Was ist mit Paradigmenwechsel gemeint?

Aus Rote Fahne 28/2014: Ist das nicht schon heute notwendig, muss man damit nicht schon jetzt anfangen?

Seit einigen Wochen erscheint in der „Rote Fahne“ unter diesem Logo ein Diskussionsforum zum Buch „Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?“. Die Redaktion freut sich über jede Zuschrift zu praktischen Erfahrungen, theoretischen Auseinandersetzungen oder über den Weg zur Entwicklung der umweltpolitischen Kampflinie der MLPD. Heute geht es dabei um den „Paradigmenwechsel“.

Eine der zentralen Thesen von Stefan Engel lautet: Ein Paradigmenwechsel ist nötig, das heißt, ein Wandel der grundsätzlichen Leitlinien der Produktions-, Denk-, Arbeits- und Lebensweise sowie der wissenschaftlichen Tätigkeit. Künstlich verkürzte Lebensdauer von Produkten, Wegwerfproduktion, übermäßiger Medienkonsum, mangelnde Bewegung und Fehlernährung bei Kindern und Jugendlichen, um nur wenige Beispiele zu nennen. Die Leitbilder der gesellschaftlichen Produktions-, Denk-, Arbeits- und Lebensweise werden von der herrschenden Klassen geprägt, deren Existenz und Herrschaft wiederum von diesen abhängt.

• Ständiges Wachstum der Produktion – und damit der Profite.

• Ausrichtung der Medien, der Bildung, der öffentlichen Meinung auf diese Profitwirtschaft und systematische Leugnung der allseitigen Einheit von Natur und Mensch.

• Massenkonsum und Ressourcenverbrauch „ohne Rücksicht auf Verluste“.

Muss man das nicht sofort ändern?

Ja und nein. Vom Standpunkt der Rettung der Einheit von Mensch und Natur ist eine sofortige Änderung unabdingbar. Vom Standpunkt ihrer Voraussetzungen ist sie aber erst in einer Gesellschaft möglich, die nicht nach dem Profitgesetz funktioniert.

Dass der persönliche Paradigmenwechsel die Gesellschaft umkrempeln könnte, hat sich als Illusion erwiesen. In den vier Jahrzehnten, in denen zum Beispiel in Deutschland Bioläden und -bauernhöfe, Mülltrennung und Ökolabels etabliert wurden, wuchs dennoch die agrarindustrielle Landwirtschaft, die hochtoxische Müllverbrennung und der Import von Billigwaren aus menschen- und naturfeindlicher Produktion. Noch schlimmer: Im Rahmen des „Greenwashing“ wird Müllverbrennung zur thermischen Verwertung umdeklariert etc. Unter der Herrschaft des internationalen Finanzkapitals werden die kleinbürgerlichen Bemühungen um umweltgerechte Nischen zum Feigenblatt auf dem Weg in die Katastrophe.

Eine radikale Veränderung der Produktions- und Konsumtionsweise, der Denkweise und im Arbeitsprozess erfordert zunächst eine Umwälzung der Machtverhältnisse. Der sozialistische Staat(enbund) der Diktatur des Proletariats wird die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse in Einheit mit der Natur ins Zentrum stellen. Er kann das auch, weil mit der Aufhebung der Warenproduktion die Unterwerfung von Mensch und Natur unter das Diktat der Profitmaximierung beendet wird.

Forschung und Wissenschaft, Städtebau und Infrastruktur, Medizin und Volkserziehung können unter dem Gesichtspunkt der Wahrung und Entwicklung der Einheit von Mensch und Natur betrieben werden. Das setzt allerdings neben neuen Machtverhältnissen und der Umwälzung der Produktionsweise auch den Klassenkampf um die Veränderung der Denkweise in der sozialistischen Gesellschaft voraus. In der Kritik an bürgerlichen und kleinbürgerlichen Idealen in der Lebensweise, im Konsum etc. wird dann das individuelle Verhalten, Innovationsfähigkeit und Selbstveränderung vom Feigenblatt des Öko-Betrugs zu einem Motor des gesellschaftlichen Paradigmenwechsels.

Stefan Engel entwickelt in „Katastrophenalarm!“ auch die Leitbilder einer sozialistischen Gesellschaft gegenüber den historischen Erfahrungen und unter Berücksichtigung der heutigen Erkenntnisse über die gefährliche Umweltzerstörung weiter. Diese wirklich menschliche und natürliche Gesellschaft ist mit dem heute allein herrschenden Finanzkapital nicht zu machen – sie bedarf einer Revolution, einer Umwälzung der Machtverhältnisse und des Denkens, Fühlens und Handelns der gesamten Arbeiterklasse und der breiten Massen.(dw)

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