Strom kam aus der Wasserkraft

Aus Rote Fahne 27/2014: 1920 – drei Jahre nach der siegreichen Oktoberrevolution – machten sich die russischen Arbeiter und Bauern unter Führung ihrer revolutionären Partei der Bolschewiki daran, eine neue Gesellschaft, den Sozialismus, aufzubauen und dazu auch ganz konkret die Dunkelheit der Zarenherrschaft zu überwinden.

„Kommunismus ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung!“. Diese Losung ihres Führers Lenins ging um die ganze Welt. Eine gigantische Aufgabe, denn vor der Revolution hatte das riesige Land gerade mal zehn Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von rund 500 Millionen Kilowatt. 1935, nach 15 Jahren sozialistischem Aufbau unter schwierigsten Bedingungen, gab es 135 neue Kraftwerke mit insgesamt mehr als sechsundzwanzig Milliarden Kilowatt. Wie wurde dies ermöglicht?

Stefan Engel schreibt in dem Buch „Katastrophenalarm!“: „Besonders bemerkenswert ist, dass die Elektrifizierung des riesigen Landes wesentlich auf Wasserkraft, also auf erneuerbarer Energie beruhte.“ (S. 285) Lenin, weltweit anerkannter Führer des ersten sozialistischen Staates, stellte sich selbst an die Spitze dieses historischen Projekts mit dem Namen GOELRO-Plan. Er setzte auf die intensive Überzeugung und Begeisterung der Massen und stützte sich auch auf die Zusammenarbeit mit zahlreichen Wissenschaftlern, deren oft schon ausgearbeiteten Pläne durch das alte Zaren-Regime in den Papierkorb gewandert waren.

Es war die sozialistische Planwirtschaft – unter der von Antikommunisten aller Couleur verleumdeten Diktatur des Proletariats – die die ökologische und ökonomische Meisterleistung der Elektrifizierung eines sich über zwei Kontinente erstreckenden Landes möglich machte. Eben weil das Chaos der kapitalistischen Profitherrschaft beseitigt war.

Die Elektrifizierung aus Wasserkraft war vielmehr ein großartiges Beispiel für Nachhaltigkeit und Mehrfachnutzung, als diese Begriffe noch nicht in Mode waren. „So brachte sie (die Elektrifizierung aus Wasserkraft, Red.) gleich mehrfachen Nutzen: Sie diente dem Bau von Kraftwerken, der Bewässerung und der Erschließung bisher unfruchtbarer Gebiete für die Landwirtschaft. Sie ermöglichte Schifffahrt und begünstigte strategische Maßnahmen der Landesverteidigung, die sich später im ,Großen Vaterländischen Krieg‘ als äußerst vorteilhaft erwiesen. Nicht zuletzt war sie mit dem Aufbau von Naherholungsgebieten für die Massen verbunden. Das zeigte in der Praxis, wie Ökonomie und Ökologie unter sozialistischen Voraussetzungen und unter strikter Einhaltung sozialistischer Prinzipien eine untrennbare Einheit bilden können.“ (S. 285/286).

Das widerlegt zugleich die antikommunistischen Propagandalügen, die sozialistische Sowjetunion hätte rücksichtslos breit die Umwelt zerstört.

Dass bei diesem Weg in historisches Neuland auch Unkenntnis oder mangelnde Erfahrung zu Fehlern führen konnten – wen kann das wirklich wundern. So lange die Sowjetunion ein sozialistisches Land war, musste sie sich auch mit bürokratisch-zentralistischen Tendenzen aus den eigenen Reihen herumschlagen. Immer wieder ging vor allem von kleinbürgerlichen Bürokraten eine einseitige Fokussierung auf zentralistische Großprojekte aus.

Dieser besonderen Form des Klassenkampfs wurde – teils notgedrungen – auch nicht immer die nötige Aufmerksamkeit geschenkt. Noch am Vorabend des, vor allem gegen die Sowjetunion gerichteten, II. Weltkriegs führte der damalige Regierungschef W. M. Molotow aus: Nötig sei „eine entschiedene Abkehr von der Gigantomanie in der Bautätigkeit, die bei manchen Wirtschaftlern geradezu eine krankhafte Erscheinung geworden war; (…) Hierbei soll auf den Bau kleinerer und mittlerer Kraftwerke der Nachdruck gelegt werden.“ (S. 294). Diese Diskussion musste wegen der notwendigen Vorbereitung gegen den faschistischen Überfall auf die Sowjetunion notgedrungen zurückgestellt werden. Der faschistische Überfall drohte auch die sowjetische Pionierarbeit der Nutzung erneuerbarer Energie zu zerstören. Sie gehört jedoch zu den wichtigen Erfahrungen der internationalen marxistisch-leninistischen Weltbewegung, die bei einem neuen Anlauf für den echten Sozialismus genutzt werden können. (ws)



Seit Kriegsende wurde ein Typus kleiner Wasserkraftwerke entwickelt, …“

Der französische Schriftsteller Georges Soria bereiste mehrfach die Sowjetunion. Er berichtete 1951 über den Fortgang der Elektrifizierung:

„Nicht nur die Industrie profitierte von der Entwicklung der elektrischen Energiequellen. Auf dem Lande wurden Kolchosen und Sowchosen durch kleine und mittlere Elektrizitätswerke mit Strom versorgt. Seit Kriegsende wurde ein Typus kleiner Wasserkraftwerke entwickelt, deren Aufstellung und Inbetriebnahme sehr einfach sind. Sie sind für Kollektivgüter bestimmt, die weit von großen Stromverteilern entfernt liegen. Diese kleinen Kraftwerke werden allgemein Mikrozentralen genannt. Sie bestehen aus einer Turbine und einem Stromerzeuger an ein und derselben Achse. Die Leistung dieser Mikrozentralen beträgt 90, 100, 120 oder sogar 600 kWh. Diese Mikrozentralen würden unterhalb eines kleinen Erddammes aufgestellt oder aber direkt an einem Wasserlauf, der die Turbine in Gang setzt. Sie beliefern nicht nur die Wohnhäuser der Kollektivgüter mit elektrischem Strom, sondern auch die landwirtschaftlichen Betriebe (Reparaturwerkstätten des Kolchos, Pumpstationen, Sägewerke). Der Strom wird auch für Stallarbeiten benutzt (Melken der Kühe, Scheren des Viehs).“

Aus Georges Soria, „Wie lebt man eigentlich in der Sowjetunion?“, Seite 226/227

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