Wie viel CO2 absorbiert der tropische Regenwald?

Wie viel CO2 absorbiert der tropische Regenwald?

Stefan Engel, 4. Auflage, Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur? ISBN 978-3 88021-405-7, 332 Seiten, 17,50 Euro. Bei Bestellungen ab 3 Büchern „Katastrophenalarm!“ Rabatt von 2,50 Euro pro Buch (3 Büch

Durch die intensive Befassung einiger Leser mit dem Buch „Katastrophenalarm!“ gibt es einen regen Briefwechsel zur wissenschaftlichen Methode des Buches.

Liebe Genossen,

ich schreibe Euch wegen des Zitats auf Seite 108 aus focus.de über die Ergebnisse der Ökologen Simon Lewis und Paulo Brando.

Das Zitat besagt, dass das Amazonasgebiet normalerweise 1,5 Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre absorbiert und damit große Mengen CO2 aus der fossilen Verbrennung „verschwinden“ lässt. Aus dem Zusammenhang des Zitats muss man den Eindruck haben, jedes Jahr würden der Atmosphäre dadurch 1,5 Milliarden Tonnen CO2 entzogen und nicht wieder zurückgegeben. Das kann nicht sein, dann müssten die Wälder längst die gesamte CO2-Menge der Atmosphäre verbraucht haben. Es sei denn, die Biomasse im Amazonasgebiet würde entsprechend wachsen, was ja aber wohl nicht der Fall ist.

Tatsächlich ist es doch so, dass normalerweise das Amazonasgebiet genauso viel CO2 – also wohl 1,5 Milliarden Tonnen – aus der Atmosphäre absorbiert, wie es in Folge der Verrottung wieder in die Atmosphäre abgibt. (Seite 33: Organische Reste werden letztlich zu Wasser, Kohlendioxid und Mineralsalzen abgebaut.) Auf diese Weise existiert ein Teil des Kohlenstoffs als Biomasse und ist damit der Atmosphäre entzogen, der CO2-Gehalt der Atmosphäre bleibt stabil, sofern nicht andere Einflüsse wirken. Wie auf Seite 98 steht, ist sogar die Menge des in Böden, Bäumen und Büschen gespeicherten Kohlenstoffs größer als in der Atmosphäre.

Dann heißt es weiter, dass in Folge der Dürre zwei Jahre lang kein CO2 mehr absorbiert wurde, stattdessen fünf Milliarden Tonnen CO2 frei gesetzt wurden. Das kann nur bedeuten, dass weniger CO2 vom Amazonasgebiet aufgenommen wurden, als durch Verrottung wieder abgegeben wurden, unter dem Strich also dadurch fünf Milliarden Tonnen CO2 zusätzlich in die Atmosphäre gelangten.

So wie es im Zitat aber steht, hat man den Eindruck, das Amazonasgebiet hätte keinerlei CO2 aus der Atmosphäre aufgenommen, nur welches abgegeben. Dann hätte keinerlei Wachstum stattgefunden, alle Pflanzen wären abgestorben und nur noch vor sich hin verrottet. So war es aber noch nicht.

Aus dem Bericht von focus.de muss man folgenden Sachverhalt annehmen: In den meisten Jahren nimmt das Amazonasgebiet 1,5 Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre und verwandelt diese Menge in Biomasse. Gleichzeitig wird dieselbe Menge durch Verrottung auch wieder abgegeben (vorausgesetzt, die Menge der Biomasse wird nicht größer und nicht kleiner). Damit sind ständig große Teile des atmosphärischen CO2 (also auch desjenigen aus fossiler Verbrennung) „verschwunden“. Nach der Dürre 2005 war die durch Verrottung freigesetzte Menge an CO2 größer als die absorbierte Menge, sodass in den Folgejahren fünf Milliarden Tonnen CO2 zusätzlich in die Atmosphäre gelangten.

Ob dies wirklich das Ergebnis der beiden Ökologen war, muss man meiner Ansicht nach bei ihnen selbst nachlesen. Mir scheint, dass focus.de nicht sauber gearbeitet hat. Das Zitat sollte meiner Ansicht nach nicht oder nur mit entsprechendem Kommentar im REVOLUTIONÄREN WEG 35 verbleiben.

Das Beispiel ist aber sehr wichtig. Es existiert ja mehr Kohlenstoff in pflanzlicher Biomasse an Land, als sich in der Atmosphäre als CO2 befindet. Wenn durch Wechselwirkungen mit der globalen Klima­erwärmung Wälder großflächig geschädigt werden, dadurch ein Teil des in ihnen festlegten Kohlenstoffs als CO2 in die Atmosphäre gelangt, beschleunigt dies die Klima­erwärmung dramatisch, was wiederum schädigend auf die Wälder zurückwirkt. Dies auf dem Hintergrund, dass der Regenwald durch hemmungslosen Raubbau sowieso schon um mehr als die Hälfte geschrumpft ist und die Wälder insgesamt dramatisch geschädigt sind.

