Eine ungewöhnliche Betriebsversammlung bei Daimler

Mettingen (Korrespondenz): Die Sommer-Betriebsversamm­lung bei Daimler im Esslinger Stadtteil Mettingen war nicht wie jede andere …

Üblich waren noch die Reden vom Betriebsratsvorsitzenden und Geschäftsleitung. Wie immer zogen sie sich ermüdende drei Stunden hin. Eine typische Methode, um die Kollegen einzuschläfern und davon abzuhalten, sie zu ihrer Versammlung zu machen. Der Grund­tenor war: „Alles ist gut – wir haben tolle neue Autos und Rekordabsätze.“ Zwischen den Zeilen wurde aber auch das Problem von Mercedes deutlich. Für die Führerschaft auf dem Weltmarkt streben sie eine Umsatzrendite von zehn Prozent an.

Die zeigt an, wie viel Gewinn aus dem Umsatz gezogen wird. Die Marxisten-Leninisten sprechen exakter und schonungslos von der Profitrate. Sie zeigt an, wie viel Profit aus den Arbeitern gezogen wird im Verhältnis zum eingesetzten konstanten und variablen Kapital. Mercedes krebst aber seit Jahren zwischen fünf und acht Prozent herum, ist den Kapitalisten also zu wenig profitabel.

Mercedes verkauft zwar tatsächlich wie nie. Aber sie geben große Rabatte, um die klammen Käufer anzulocken, und es werden vor allem mehr Kleinwagen wie die A-Klasse verkauft, die weniger Gewinn bringen.

In der Aussprache kommt dann traditionell die Kehrseite der „schönen Daimler-Welt“ zu Tage und diesmal zeigten Kollegen neuen Mut! Emotionaler Höhepunkt war, dass erstmalig ein Leiharbeiter das Rednerpult betrat. Er stand eine Woche vor seiner Entlassung bei Daimler und hielt merkbar die Rede seines Lebens. Er kämpfte um seine Existenz, um den Arbeitsplatz, schilderte seine Lebenssituation im Wechselbad der Gefühle, in der finanziellen Not. Er sprach stellvertretend für 30 weitere Leih­arbeiter aus der Zylinderkopffertigung.

Bereits Ende Februar und dann auch wenige Tage nach der Betriebsversammlung organisierte die Betriebsrats-Liste „Offensive Metaller“ Pausenversammlungen gegen die „Abmeldung“ der Leiharbeiter. Es zeigt sich eine wachsende Aktivität, sich mit dem Rausschmiss von Leiharbeitern alle drei Monate nicht mehr abzufinden.

Der Kollege bekam lang anhaltenden Zustimmungsapplaus von der gesamten Belegschaft. Daimler kam in die Defensive und verlängerte einen Großteil der Leiharbeiter, die sie eigentlich los werden wollten.

Zweite Besonderheit war eine Aktion der Auszubildenden. Sie setzten sich für die Zukunft der Jugend ein und forderten die Verdopplung der Anzahl der Auszubildenden. Die hat Daimler im Werk Untertürk­heim in den letzten 15 Jahren schleichend halbiert. Die jungen Kollegen traten vor die Versammlung und übergaben eine riesige Karte mit Hunderten Unterschriften an den Werksleiter, der nur ein paar stam­meln­de Worte übrig hatte.

Interessant war dann noch ein Redebeitrag gegen Ende der Versammlung, in dem ein Kollege das „Greenwashing“ der Werksleitung enttarnte und die tatsächliche Feinstaub- und Ölnebel-Belastung für die Kollegen und die anwohnende Bevölkerung kritisierte.

Dabei legte er den Kollegen auch das neu erschienene Buch „Katastrophenalarm!“ ans Herz, weil es den Arbeitern hilft, die volle Verantwortung für die Rettung der Natur, unserer Lebensumgebung und Gesundheit zu übernehmen.

Die fünfstündige Versammlung lieferte viel Stoff für den Sommer.

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