ZEUS am Gängelband des Energiemonopols RWE

Nein, bei ZEUS handelt es sich nicht um den griechischen Göttervater. Es geht um das gleichnamige Projekt der Funke-Mediengruppe „Zeitung und Schule“, kurz ZEUS. Mit diesem Projekt verfolgt die Funke-Gruppe – inzwischen eines der größten Medienmonopole Deutschlands – zwei Ziele:

Zum einen sollen Schüler bereits früh an die Tageszeitungen der Funke-Gruppe gewöhnt werden. Schulklassen können bis zu sieben Wochen die örtliche Tageszeitung kostenfrei bestellen. ZEUS „weckt bei Jugendlichen die Lust am Lesen – und am Schreiben“, so die Funke-Leute. Und die Lust auf Abonnieren, möchte man hinzufügen. 50.000 Schülerinnen und Schüler beteiligen sich jedes Jahr allein in Nordhrein-Westfalen. 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche waren es in den letzten Jahren.

Zum anderen betreibt die Funke-Gruppe damit auch Nachwuchsarbeit in Sachen Zeitung. „Themen recherchieren, Interviews vorbereiten und am Ende Artikel selbst schreiben – hier gibt es jede Menge Tipps für Nachwuchsreporter“, versprechen die ZEUS-Macher. Regelmäßig erscheinen von Schülern geschriebene ZEUS-Seiten in den Tageszeitungen WAZ, NRZ, WR, WP und IKZ.

Welche Art Journalismus hier allerdings gezüchtet wird, lässt ein Blick in die Sponsorenliste von ZEUS erahnen. Ließe man sich Schalke 04 vielleicht noch gefallen, wundert man sich über andere überregionale Sponsoren. Dazu gehört das Energiemonopol RWE oder das größte deutsche Wohnungsmonopol, die Deutsche Annington. Immerhin 210.000 Wohnungen hat die Annington unter ihrer Herrschaft. Neu hinzugekommen ist unlängst „3malE – Bildung mit Energie“. Ebenfalls eine RWE-Initiative. Warum sich RWE hier engagiert, darüber plaudert der Leiter der RWE-Unternehmenskommunikation, Sebas­tian Ackermann in einem Interview – natürlich auf einer ZEUS-Seite: „Die Energiewende können wir nur gemeinsam mit den Menschen erreichen … Wir bieten den ZEUS-Reportern einen exklusiven Einblick in die Welt der Energieversorgung und -tech­nik. Besonders junge Menschen wollen wir … begeistern, … Bei einer Vorführung … erfahren ZEUS-Reporter, wie sichere Stromversorgung in der Praxis gewährleistet wird.“ Dass dafür aus RWE-Sicht noch über einen sehr langen Zeitraum Atom- und Kohlestrom notwendig sei, erfahren die ZEUS-Reporter dabei so ganz nebenbei – und ohne störende Kommentare aus dem Bereich Umweltschutz.

Früher hat sich die bürgerliche Journalistik mit Anspruch eines kritischen Geistes gerühmt. Aber kritische Recherche oder wenigstens formale Unabhängigkeit vom Gegenstand der Berichterstattung steht bei ZEUS nicht auf dem Lehrplan. Sonst würde man den eigenen Nachwuchs nicht ausgerechnet Monopolen wie RWE oder der Annington ausliefern. Mit den höchsten Weihen von Kultusministerium und Lehrplänen, lernt hier die nächste Journalistengeneration das Nachbeten der Presseinformationen aus den Konzernzentralen.

Hier schließt sich auch der Kreis zur Funke-Mediengruppe. Die Funke-Gruppe (ehemals WAZ) steht für den systematischen Abbau von Beschäftigten, Journalisten und ganzen Redaktionen. 2009 wurden 300 Redakteure abgebaut, 2013 noch einmal 200 Stellen. Zum 1. Mai 2013 wurde z. B. die Lokalredaktion der WAZ in Recklinghausen dicht gemacht, den Inhalt kauft man jetzt beim Konkurrenten Bauer-Verlag ein. Aktuell sollen 116 der 257 Beschäftigten im Funke-Druckzentrum in Hagen ihre Stelle verlieren.

Über 50.000 Lehrerinnen und Lehrer sind oder waren oft mit viel Engagement an den ZEUS-Projekten beteiligt. Sie freuen sich, ihren Schülern Zeitung „vermitteln“ zu können. Es liegt auch mit an ihnen und ihren Schülern, ob das Konzept von Funke, RWE und Co. aufgeht. Oder ob kritische Menschen die Schule verlassen, die gelernt haben, hinter die Kulissen zu blicken.

Jörg Weidemann

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