FIFA-Skandal – Skandal des kapitalistischen Sportsystems

Am 27. Mai rückten in Genf beim internationalen Fußballverband FIFA, dessen amtierender Vorsitzender bisher noch der Schweizer Joseph „Sepp“ Blatter ist, Ermittler im Auftrage der US-Staatsanwaltschaft an und beschlagnahmten Akten. Es gab mehrere Festnahmen, Blatter musste seinen Hut nehmen. Der Skandal hat sich seitdem zum Dauerbrenner entwickelt – Ende nicht in Sicht.

Offengelegt wurde ein ganzer übelriechender Sumpf von Korruption, Steuerhinterziehung, Diebstahl und Bestechlichkeit. Der Stellvertreter Blatters, Jack Warner aus Trinidad/Tobago, ließ sich die Zustimmung zur Wahl Katars für die übernächste WM abkaufen und ließ Hilfsgelder für Erdbebenopfer in Haiti in der eigenen Tasche verschwinden. Auch Michel Platini, Chef der UEFA (Europäischer Fußballverband), ist Teil des Systems, obwohl er vehement Blatters Rücktritt forderte. Als Blatter sich unbeeindruckt wieder zum Vorsitzenden wählen ließ, gratulierte er als erster. Und auch Platini hatte der WM in Katar zugestimmt. Katar hat extreme Hitze, Sand, Kamele, keine Fußballtradition – aber viel, sehr viel Geld … .

Nun greift es zu kurz, den Skandal zu personalisieren. Schuld ist das ganze System. Die Fäden ziehen die Sponsoren – internationale Übermonopole, nur zum geringeren Teil Sportkonzerne wie Adidas. Zu diesen gehören die bekannt „umweltbewussten“ Coca-Cola und McDonalds. Nicht zu vergessen die Phalanx der internationalen Medienkonzerne, die die Übertragungsrechte monopolisieren und teuer verkaufen. Die Ermittler nennen auch mehrere internationale Banken wie Citigroup, JP Morgan, UBS und andere, über deren Konten Bestechungsgelder geflossen sind – über zwei Jahrzehnte mehr als 150 Millionen US-Dollar.1 Die FIFA ist also einerseits Dienstleister der Monopole, andererseits selbst internationales Monopol im Sport mit Riesenumsatz und Gewinn: zwischen 2011 und 2014 5,7 Milliarden US-Dollar Einnahmen und 338 Millionen Gewinn.2 Von den Einnahmen kamen 2,5 Milliarden von den TV-Sendern und 1,6 von den Sponsoren.3

Ein gutes Beispiel für das Zusammenwirken der FIFA und der Übermonopole ist die letzte WM in Brasilien: 4,826 Milliarden US-Dollar Einnahmen der FIFA insgesamt von 2011 bis 2014 in diesem Zusammenhang, je circa 120 Millionen von den sechs Hauptsponsoren (Partnern) Visa, Sony, Adidas, Hyundai/Kia, Coca-Cola und Emirates.4 Für Adidas hat sich die WM gelohnt: „Diese WM war für Adidas ein herausragender Erfolg und unterstreicht eindeutig unsere Position als die weltweit führende Fußballmarke“, erklärte Adidas-Chef Hainer. Adidas stattete beide Finalisten aus, stellte den Ball, hatte eine Steigerung im Absatz der Trikots der deutschen Fußball-Nationalmannschaft von 30 Prozent usw.5 Mit 1.400 Firmen waren in Brasilien doppelt so viele deutsche Firmen engagiert wie vier Jahre zuvor in Südafrika, dabei unter anderem Bilfinger und Berger, Bosch, Siemens und ThyssenKrupp. Ein Hamburger Architektenbüro entwarf zwei Stadien, eines aus Braunschweig ein weiteres.6 Und wer zahlt? Letztlich für einen Großteil der Investitionen die brasilianischen Massen – heute noch. Nicht umsonst gab es bis kurz vor der WM Massenproteste. Der brasilianische Staat steckte umgerechnet acht Milliarden in Stadien und Infrastruktur.7 Und heute stehen die riesigen Stadien leer – niemand braucht sie. Acht der zwölf WM-Stadien haben im letzten Jahr ein Defizit von zusammen 42 Millionen Euro gemacht – alles letztlich Steuergelder, die indirekt über die Folgen der heutigen daher rührenden Defizite in den Haushaltskassen der betroffenen Städte von den Massen zu bezahlen sind.8 Auch wenn sich inzwischen einzelne Sponsoren wegen des eigenen Image-Schadens bei der FIFA beschweren, auch wenn personelle Alternativen diskutiert werden, grundsätzlich wird sich daran wohl nichts ändern. Vielleicht werden ein paar Pestbeulen operiert – die Pest der unbeschränkten Herrschaft der internationalen Übermonopole auch im internationalen Sport bleibt, bis sie revolutionär überwunden wird. Bleiben Witze wie dieser: „Sitzen der FIFA-Präsident, sein Mediendirektor und der Generalsekretär im Auto. Wer fährt? – Antwort: die Polizei.“9 Stammt übrigens vom inzwischen zurückgetretenen Pressechef Blatters selbst, Walter de Gregorio.

 

1 „FAZ“ vom 30. Mai 2015

2 „FAZ“, ebenda

3 „Spiegel“, vom 30. Mai 2015

4 „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ vom 31. Mai 2015

5 Zitat und Angaben zu Adidas aus „medias News Archiv“ vom 14. Juli 2014

6 „tagesspiegel“ vom 7. Juni 2014

7 „tagesspiegel“, ebenda

8 „WELT“ vom 18. Juni 2015

9 „Süddeutsche Zeitung“ vom 12. Juni 2015

Artikelaktionen

MLPD vor Ort
MLPD vor Ort Landesverband Nord Landesverband Nordrhein-Westfalen Landesverband Ost Landesverband Rheinland-Pfalz Hessen Saarland Landesverband Baden-Württemberg Landesverband Bayern
In Deutschland ist die MLPD in über 450 Städten vertreten.
Hier geht es zu den Kontaktadressen an den Orten.
Mehr...