Der Ölpreis fällt und fällt ...

Der Ölpreis auf dem Weltmarkt befindet sich seit Juni 2014 im freien Fall gegenüber seinem damaligen Höchststand

Die US-Rohöl-Sorte West Texas Intermediate (WTI) kostete damals 105,24 US-Dollar pro Barrel. Bis zum 25. Januar 2016 fiel der Preis mit 29,80 US-Dollar auf unter 30 Prozent, weniger als im Oktober 2003. Er liegt damit noch unter dem Tiefpunkt nach Ausbruch der Weltwirtschafts- und Finanzkrise von Anfang 2009.

Eine Ursache dafür ist die verhaltene Nachfrage nach Erdöl angesichts der Abschwächung der Weltwirtschaft. Zudem hat sich die Konkurrenz zwischen den alten und den neuimperialistischen Staaten verschärft, was zu einer regelrechten Ölschwemme geführt hat. Ein Ausgangspunkt war der rasante Ausbau des Fracking insbesondere durch die US-Ölindustrie, wodurch diese den seit 1992 weltgrößten Ölproduzenten Saudi-Arabien 2014 auf den zweiten Platz verwies. Saudi-Arabien versucht nun, seinen Weltmarktanteil durch billiges Rohöl wieder auszubauen und weigert sich gegenüber anderen Mitgliedern der Organisation ölexportierender Länder (OPEC), seine Produktion zu drosseln. (Siehe Schaubild)

Der Aufstieg Saudi-Arabiens

Noch 1965 standen die USA unangefochten an der Spitze der Ölproduzenten.1 Die frühere Sowjetunion folgte auf Platz 2, stieg aber seit 1976 selbst zum größten Ölförderer der Welt auf. 1992 überholte Saudi-Arabien die USA, 1993 auch Russland, das die zerfallene Sowjetunion abgelöst hatte.

1960 schlossen sich die fünf damals noch neokolonial abhängigen Förderländer Iran, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela in Bagdad zur OPEC zusammen. Damals betrug der Preis für ein Barrel Rohöl gerade mal 1,90 US-Dollar.

Die OPEC wollte mit ihrem Kartell höhere Preise auf dem Weltmarkt durchsetzen, um der bis dahin hemmungslosen Ausbeutung der neokolonial abhängigen Ölländer etwas entgegenzusetzen und die höheren Einnahmen für eigene Zwecke zu nutzen. Von 1972 bis 1974 setzte die OPEC eine Preissteigerung von 2,38 auf 11,58 US-Dollar pro Barrel durch. Von 1978 bis 1980 folgte eine weitere Steigerung von 14,02 auf 36,83 US-Dollar.

Von den 13 Mitgliedern der OPEC haben sich seit dem Beginn der Neuorganisation der internationalen Produktion im Jahr 1990 Indonesien, Iran, Kuwait, Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate in aufstrebende neuimperialistische Staaten verwandelt. Diese vereinten 2014 einen Anteil von 28 Prozent der Weltölförderung auf sich, gegenüber 13 Prozent der restlichen sieben OPEC-Mitglieder. Damit ist die OPEC ein Kartell geworden, das selbst in erster Linie imperialistische Interessen verfolgt.

Folgen des anhaltend niedrigen Ölpreises

Die drastische Senkung des Ölpreises ist auch politisch gewollt, um Russland, aber auch andere Förderländer, zu schwächen. Russland erwartet aufgrund des Ölpreisverfalls eine Haushaltslücke von 36 Mrd. Euro. In Venezuela rief Präsident Maduro inzwischen den Wirtschaftsnotstand aus. Die Einnahmeausfälle aller Ölförderländer zusammen betragen 260 Mrd. Dollar. Von den 49 Mineralölkonzernen unter den 500 internationalen Übermonopolen hatten 39 im Jahr 2014 einen Umsatzrückgang zu verzeichnen. Deutschland, Japan und andere Länder, die große Mengen Mineralöl importieren, haben umgekehrt einen Vorteil daraus. Für ihre Unternehmen senken die niedrigeren Rohstoffpreise den Anteil des konstanten Kapitals und erhöhen die Profitrate.

Die Mineralölgesellschaften versuchen, ihre Förderkosten zu drücken und die Ausbeutung der Arbeiter zu steigern. So wurden weltweit seit Beginn des Preiskampfs schon mehrere Hunderttausend Ölarbeiter entlassen, in Europa insbesondere in der britischen und norwegischen Nordsee-Förderung. Das Herabdrücken des Ölpreises verstärkt die Krisenhaftigkeit des imperialistischen Weltsystems und die Konkurrenz. Einige Förderländer sind wirtschaftlich so geschwächt, dass sie ihre Währungen abwerten, wie z. B. Russland den Rubel. Das heizt die Inflation an, entwertet Löhne und Renten und verschärft den zwischenimperialistischen Währungskrieg. Ein Hintergrund der kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien und im Irak ist der Kampf um den vorherrschenden Einfluss auf die dortigen Ölvorkommen.

Rücksichtslose Zerstörung der natürlichen Umwelt

Die rücksichtslose Ausdehnung der Ölförderung hat katastrophale Folgen für die Umwelt. Es kommt immer wieder zu Leckagen in den Pipelines oder Tankerunfällen.

Vor allem werden immer riskantere und verheerendere Fördermethoden angewendet, wie das Fracking, Bohrungen in der Tiefsee und in der Arktis. Angesichts der gesunkenen Ölpreise wurden hier zeitweise Projekte in den USA und Kanada storniert. Der tiefe Fall der Ölpreise fördert aber den Einsatz der fossilen Energieträger zulasten der erneuerbaren Energien und Alternativen zu den umweltschädlichen Verbrennungsmotoren.

 

1 Angaben zur Förderung, den Preisen usw. aus BP Statis­tical Review of World Energy 2015, eigene Berechnung GSA e.V. Diese Statistiken reichen bis zum Jahr 1965 zurück, die Preisstatistiken bis 1861

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