Beim Duftkonzern „Douglas“ stinkt es

Hagen (Korrespondenz): Den Firmennamen „Douglas“ verbinden die meisten Menschen mit den Düften seiner Parfümerien. Nun aber stinkt es gewaltig in diesem Einzelhandelskonzern. Seit der Übernahme durch den US-Investor „Advent“ 2012 bleibt für die Beschäftigten fast nichts mehr wie bisher. Die Parolen der Geschäftsleitung lauten „notwendige Transformation und Nutzung von Synergieeffekten für die Wettbewerbsfähigkeit“.

Von der „Erfolgsstory“ zur „Heuschrecke“

Der Einzelhandelskonzern galt bisher vor allem in Hagen, dem Sitz der Konzernzentrale, als Erfolgsstory, als Beweis für die Möglichkeit eines für alle nützlichen Unternehmens. Hier in Hagen begann das Familienunternehmen 1949 mit den ersten „Hussel“-Süßwarenläden. Lange war die Hagener Familie Kreke Mehrheitseigner. Regelmäßig wandte sich der Firmenchef persönlich an die Beschäftigten.

So wuchs das Unternehmen weit über Hagen hinaus. Heute umfasst der Konzern auch Sparten wie „Juwelier Christ“, „Damenmoden Appelrath und Cüpper“ sowie die Buchhandelskette Thalia. Insgesamt betreibt er über 1.700 Geschäfte mit über 9.000 Beschäftigten. Allein im Bereich Parfümerie operiert „Douglas“ in 22 Ländern und ist Marktführer in Europa. Am Sitz in Hagen laufen heute Verwaltung, Marketing, Einkauf, Controlling, IT und Logistik zusammen. Hier arbeiteten zu Spitzenzeiten rund 1.300 Beschäftigte. Gerade hier unter den leitenden und mittleren Angestellten verstand das Management geschickt Selbstbewusstsein, Teamgeist und Kreativität zu fördern und für den Konzern auszunutzen.

Seit der Weltwirtschafts- und Finanzkrise mehrten sich dann Gerüchte mit ganz anderen Duftmarken. Das Online-Geschäft müsse dringend ausgebaut werden. „Thalia“ könne im online-Buchhandel „Amazon“ nicht die Stirn bieten. Auch jetzt versuchte Konzernchef Kreke noch jede aufkommende Verunsicherung unter den in der Zentrale Beschäftigten zu zerstreuen. Man habe doch auch in der Vergangenheit Herausforderungen des Marktes gemeinsam bewältigt.

Mit schönen Worten in die Übernahme

Dann kam 2012 die Übernahme durch den US-Finanzinvestor „Advent“. Das Wort von den kapitalistischen Heuschrecken macht die Runde. Die jetzt platzenden Bomben haben mit Wohlgerüchen nichts mehr gemein. Anfang 2014: Verkauf sämtlicher „Hussel“-Filialen an den Finanzinvestor „Emeram Partners“. Mal eben werden gleichzeitig rund 500 Filialen des französischen Parfümerie-Konzerns „Nocibé“ aufgekauft, womit „Douglas“ auf diesem Sektor in Frankreich zur Nummer zwei aufsteigt. Die Investmentbank „Lincoln International“ wird beauftragt, nach einem Käufer für die Modekette „Appelrath und Cüpper“ zu suchen. Die Investmentbank „JP Morgan“ sucht einen Käufer für die Juwelierkette „Christ“. Der Verkauf der Buchhandelskette „Thalia“ schwebt seit Monaten wie ein drohendes Schwert über den Beschäftigten.

140 Stellen auf der Abschussliste

Dann geht im Frühjahr 2014 in der Konzernzentrale eine regelrechte Stinkbombe hoch. 140 Stellen kommen sofort auf die Abschussliste. Viele Angestellte werden ohne Vorwarnung von ihrem Arbeitsplatz zur Personalabteilung zitiert, wo ihnen ein Aufhebungsvertrag vorgelegt wird. Unterschrift innerhalb einer Woche, ansonsten drohe Verlust der Abfindung. Sie können sich oft nicht einmal von den Kollegen verabschieden, manche werden sofort „freigestellt“. Mit dabei sind Angestellte mit 30 Jahren Betriebszugehörigkeit und ohne große Aussichten auf einen neuen Arbeitsplatz. Gewerkschaft? Betriebsrat? Das schien auf dieser Konzernebene bisher unnötig. Langsam verraucht der stinkende Nebel. Was bleibt, ist ein klarerer Blick auf die Leitlinie von „Advent“: Erst wurde der „Douglas“-Konzern von der Börse genommen. Nun werden die Sparten verkauft, die nur geringen Gewinn bringen. Für 2015 soll dann der Kernbereich Parfümerien zu erhöhtem Wert wieder an die Börse gehen, um die internationale Marktführerschaft auszubauen. Für die Beschäftigten auf allen Ebenen des Konzerns heißt das Bangen um die Arbeitsplätze, die persönliche und familiäre Zukunft.

Angesichts der wachsenden Unzufriedenheit unter den Beschäftigten versucht das Management vor allem die leitenden und mittleren Angestellten zu einer positiven Einstellung für die Umstrukturierungen zu gewinnen. Schließlich ist die Geschäftsführung in jeder Phase der Umstrukturierung weiter auf deren zuverlässige Arbeit angewiesen. Für viele Beschäftigte im mittleren Angestelltenbereich sind es bittere Erfahrungen, dass sie nur als Kostenfaktor behandelt werden. Viele hatten gedacht, dass langjährig und erfahrene Beschäftigte als letzte gekündigt würden.

Kaum etwas bleibt, wie es ist. Es ist an der Zeit, auch dem Begriff „Synergieeffekte“ einen neuen Sinn zu geben. Als Bündelung und Organisierung der gemeinsamen Interessen aller vom Arbeitsplatzabbau Betroffenen, seien es Arbeiter oder Angestellte auf verschiedensten Ebenen, sei es in Handelsgesellschaften oder Produktionsbetrieben.

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