„Umweltschutz ist ein zentrales Thema“

Rote-Fahne“-Interview mit Sebastian Zöppel, Sekretär der IG BAU im Bezirk Bochum/Dortmund

Ihr habt ja schon in eurem Namen IG Bauen-Agrar-Umwelt Verantwortung für die Umwelt übernommen. Was tut die IG BAU konkret für den Umweltschutz?

Für uns ist Umweltschutz ein zentrales Themen. Das ist tief bei uns verwurzelt, weil ein Teil unserer Gewerkschaft ihre Wurzeln in der „grünen“ Gewerkschaft Gartenbau-Landwirtschaft und Forstwirtschaft „GGLF“ hat. Auch für die anderen Branchen, für die wir zuständig sind, hat die Umweltfrage große Bedeutung. Einerseits sind wir im Bausektor in der energetischen Gebäudesanierung damit konfrontiert, aber auch in anderen Bereichen, wie im Baunebengewerbe (z. B. Deponiebau), der Landschaftsgestaltung oder in der Entsorgung ist Umweltschutz wichtig. Umwelttechnik ist auch Gebäudereinigung: „Wie geht man mit Chemikalien um?“ usw. Wir versuchen da, fortschrittlich zu sein.

Gibt es dabei auch Konflikte mit Betrieben, Bauherren usw.?

Natürlich kommen wir da in Konflikte. Bei Bauprojekten müssen wir die Frage stellen: Unterstützen wir das Bauprojekt, weil es auch Arbeitsplätze erhält, oder ist das nachteilig für die Umwelt? Das ist das größte Konfliktthema. Zu Konflikten kommt es auch wegen der starken Konkurrenz am Bau oder teilweise mafiösen Methoden gewisser Unternehmen. Hier entsteht ein enormer Kostendruck, der in der Regel auf die Beschäftigten und auch die Umwelt abgewälzt wird. Kommunale Aufträge im Ruhrgebiet z. B. werden auf der Grundlage der Finanzlage der Kommunen immer an den billigsten Anbieter vergeben. Dubiose Unternehmen oder Subunternehmerketten betreiben dann oft Pfusch am Bau. Ich würde mir hier mehr Unterstützung vom Staat wünschen, um solche Probleme zu bekämpfen.

Bei eurer eigenen Arbeit – seid ihr da auch umweltbewusst?

Wir selbst versuchen intern auch unsere Büros und unsere Fahrzeuge umweltgerecht zu gestalten, fahren z. B. mit Erdgas usw. Unsere Hauptamtlichen, Sekretäre/innen, aber auch die Ehrenamtlichen versuchen wir auch zu einer umweltbewussten Arbeitsweise anzuhalten, z. B. indem wir auf Zeitungen im Papierformat verzichten.

Welche Haltung habt ihr zum Fracking? Steht ihr dabei nicht im Gegensatz z. B. zur IG BCE?

Zu Fracking hat die IG BAU in ihren Beschlüssen eine ganz klare Linie. Wir lehnen Fracking ab. Viele Studien belegen, dass Fracking umweltschädigend ist und der zu erwartende Wirtschaftserfolg durch solche nachhaltig schädigenden Maßnahmen nicht zu rechtfertigen ist. Wir haben dazu eine andere Position als die IG BCE.

Wie beurteilt ihr die „Energiewende“ der Regierung? Kann man hier wirklich von einer Wende sprechen?

Wir halten die Energiewende zumindest für unausgereift. Wir sagen eher, die Infrastruktur muss verbessert werden. Und das darf nicht nur zu Lasten der Kunden gehen. Da müssten auch die Großunternehmen mehr einbezogen werden. Das ist im Moment nicht der Fall. Großunternehmen werden aus der Energiewende rausgelassen, die Lasten werden nur von den Arbeitern und den einfachen Menschen getragen. Zum Beispiel im Bereich der energetischen Gebäudesanierung könnte man viel mehr machen. Es gab Förderprogramme von der Bundesregierung, zur Erneuerung von Häusern, um sie zu isolieren und zu modernisieren. Jetzt sind diese Förderungen ausgelaufen und wir erleben einen erheblichen Rückgang in diesen Bereichen, und das wollen wir ändern. Wir wollen zurück zur energetischen Gebäudesanierung. Für eine Energiewende bringt es nichts, nur neue Leitungen zu legen oder ein paar Solaranlagen aufs Haus zu bauen. Wir müssen die Infrastruktur verbessern: Bei den alten Gebäuden und auch im sozialen Wohnungsbau müssen Verbesserungen her, z. B. Isolierungen und Modernisierungen.

Du hast ja das Buch „Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?“ gekauft. Hast du dir dazu schon eine Meinung bilden können?

Ich hab’ das Buch noch nicht ganz gelesen, aber einzelne Abschnitte. Ich finde es sehr gut. Mir gefällt vor allem, dass auch immer wieder auf den Konflikt zwischen der Arbeit und der Arbeitsplatzgestaltung in diesem System eingegangen wird, wie wir es eben jetzt haben, und dem Umweltschutz auf der anderen Seite. Da seh’ ich mich auch als IG-BAUler im Zwiespalt – wie kann man diesen Konflikt lösen, aber nicht zu Lasten der Arbeiterschaft, sondern zu ihrem Vorteil und unter Inpflichtnahme der großen Unternehmen?

