Erfolgsstory gegen Diskriminierung: Fußball WM der Frauen in Kanada

Mannheim (Korrespondenz): Drei der acht Neulinge dieser Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen haben den Sprung ins Achtelfinale geschafft. Sie haben damit auch bewiesen, dass die Erweiterung auf 24 Teams entgegen vieler Kritik richtig war. Leider ist nun auch der Debütant Kamerun, der sich als einziges afrikanisches Team für die K.O.-Runde qualifizieren konnte, gegen China mit 0:1 ausgeschieden. Wir werden die Tor- und Jubeltänze der Spielerinnen im weiteren Verlauf der WM vermissen. Im Viertelfinale am 26. Juni (22 Uhr, ZDF) wird Deutschland gegen Frankreich spielen, außerdem haben sich Kanada und China und überraschend Australien mit einem 1:0 gegen den Favoriten Brasilien qualifiziert.

Anders als 99 Prozent aller Medien schrieb die „Rote Fahne“ 2010 konsequent von der „Fußball WM der Männer“, dafür handelte sie sich die ein oder andere Kritik ein, ganz so, als ob die Männer die WM für sich gepachtet hätten.

Aber ist der einzige Unterschied dieser Weltmeisterschaften, dass sich bei dem einen Turnier die 32 besten ­Teams der Männer und beim anderen die besten 24 Teams der Frauen messen?

Frauenfußball – das sind nicht einfach nur Fußball spielende Frauen

Frauenfußball, das ist oft auch Kampf gegen Ungerechtigkeit, gegen Diskriminierung, gegen die bürgerliche Familien­ordnung, gegen Sexismus und die Ketten der Moral und oft auch noch gegen Verbote. Frauen­fußball, das ist immer auch politisch.

Bereits 1894 wurde das erste Fußballteam in England gegründet und auch in Deutschland begannen die Frauen zu kicken. Der erste Verein wurde 1930 in Frankfurt gegründet. Weder das erste Verbot des Frauenfußballs zwischen 1933 und 1945 durch den Hitlerfaschismus, noch das zweite Verbot 1955 durch den DFB haben ihn zum Erliegen gebracht. Die Beschimpfungen, der Hohn und Spott oder auch der Spielabbruch des Spiels zwischen DFC Duisburg-Hamborn und Gruga Essen am 30. Juli 1955 durch Polizeigewalt, hat die Fußballerinnen nur stärker gemacht.

Es waren dann vor allem Arbeiterfrauen und -mädchen im Ruhrgebiet, die in Eigeninitiative Vereine gründeten und Trainer, die dies unterstützten. In den 1970er Jahren unterstützte die kleinbürgerliche Frauenbewegung das Anliegen und der Frauenfußball nahm einen Aufschwung. Heute spielen über eine Million Frauen und Mädchen in Deutschland Fußball im Verein. Dass „Körper und Seele der Frau unweigerlich Schaden nehmen“ würden, wie es einst in der Begründung des DFB hieß, darüber kann man heute nur lachen.

In der Öffentlichkeit wird suggeriert: „Fußball ist eben Fußball und spätestens seit der WM 2011 in Deutschland ist ja auch der Frauenfußball ,in der Mitte der Gesellschaft‘ angekommen.“ Forderungen der FIFA-Herren nach engeren Hosen, Geschlechtertest* und die Sorge um die weibliche Anmut sprechen da eine andere Sprache:

Trotz Protesten und Klagen von 60 Fußballerinnen, wird diese WM auf Kunstrasen ausgetragen. Er ist zum Teil so schlecht, dass eine erhebliche Verletzungsgefahr besteht. Die Fußballverbände in Mexiko und Frankreich setzten ihre klagenden Spielerinnen sogar unter Druck, damit sie nicht weiter gegen die FIFA rebellieren.

Die Geschichte des 41-teiligen-Kaffeservices als Siegprämie der deutschen Fußballerinnen für den EM-Sieg 1989 ist ja vielfach bekannt. Abartig hohe Prämien im Männer-Profi-Fußball sind natürlich abzulehnen. Aber warum die deutschen Spielerinnen im Falle eines WM-Siegs weniger als ein Viertel der Prämie der Männer erhalten sollen, erschließt sich daraus nicht.

