschaft im modernen Staat“: „Nun stellen Sie sich einmal vor, wie sich die Deszendenztheorie (Darwins) heute schon im Kopfe eines Sozialisten darstellt!2 Virchow befürchtete, dass Darwins Lehre von der Entstehung und Veränderbarkeit der Arten die Überzeugung von der revolutionären Überwindung der bürgerlichen Gesellschaft bestärken würde. Deswegen leugnete er bis zu seinem Tod 1902 jeden Urmenschen-Fund.

Es ist erstaunlich, wie Friedrich Engels trotz spärlicher Informationen durch die Anwendung der dialektischen Methode bis heute gültige Erkenntnisse gewonnen hat. In der 1881 entstandenen Schrift „Zur Urgeschichte der Deutschen“ würdigt er die „sehr lebendigen Zeichnungen“ von Tieren durch Frühmenschen und zieht Verbindungen zur damaligen Lebens- und Arbeitsweise.3 Zur gleichen Zeit hielten die meisten bürgerlichen Wissenschaftler die 15000 Jahre alten Höhlenzeichnungen von Altamira/Nordspanien schlicht für eine „Fälschung“.4

Die rasche Verarbeitung der gemachten Entdeckungen mittels der überlegenen dialektischen Methode stand im krassen Gegensatz zum langsamen Erkenntnisfortschritt der bürgerlichen Wissenschaft. Das kritisierte Engels in einem Brief an Marx 1863: „Welche Zeit es übrigens erfordert, bis neue wissenschaftliche Entdeckungen auch in ganz unpolitischen Dingen sich Bahn brechen, darüber lies Lyells ‚Antiquity of Man‘. Schmerling in Lüttich hatte den fossilen Menschenschädel von Engis schon 1834 entdeckt und Lyell gezeigt. ... Trotzdem hat es bis vor kurzem kein Mensch der Mühe wert gehalten, die Sache auch nur ernsthaft zu untersuchen. … Solche Lausekerle sind die Altväter der Wissenschaft“.5 Der falsche Ehrgeiz nach alleiniger Deutungshoheit „ihrer“ Funde oder die Jagd nach wissenschaftlichen Lorbeeren sind heute Gründe, warum manche Forscher „ihre“ Funde jahrelang zurückhalten. Der Steinzeitgenetiker Svante Pääbo etwa schrieb, dass er andere Institute von der Forschung ausgeschlossen hat, wenn die Gefahr bestand, dass sie „sein“ MPA-Institut vom Spitzenplatz verdrängen könnten.6

Der zweite Teil des Artikels wird vor allem die Erkenntnisse über die Vermischung verschiedener Menschenformen in der Urgeschichte behandeln.

Köln (Korrespondenz)

 

1 Marx/Engels, Werke, Bd. 20, S. 444, 2 Martin Kuckenburg: Der Neandertaler, 2005, 3 Marx/Engels, Werke, Bd. 19, S. 426, 4 Antonio Beltran u.a.: Altamira, Sigmaringen 1998, S. 9, 5 Marx/Engels, Werke, Bd. 30, S. 347f., 6 Svante Pääbo: Die Neandertaler und wir, 2014

 

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