Das Buch geht aber noch weiter, dass uns nämlich die kapitalistische Profitwirtschaft in eine globale Umweltkatastrophe treibt.

Richtig, der aktuelle entfesselte globale Kapitalismus, der ist tödlich für diese Welt. Es wird überhaupt keine Rücksicht mehr genommen, es gibt nur noch Raubbau, Raubbau, Raubbau … . Es wird spekuliert, es wird mit Nahrungsmitteln spekuliert, es wird mit Rohstoffen aller Art spekuliert. Hinzu kommt, dass unsere Gesellschaft nur noch auf oberflächlichen Konsum ausgerichtet ist. Von dieser Denkweise sind die Menschen stark beeinflusst. Zum Beispiel: „Wenn in Afrika alles untergeht, was interessiert mich das. Ich habe ja mein tolles Eigenheim usw.“ Diese bürgerlich-kapitalistische Denkweise, davon sind auch die einfachen Menschen infiziert worden.

Wie könnte man denn deiner Meinung nach die Umwelt retten?

Die Umweltrettung ist ein zentrales Thema. Die Frage ist: Wie können wir nachhaltig die Umwelt retten, wie können wir nachhaltig wirtschaften, wie muss die Wirtschaft umgebaut werden? Das geht nicht in dem entfesselten Kapitalismus. Die Umweltrettung funktioniert nur auf der Grundlage eines Umbaus des gesamten Gesellschaftssystems.

Wir brauchen eine Gesellschaft, wo der Mensch im Einklang mit der Natur im Mittelpunkt steht. Wir nennen das Sozialismus, echten Sozialismus – im Gegensatz zu den Verhältnissen in der DDR seit Mitte der 1950er Jahre.

Ja, so etwas ist notwendig. Ich würde es vielleicht Umwelt-Sozialismus nennen. Im Prinzip geht es darum: Um die heranziehende Katastrophe unter anderem in der Versorgungslage der Weltbevölkerung und die Vernichtung der Ressourcen zu verhindern – und auch Kriege darum zu verhindern, auch globale Kriege, wie sie jetzt schon z. T. geführt werden – ist es jedenfalls notwendig, die Gesellschaft von Grund auf zu verändern. Da muss sich auch das Bewusstsein verändern. Vor allen Dingen muss klar werden, dass das Wirtschaften anders gestaltet werden muss. Das geht nur, wenn man an der Denkweise arbeitet. Die Frage ist, mache ich das Wirtschaften um des Profits willen oder mache ich es um des Menschen willen, um die Lebens- und Arbeitsverhältnisse zu verbessern. Das geht nicht mit der bürgerlich-kapitalistischen Denkweise. Das geht nur mit einer progressiven fortschrittlichen Denkweise.

Welche Rolle könnte das Buch dabei spielen?

Ich seh’ das Buch als Beitrag an, diese Richtung anzustoßen, das heißt um zu einer Diskussion um solch eine Denkweise zu kommen und das zum Gesprächsthema zu machen, auch unter den Linken. Teilweise sind die Linken selber uneins. Da wird das Thema Arbeitsplätze ausgeklammert, zum Beispiel beim Atomausstieg. Die Frage ist doch, wie schaffen wir es, Arbeitsplätze zu erhalten und auch gleichzeitig den Umbau zu gestalten, um die Umwelt zu retten. Der Fehler, den viele Reform-Linke machen, wie die reformistischen Kräfte unter den Linken, wie die Partei „Die Linke“, aber auch so Pseudo-Linke wie zum Beispiel die Grünen: Die sagen schnell: „Wir machen den Atomausstieg, ohne Rücksicht auf die Arbeitsplätze“. Weiter denken sie nicht. Und die Kollegen stehen dann vor vollendeten Tatsachen.

Wir finden, der Ausstieg aus der Atomnutzung ist notwendig, aber nicht auf Kosten der Arbeitsplätze und der einfachen Leute, sondern auf Kosten der Profite. Es gäbe viele neue Arbeitsplätze im Umweltschutz, wo die Fähigkeiten der Beschäftigten aus den Atomanlagen gebraucht werden.

Das ist ein Prozess, da muss die Wirtschaft entsprechend umgestaltet werden. Was mir noch wichtig ist: Umwelt ist nicht nur der Wald und der Boden usw., es sind auch die Arbeitsbedingungen, wie die Arbeitsplätze gestaltet sind. Machen wir nur noch Arbeit auf Abruf, auf Stand-By und mit höchster Anspannung oder habe ich Rückzugsmöglichkeiten.

Die Überausbeutung des Menschen gehört deshalb unserer Meinung nach auch zur Umweltfrage. Der Mensch ist Teil der Natur. Natur und Mensch können sich nur in Einheit miteinander entwickeln.

Genau. Ich sehe das Buch daher als einen Beitrag für diese Diskussion, was sich alles ändern muss. Aber auch dafür, wie sich der Dialog darüber innerhalb der Linken und auch der organisierten Linken entwickelt .

Wärst du bereit, auch bei einer Diskussionsveranstaltung zu diesen Themen mitzumachen?

Ja, das kann ich gerne machen. Ich bin generell für solche Diskussionen offen.

Danke dir für das Gespräch!

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