„Türkei blockiert den Wiederaufbau“

Augenzeugenbericht von einem Besuch in Kobanê

Ich war Ende Mai selbst in Kobanê und habe die Situation bei der Versorgung der Bevölkerung und für den Wiederaufbau der Stadt hautnah miterlebt. Es gibt so etwas wie einen täglichen Warenverkehr aus der Türkei. Er ist für die bald 30.000 Menschen in der Stadt und 60.000 weitere in den Dörfern des Kantons Kobanê der einzige Zugang für Güter des täglichen Überlebens. Nach allen Stimmen, die ich aus der Bevölkerung und auch von Verantwortlichen der Verwaltung gehört habe, unterliegt dieser Warenverkehr jedoch weitgehenden Einschränkungen und großer Willkür. Jede einzelne Lieferung muss vom Gouverneur in Sanliurfar genehmigt werden. Diese Willkür betrifft auch humanitäre Hilfslieferungen. So wurde ein Hilfstransport mit Medikamenten aus Deutschland im April fast 25 Tage vor dem Grenzübergang aufgehalten, bis er schließlich nach Kobanê weiterfahren durfte.

Technisches Gerät, Maschinen und Material für den Wiederaufbau kommt gegenwärtig so gut wie gar nicht über die Grenze. Die vielleicht zwei Dutzend vorhandenen größeren Baumaschinen in der Stadt stammen sämtlich aus einem Konvoi, der Anfang Mai von Bürgern der kurdisch-türkischen Großstadt Amed (Diyarbakir) in Marsch gesetzt wurde und bis nach Kobanê durchkam.

Bei einer Pressekonferenz, an der ich teilnahm, warf ein verantwortlicher Mitarbeiter der Kantons-Regierung der türkischen Regierung eine Blockade des Wiederaufbaus vor. Er sagte: ,Ohne Öffnung der Grenze ist ein Wiederaufbau der Stadt nicht denkbar.‘ Völlig gesperrt ist der Grenzübergang gegenwärtig für ausländische, auch humanitäre, Helfer. Nach meinen Erfahrungen werden lediglich türkische Staatsbürger und ausdrücklich so ausgewiesene Mitarbeiter der Vereinten Nationen über den Grenzübergang gelassen. Für alle anderen ausländischen Helfer, die nicht türkische Staatsbürger sind und Journalisten ist der Grenzübergang gesperrt.“

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