Zum 450. Geburtstag von William Shakespeare: Die Welt steht auf der Bühne

Nach dem Taufregister der eng­lischen Stadt Stratford-upon-Avon wurde der große Dramatiker, Lyriker und Schauspieler William Shakespeare um den 20. April 1564, also vor 450 Jahren, geboren. Sein genaues Geburtsdatum bleibt allerdings unbekannt. Sicher ist dagegen, dass er in einer wohlhabenden Familie aufwuchs. Seine Eltern ermöglichten ihm eine gute Schulbildung.

Neben Latein, Griechisch, Geschichte, Morallehre, Rhetorik, Unterricht in Poetik wurden die Schüler zum Schreiben kleiner Theaterstücke nach antiken Vorbildern angehalten. Wahrscheinlich hat Shakespeare nie eine Universität besucht. Mit 18 Jahren heiratete er eine Bauerntochter. Aus seiner Ehe gingen drei Kinder hervor.

In den Neunzigerjahren wurde er in einer Spottschrift eines anderen Dichters in London als Emporkömmling diffamiert. Allerdings brachte es Shakespeare mit der Inszenierung seiner ersten Stücke, die von seinen Theatertruppen aufgeführt wurden, schnell zu Ansehen und Ruhm. Nicht durch die Veröffentlichung seiner Dramen, sondern mit den Aktien für seine Theater kam er zu Wohlstand. Zu seinen beiden Theatern gehörte auch das Londoner „Globe Theatre“, von dem heute in der Stadt eine Nachbildung zu sehen ist. Mit 46 Jahren kehrte er als reicher Mann nach Stratford-upon-Avon zurück, blieb aber mit seinen Kollegen in Verbindung.

Im Alter von 52 Jahren starb er in seiner Geburtsstadt. Er hinterließ 38 Komödien und Tragödien. Eine ganze Reihe von ihnen gehört heute zu den meistgespielten Stücken weltweit.

Es war eine Zeit stürmischer Entwicklungen in England, in der Shakespeare wirkte: Einerseits herrschte die englische Königin Elisabeth I. nahezu uneingeschränkt und England befand sich auf dem Weg zu einer Weltmacht. Ihre Widersacher ließ sie rücksichtslos beseitigen. Andererseits erstarkte das Bürgertum, das von einer weitgehenden Umstellung der Landwirtschaft von der Getreide- zur Wollproduktion profitierte. Die Bauern, die dabei ihr Land verloren, verarmten in den Städten oder wurden als Lohnarbeiter in Manufakturen ausgebeutet, den Vorläufern moderner Fabriken. Maßgeblich wurde Shakespeare von der vorherrschenden Ideologie des Bürgertums geprägt, dem Humanismus.

Zu dieser Weltanschauung gehört die Wiederentdeckung des Individuums. Und so gehorchen die Personen in Shake­speares Stücken nicht dem Willen eines höheren Wesens oder einem göttlichen Plan. Persönliche Eigenschaften wie Hass, Intrige, Mord, Korruption oder Eifersucht werden bei Shakespeare zu wesentlichen Triebfedern, die den Herrschern ihrem Machterhalt oder der Erringung ihrer Macht dienen. Auch ist es keine höhere Fügung, dass Romeo und Julia sich lieben. Allerdings zerbrechen sie an der Fehde ihrer Familien. Machtgier lässt Macbeth, nachdem er an die Macht gekommen ist, vom gütigen Herrscher zum Tyrannen werden. Ein „Held“ wie John Fallstaff ist ein skrupelloser, eitler Raufbold, und Hamlet, Prinz von Dänemark, ein depressiver Herrscher, der an seiner Unentschlossenheit scheitert. Cäsar wird als Epileptiker, der auf einem Ohr taub ist, und König Lear als dummer, alter Despot dargestellt.

Mit solchen Charakterisierungen schildert Shakespeare die Welt des Adels und des Bürgers, wie sie war. Und diese Welt war längst aus den Fugen geraten. Die Handlung seiner Stücke entnimmt er auch aus Angst vor der allmächtigen Zensur aus der Vergangenheit oder aus Legenden und Sagen. So verlegt er seine Komödie „Was ihr wollt“ in das fantastische Land Illyrien, um dann im turbulenten Drunter und Drüber eines Maskenfests Zweifel an der bestehenden Gesellschaftsordnung zu verstecken.

Eine zwiespältige Rolle spielt das Volk in Shakespeares Dramen: So sind die sechs Handwerker im „Sommernachts­traum“ einerseits grob. Andererseits gelingt ihnen mit ihrer Huldigung an den Herrscher eher unfreiwillig eine Parodie auf geistlose Theaterstücke zu Shakespeares Lebzeiten. Und im „Richard II.“ kündigt ein alter Gärtner der heimlich lauschenden Königin eine geplante Verschwörung mit den Worten an: „Überflüssige Äste hau’n wir weg, damit der Fruchtzweig lebe …“

Shakespeare hat politisches Volkstheater geschrieben: Zumindest im „Globe Theatre“ konnten sich auch ärmere Menschen Aufführungen seiner Dramen leisten.

Seine Stücke sind nach wie vor sehenswert.

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