„Das Auto.“ grün gewaschen

Das Auto.“ Zwei Worte aus der Werbung, die den Anspruch des Volkswagen-Konzerns auf den Punkt bringen. Man duldet keine anderen Götter neben sich.

Das Auto muss also ein Volkswagen sein, alles andere ist kein Auto. Diese Arroganz entspricht der Rolle von Volkswagen im internationalen Konkurrenzkampf um den 1. Platz als führender Autokonzern. Dabei spielt das Image des Konzerns eine wesentliche Rolle, die sich VW weltweit etwa drei Milliarden Euro jährlich kosten lässt. Unverzichtbar ist es für Volkswagen, sich als grüner, als umweltfreundlicher Konzern darzustellen. Diese schillernde Seifenblase ist nun zerplatzt.

Mit dem 1-Liter-Auto (das nie in Serie gebaut wurde) und dem 3-Liter-Auto (das immer mehr verbrauchte) war VW Vorreiter, sich ein grünes Image zu geben.

Die in der Diesel-Technologie für Pkw führenden deutschen Auto- und Zuliefererkonzerne hatten in den USA eine groß angelegte Kampagne unter dem Begriff „Clean Diesel“ gestartet, da in den USA Diesel nicht günstiger ist und als dreckig angesehen wurde. Diese Kampagne basierte auf den manipulierten Abgasmessungen. Die Diesel-Fahrzeuge mit Direkteinspritzung (TDI) waren zwar sparsamer im Verbrauch, stoßen aber mehr Schadstoffe, insbesondere Stickoxide und Feinstaub aus. Kurz nach der Einführung erhielt 2009 das erste Auto mit dem manipulierten Motor Typ EA 189 – der VW Jetta TDI Clean Diesel – sogar die renommierte Auszeichung „Green Car of the Year“ („Grünes Auto des Jahres“).

Der Verband der deutschen Automobilindustrie ließ sich die Harnstoff-Einspritzung unter dem Namen „AdBlue“ im Rahmen der Kampagne als Markenzeichen registrieren. Sie wird von allen großen deutschen Autokonzernen vermarktet. Bei VW als Blue Motion, bei Mercedes als Bluetec, bei BMW als Blue Performance. Blue, wie der saubere, blaue Himmel, wurde zum Aushängeschild stilisiert.

Zur Einführung des Golf TDI 2010 wurde eine Kampagne mit Fernsehspots, Anzeigen etc. gestartet, die allein in den USA 18 Millionen US-Dollar gekostet hat. Sie richtete sich an junge umweltbewusste Käufer. Die Werbespots zeigen die VW-Modelle als sparsam und trotzdem leistungsfähig im Vergleich zu den Hybrid-Modellen1. Die Kampagnen zielen vor allem auf den niedrigeren Verbrauch der Diesel-Modelle ab, womit 20 Prozent weniger CO2 ausgestoßen würde. VW macht daraus Werbeslogans wie: „Wenn 1/3 der Amerikaner von Benzin zu Diesel wechseln würden, wäre das so wie 2,2 Milliarden Bäume zu pflanzen.“

Was wir mit der Aufdeckung des VW-Skandals erleben, ist mit Greenwashing, also sich ein grünes Mäntelchen umhängen, nur annähernd beschrieben. Es ist ein systematischer Betrug, Lüge und Meinungsmanipulation.

 

1 Unter Hybrid-Autos versteht man Kraftfahrzeuge, die mehrere Antriebsarten und Speichersysteme kombinieren, z.B. neben dem Benzinmotor auch einen Elektromotor mit entsprechendem Speichermedium haben.

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