Berechtigt fordern brasilianische Fußballerinnen den Rücktritt des brasilianischen Chefs der Koordinierungsstelle für Frauenfußball, Marco Aurelio Cunha, der den Erfolg des Frauen­fußballs den kürzer werdenden Hosen und den geschminkten Spielerinnen zuschreibt.

Die 28-jährige Südkoreanerin Eunsun Park reichte Klage vor einer Menschenrechtskommission ein. Sie klagte dagegen, dass sie sich immer wieder Geschlechtertests unterziehen muss. Sie bekam zwar Recht, das änderte jedoch nichts daran, dass sich zu dieser WM alle Spielerinnen diesem fragwürdigen Test unterziehen müssen.

Trotz Aufforderung unternimmt die FIFA nichts gegen­über dem iranischen Fußballverband, wo es Frauen verboten, ist Männerfußballspiele auch nur anzuschauen.

Ganz im Stile des noch FIFA-Boss’ Sepp Blatter gibt es von der Fifa bisher weder eine Stellungnahme noch Sanktionen zu den sexuellen Übergriffen von Trainern und Clubfunktionären, die in Nigeria an der Tagesordnung sind, wo sich vor allem Mädchen aus armen Familien vom Fußball einen Ausweg erhoffen.

Clariste Soh Moube ist eine der Afrika-Koordinatorinnen der 2. Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen 2016 in Nepal. Sie versuchte lange Jahre, eine Karriere als Fußballerin zu machen und nach Europa zu emigrieren, um der Familie und ihr aus dem Elend in Kamarun zu helfen. Sie schrieb in ihrem bewegenden Tatsachenroman „Die Falle“: „Meine Beine stehen mittlerweile fest auf dem Boden der Realität meines Kontinents. … Wie sollte denn Afrika vom Schiffbruch verschont bleiben, wenn wir jungen Menschen ihm den Rücken kehren?“

Es gibt derzeit auf der Welt nur in ein/zwei Ländern überhaupt eine Profiliga der Fußballfrauen. In Katar spielen gerade mal sieben Teams in einer Liga, in Thailand gibt es nicht mal eine nationale Liga. Teams wie Ecuador oder Kolumbien bilden ihre Spielerinnen fast nur im eigenen Land aus. In ­Afghanistan trainieren die Frauen unter Ausschluss der Öffentlichkeit hinter Mauern eines Militärcamps. In Saudi-Arabien ist Sport für Mädchen gar nicht erlaubt. Große Männerfußballnationen wie Italien, Argentinien oder Portugal spielen im Frauenfußball kaum eine Rolle. Aber auch in Deutschland haben große Vereine wie der BVB oder Schalke 04 gar keine Frauenabteilungen. Andere Profivereine, wie Bayern München oder VFL (VW) Wolfsburg investieren in den Frauen­fußball als Werbeträger und künftige Einnahmequelle. Bayern wurde auch bei den Frauen deutscher Meister und Wolfsburg mit 14 aktuellen Nationalspielererinnen gewann zweimal die UEFA-Championsleague. Sie haben mit einer Million (Bayern) bzw. vier Millionen Euro Etat (Wolfsburg) den Erfolg eingekauft. Millionen, die in die Förderung des Breitensports sinnvoller zu verwenden wären.

Die Begeisterung für den Frauen­fußball weltweit wächst. Schon längst werden privat und öffentlich Public-Viewings organisiert und mitgefiebert. Mädchen und Frauen entscheiden sich selbstverständlich für Fußball, wenn es um eine Vereinswahl geht. Gemischte Mannschaften sind weniger Ausnahme geworden auf den Bolzplätzen oder den Straßen in den Wohngebieten, bei REBELL und ROTFÜCHSEN oder Jugendzentren.

Der Trainier der afhganischen Frauennationalmannschaft und selbst ehemaliger Nationalspieler und Oberligist bei Paderborn, bringt es richtig auf den Punkt: „Die Mädchen sind Vorreiterinnen. Sie machen den Weg frei für die Zukunft im Sport und für Frauenrechte.“

 

* Die Frauen müssen auf Anweisung des Weltverbands FIFA offiziell nachweisen, dass sie Frauen sind. Dazu mussten sie dem DFB eine Bestätigung ihres privaten Frauenarztes ausstellen lassen!

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