Arbeiter in Ost und West wachsen zusammen

Allen Spaltungsversuchen zum Trotz entwickelt sich die Arbeitereinheit in Ost- und Westdeutschland, wie bei Opel in Eisenach – aber auch in anderen Lebens- und Arbeitsbereichen.

Ich bin glücklich, dass von Bochum Kollegen gekommen sind

Eine einschneidende Erfahrung war der Kampf gegen die Schließung von Opel Bochum. Dieser Kampf hatte immer die Sympathie der Mehrheit der Eisenacher Belegschaft. Aber die IG-Metall-Führung gab sich dafür her, die anderen Belegschaften gegen die Bochumer auszuspielen. Das Motiv war der Antikommunismus, sie wollten die „rote Brut“ endlich loswerden – gemeint waren kämpferische Kolleginnen und Kollegen in und rund um die MLPD-Betriebsgruppe. Reformistische Gewerkschaftsführer machten mit der Geschäftsleitung einen Vertrag, in dem alle Werke eine glänzende Zukunft versprochen bekamen. Nur Bochum wurde fallengelassen. Die Mehrheit der Belegschaft in Eisenach hat damals den Verträgen zugestimmt, die ihr konkrete Zusagen für eine hohe Werks­auslastung machten. Das bedeutete aber nicht, dass sie gegen Bochum waren. Schäbig ist, dass bis heute von einzelnen Betriebsräten und Gewerkschaftsfunktionären behauptet wird, die Bochumer sind selbst schuld an der Schließung ihres Werkes, weil sie nicht verzichten wollten. Die GM/Opel-Bosse haben Bochum geschlossen und die IGM-Spitze hat die Belegschaft im Regen stehen lassen. Das hatte ausdrücklich politische Gründe:

Dass diese Belegschaft sich nicht hatte erpressen lassen, immer wieder offensiv und selbständig kämpfte und streikte, sollte nicht Schule machen. Ich bin glücklich, dass von Bochum jetzt Kollegen zu uns gekommen sind, die den offensiven Pol in der Belegschaft stärken und die Lügen aus eigenem Erleben widerlegen können.

Fritz Hoffmann

Betriebsrat bei Opel Eisenach

 

Heute wird mir die Bedeutung der Arbeitereinheit Ost/West richtig klar

Nach der Schließung von Opel Bochum bin ich an den Standort Eisenach gewechselt. Erst jetzt wird mir so richtig klar, welche Bedeutung die Arbeitereinheit von Ost und West hat. Heute spüre ich am eigenen Leib, was es bedeutet, jede Woche drei Stunden länger zu arbeiten. Auf der letzten Belegschaftsversammlung habe ich diese Spaltung angegriffen: „25 Jahre nach der Wende bekommen wir hier in Ostdeutschland 25 Prozent weniger Geld und arbeiten dafür auch noch jede Woche drei Stunden länger als im Westen. Und wenn wir sagen, wir wollen auch die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, dann sagen die wahren Wirtschaftsflüchtlinge wie Opel-Bosse: ‚Überlegt euch das gut. Wenn ihr dafür auf die Straße geht, dann fliehen wir nach Polen oder sonst wohin. Die machen es billiger.‘“ Die objektive Spaltung ist auch eine Quelle für Spaltung in den Köpfen zwischen ost- und westdeutschen Arbeitern. Ständig wird das Gefühl von Ungerechtigkeit genährt. Um diese Spaltung wirklich zu überwinden, ist es notwendig, dass auch die westdeutschen Arbeiter diesen Kampf zu ihrer Sache machen.

Rainer Weinmann

ehemaliger Bochumer Opelaner, jetzt in Eisenach

 

Wieder­vereinigung: Das musste erst mal verarbeitet werden

Zur Zeit des Mauerfalls war ich 23 Jahre alt und arbeitete in Halle an der Saale beim Ministerium für Staatssicherheit. Ich war Mitglied der SED und fühlte mich als Kommunist. Die Mauer war für mich der notwendige antifaschistische Schutzwall gegen all die Sachen, die aus dem kapitalistischen Westen kommen könnten, um unserem „sozialistischen Aufbau“ zu schaden … Von der Öffnung der Mauer am 9.11.1989 erfuhr ich von den Soldaten meines Wachzuges, die sich einfach nur freuten.

Bei mir selbst kam kein Gefühl der Freude auf. Ich war besorgt, dass die westlichen alliierten Armeen jetzt über die offene Grenze rollen … Erst 13 Jahre später, als ich im Jahr 2002 während des Landtagswahlkampfes auf die MLPD und ihren Jugendverband REBELL stieß und ich Bücher wie „Die Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion“ und „Der Kampf um die Denkweise in der Arbeiterbewegung“ las, konnte ich mir erklären und vollständig begreifen, was sich damals im November 1989 wirklich abgespielt hatte. Zwei Jahre später übte ich auf einer Montagsdemonstration in Halle öffentlich Selbstkritik an meinem damaligen Denken, Fühlen und Handeln.

Das war sehr wichtig, denn ich denke, nur mit einer objektiven, ehrlichen Aufarbeitung unserer Geschichte, kritisch, selbstkritisch, werden wir aus unseren Fehlern, aber auch aus den Erfolgen des so­zia­listischen Aufbaus in den Anfangsjahren der DDR lernen.

Frank Oettler

Marxist-Leninist aus Halle

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