Sterberate bei Frack-Arbeitern in den USA am höchsten

Veranstaltung „Stoppt Fracking“ am 18. April in Sindelfingen

Sindelfingen (Korrespondenz): Zu der Veranstaltung von Umweltgewerkschaft Kreis Böblingen und Freunden der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz Sindelfingen waren Professor Dr. Westrich, Uni Stuttgart, und ein Automobilarbeiter als Referenten geladen.

Prof. Dr. Westrich thematisierte das „Flow back“ (Rücklaufwasser), also was bei Frackingbohrungen alles nach oben kommt und wie es entsorgt wird. Bakterien, Radon, Schwermetalle wie Quecksilber … vieles ist noch unerforscht. Auch die Langzeitwirkungen der Bohrungen in diesen Tiefen unter diesen starken Druck-Bedingungen sind bisher weitgehend unklar.

Der als Referent geladene Automobilarbeiter ging darauf ein, wie Kolleginnen und Kollegen im Betrieb diskutieren. Viele machen sich Sorgen und sind selbst von Umweltbelastungen bei der Produktion betroffen. Oft wird die Frage Umweltschutz oder Arbeitsplätze so aufgeworfen: „Bist du für Umweltschutz, weniger CO2-Ausstoß, sägst du an dem Ast, auf dem wir alle sitzen.“ Tatsächlich wird aber durch die ständige Steigerung der Produktion von Autos mit Verbrennungsmotor doch der Baum abgesägt, auf dem die ganze Menschheit sitzt!

Deshalb müssten schnellstens andere gesamtheitliche und nachhaltige Verkehrskonzepte entwickelt werden und auch die Markteinführung von Brennstoffzellfahrzeugen forciert werden. Arbeiter in der US-Fracking-Industrie haben einen unnötig gefährlichen Job (unnötig, weil wir kein Fracking brauchen). In keinem Job stieg die Sterberate in den USA stärker an als bei den Arbeitern auf Bohrstellen. Die Ursache ist die Belastung mit Silikatstäuben aus Frack-Sand. Nein, das ist keine Zukunft für uns!

In der Diskussion führte ein Vertreter einer Bodensee-Initiative aus, dass zwar Anträge für Fracking in Oberschwaben von einer Firma zurückgezogen wurden, dass aber gleichzeitig zwei andere Fracking-Betreiber Projekte voranbringen wollen. Das Gebiet um den Bodensee ist das größte Wassergebiet in Europa und fünf Millionen Menschen bekommen von dort ihr Wasser.

Die „Sindelfinger Zeitung“ hielt es im Vorfeld der Veranstaltung nicht für nötig, im Lokalteil einen ausführlichen Artikel über „Stopp Fracking“ zu schreiben, weil in Sindelfingen nicht gefrackt würde. Einhellig wurde diese Ansicht auf der Veranstaltung kritisiert, da auch in Sindelfingen Bodensee-Wasser getrunken wird und die Thematik überhaupt keine Kirchturmpolitik (ich kümmere mich nur um meinen kleinen Radius) erlaubt.

Die Umweltgewerkschaft als Mitveranstalter sprach sich für ein generelles Verbot von Fracking aus. Die Automobilarbeiter werden das Thema auch auf der 1. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz im Oktober im Maichinger Bürgerhaus in Sindelfingen behandeln.

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