200. Geburtstag von Johann Jakob Bachofen –

Entdecker des „Matriarchats“

Am 22. Dezember 2015 jährte sich zum 200. Mal der Geburtstag des Basler Gelehrten Johann Jakob Bachofen (1815–1887). Er entdeckte in den 1850er Jahren das in der Frühgeschichte der Menschheit zeitweilig vorherrschende „Mutterrecht“ oder „Matriarchat“.

Friedrich Engels fasste sein „bahnbrecherisches Verdienst“ so zusammen: „Bis zum Anfang der sechziger Jahre1 kann von einer Geschichte der Familie nicht die Rede sein. Die historische Wissenschaft stand auf diesem Gebiet noch ganz unter dem Einflusse der fünf Bücher Mosis. Die darin ausführlicher als anderswo geschilderte patriarchalische Familienform wurde nicht nur ohne weiteres als die älteste angenommen, sondern auch … mit der heutigen Familie identifiziert, so daß eigentlich die Familie überhaupt keine Geschichte durchgemacht hatte … Die Geschichte der Familie datiert von 1861, vom Erscheinen von Bachofens ‚Mutterrecht‘. Hier stellt der Verfasser die folgenden Behauptungen auf:

1. daß die Menschen im Anfang in schrankenlosem Geschlechtsverkehr gelebt, den er, mit einem schiefen Ausdruck, als Hetärismus bezeichnet; 2. daß ein solcher Verkehr jede sichere Vaterschaft ausschließt, daß daher die Abstammung nur in der weiblichen Linie – nach Mutterrecht – gerechnet werden konnte, und daß dies ursprünglich bei allen Völkern des Altertums der Fall war; 3. daß infolge hiervon den Frauen, als den Müttern, den einzig sicher bekannten Eltern der jüngern Generation, ein hoher Grad von Achtung und Ansehn gezollt wurde …; 4. daß der Übergang zur Einzelehe, wo die Frau einem Mann ausschließlich gehörte, eine Verletzung eines uralten Religionsgebots in sich schloß (d.h. tatsächlich eine Verletzung des altherkömmlichen Anrechts der übrigen Männer auf dieselbe Frau) …“. (Vorwort zur 4. Auflage von Engels Buch „Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats“, Marx/Engels, Werke, Bd. 22, S. 212/213)Zugleich kritisierte Engels Bachofens metaphysische Weltanschauung und Methode: „Daß eine solche Auffassung, wo die Religion als der entscheidende Hebel der Weltgeschichte gilt, schließlich auf reinen Mystizismus hinauslaufen muß, ist klar.“ (S. 214)

Dennoch ließ die bitterböse Reaktion der herrschenden Klasse auf Bachofens Veröffentlichung nicht lange auf sich warten. Sie überschüttete ihn mit Hohn und Spott und sprach ihm trotz seiner unzähligen Beweise jede Wissenschaftlichkeit ab. Zu groß war das Sakrileg2 Bachofens, der mit seinen Schriften die Unumstößlichkeit der bürgerlichen Familienordnung infrage stellte.

Bachofen konnte seine lebenslange Forscher-Leidenschaft nur deshalb ausüben, weil er aus einer reichen Basler Fabrikantendynastie stammte. Während er jährlich 134 750 Franken an Vermögen bezog, mussten die Bandarbeiter mit 800 bis 1 100 Franken auskommen, was für sie Unterernährung und Not bedeutete. Bachofen verachtete das Volk: „Mir ist jede Verbindung mit dem Demos (Volk) unangenehmer als der drückende Föhn.“

Trotz seiner religiösen Weltanschauung hat er mit seinen bahnbrechenden Entdeckungen wissenschaftliche Grundlagen für die revolutionären Schlussfolgerungen von Karl Marx und Friedrich Engels zum Kampf für die Befreiung der Frau und zur Überwindung der bürgerlichen Familienordnung gelegt. Dazu schreibt Friedrich Engels: „Eine wirkliche Gleichberechtigung von Frau und Mann kann nach meiner Überzeugung erst eine Wahrheit werden, wenn die Ausbeutung beider durch das Kapital beseitigt und die private Hausarbeit in eine öffentliche Industrie verwandelt ist.“ (Marx/Engels, Werke, Bd. 36, S. 341)

Köln (Korrespondenz)

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