Herzliche Grüße

Conrad von Pentz

 

Ein Mitarbeiter am Buch „Katastrophenalarm!“ antwortete:

Lieber Conrad,

vielen Dank für Deine Kritik. Das von Dir bemängelte Zitat auf S. 108 muss meiner Meinung nach im Zusammenhang mit dem ganzen Abschnitt betrachtet werden. Es soll an dieser Stelle noch einmal beispielhaft die schleichende Entwicklung der Wälder von CO2-Senken zu CO2-Quellen und ihre Wechselwirkung mit der Klimaerwärmung veranschaulichen. Das tut es unserer Meinung nach ganz eindrücklich, was Du ja auch in Deiner inhaltlichen Zusammenfassung selbst so beurteilst. Abgesehen davon ist die journalistische Aufbereitung des Sachverhalts im „Focus“ sicher etwas summarisch und lässt einige Detailfragen offen. Diese Fragen ausführlicher zu behandeln, würde aber unserer Meinung nach den Rahmen des Kapitels sprengen und den Blick für das Wesentliche verstellen. Wir sind deshalb nicht für eine Streichung des Zitats bzw. eine weitergehende Erläuterung.

Zu Deiner konkreten Argumentation hier noch ein paar Hinweise:

Dass die jährlich absorbierten 1,5 Milliarden Tonnen CO2 vollständig in den lebendigen Pflanzen fixiert und damit der Atmosphäre dauerhaft entzogen würden, geht aus dem Zitat so nicht hervor, nur dass es sich dabei um „große Mengen“ handelt. Nicht vergessen darf man ja dabei die Rolle der pflanzlichen Atmung, die ja eine Umkehrung der Photosynthese ist, wodurch wiederum CO2 freigesetzt wird. Wie dabei das Verhältnis von Photo­synthese zu Atmung ausfällt, ist von äußeren Bedingungen (Nässe, Dürre, Sonneneinstrahlung usw.), aber auch vom Fitness- und Entwicklungszustand der Bäume abhängig: Der Anteil der Atmung ist bei älteren/geschädigten Bäumen und ausgereiften Wäldern relativ größer als bei jüngeren mit gesundem Wachstum und höherer Zuwachsrate.

Aus diesem Grund kann man auch nicht pauschal davon ausgehen, dass das Amazonasgebiet immer genauso viel CO2 absorbiert, wie es durch Verrottung wieder abgibt. Auch hier spielen wiederum Atmung und äußere Bedingungen eine Rolle; außerdem kann man das ganze Amazonasgebiet nicht als einförmigen statischen Zustand behandeln, der keine Entwicklung und keine Dynamik kennt. Das Gegenteil ist der Fall.

Dass die Amazonaswälder zwei Jahre lang kein CO2 aufgenommen und kein messbares Wachstum gezeigt haben, muss nicht bedeuten, dass alle Pflanzen gleich absterben und verrotten müssten, wie von Dir angenommen. So haben viele Pflanzen Reservestoffe und einen ganz niedrigen Ruhestoffwechsel, der sie ungünstige Perioden ohne Schaden überdauern lässt. Man denke nur etwa an den winterlichen Ruhezustand unserer heimischen Bäume und Sträucher, die sterben ja auch nicht nach jedem Winter gleich ab.

Herzliche Grüße, Herbert Buchta

 

 

Wechselwirkung mit der globalen Klimaerwärmung

Aus dem Abschnitt A.3. Beschleunigte Vernichtung der Wälder auf den Seiten 107 und 108

Die Waldvernichtung verschärft den „unnatürlichen“, vom Menschen verursachten Treibhauseffekt und wird ihrerseits durch die Klimaerwärmung vorangetrieben. (...)

Die Masse des in den Wäldern der Erde gespeicherten Kohlenstoffs sank von 1990 bis 2010 um sieben auf 278 Milliarden Tonnen, ein Rückgang um 2,4 Prozent.

Die Ökologen Simon Lewis von der britischen University of Leeds und Paulo Brando vom Amazon Environmental Research Institute untersuchten die Auswirkungen der Dürren im Amazonasgebiet von 2005 und 2010.

Laut den beiden Forschern absorbiert das Amazonasgebiet in den meisten Jahren 1,5 Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre. Dadurch verschwinden große Mengen des Gases, das weltweit durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe entsteht. Jedoch absorbierten die Wälder am Amazonas nach der Dürre von 2005 zwei Jahre lang kein CO2 mehr, vielmehr setzten sie aufgrund des Verrottungsprozesses der Bäume in den Folge­jahren rund fünf Milliarden Tonnen CO2 frei.“ (www.focus.de/wissen, Download vom 19. September 2013)

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