Fracking-Propaganda wegen Ukraine Krise

Aus der Roten Fahne 13/2014 vom 27.3.14: Energisch rief der ukrainische Interimsregierungschef Arseni Jazenjuk am Rande des EU-Gipfels letzte Woche in Brüssel nach Erdgas-Hilfe aus Europa. Wegen der Krim-Krise und der sich zuspitzenden Widersprüche zwischen Russland auf der einen Seite und der EU mit den USA auf der anderen Seite fürchtet die Ukraine, Russland könne erneut wie bereits 2009 die Gaslieferungen einstellen.

16 Prozent der Pipeline-Gasexporte Russlands gehen in die Ukraine. Mit 16,1 Prozent ist jedoch Deutschland der größte Abnehmer in Europa, das sind 40 Prozent der deutschen Gasimporte.


Konzerne und interessierte bürgerliche Politik schüren bewusst Angst, Russland könne den Gashahn zudrehen. Damit wollen sie das Thema Fracking wieder ins Spiel bringen. Mit sogenanntem unkonventionellen Gas könnten angeblich die Erdgaskapazitäten erhöht und die Energiepreise gesenkt werden. Da geht es zum einen um den Import von Flüssiggas aus der Frackinggasförderung der USA, was auch Bestandteil der Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU ist. Und es geht um Fracking in Europa. Vehement fordert die Chemieindustrie in Deutschland unter dem Stichwort „Energiewende“ die „Nutzung der heimischen Reserven“, um die „energieintensive Industrie“ zu entlasten. („Handelsblatt“, 12. 3. 14) Eine vom VCI (Verband der Chemischen Industrie) in Auftrag gegebene Studie behauptet, Deutschland könne Mitte der 2030er Jahre angeblich mehr als ein Drittel seines derzeitigen Gasbedarfs aus eigener Förderung decken, und das auch noch kostengünstig. Das wäre ungefähr die Menge, die derzeit aus Norwegen importiert wird. Gierig ruhen ihre Augen auf den Schiefergas-Lagerstätten in Niedersachsen – wo bereits heute gefrackt wird –, Nordrhein-Westfalen und im Rheingraben. Dabei lockt das Gutachten mit Kaffeesatzprognosen, wenn auf Fracking-Gas gesetzt würde: „Schon im Jahr 2030 könne das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,3 Prozent über dem Wert liegen, der unter Beibehaltung der jetzigen Politik erreicht würde“, schreibt das „Handelsblatt“.
Welches Zerstörungspotenzial die globalen Fracking-Pläne mit sich bringen, deckt das neue Buch „Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?“ auf. „Beim Fracking werden Gesteinsschichten zertrümmert, um Öl oder Gas zugänglich zu machen, das in feinsten Klüften des Gesteins eingeschlossen ist.
Hauptsächliches Ziel ist die Gewinnung des in Kohle- und Schieferformationen in bis zu 6.000 Metern Tiefe gebundenen Methans. Um dieses Gas freizusetzen, werden über der Lagerstätte ganze Felder senkrechter Tiefbohrungen angelegt. Anschließend wird computergesteuert ein Netz horizontaler Bohrungen in die gasführenden Schichten eingebracht. Ein mit Drücken bis zu 700 bar dort eingepresstes Gemisch aus Wasser und Sand sprengt dann das Gestein auf. Das Frackwasser enthält giftige Chemikalien, die Mikroorganismen abtöten, damit diese nicht die aufgesprengten Klüfte wieder schließen. Trotzdem lassen sich beim Fracking nicht mehr als 25 Prozent des in einer Lagerstätte gebundenen Gases auffangen.
Verglichen mit dem stofflichen Gehalt eines Kohleflözes liegt der Ertrag beim Fracking bei gerade fünf Prozent. Trotzdem scheinen beim Fracking Milliarden Dollar Gewinne zu winken, sonst würden dafür nicht die Ökosysteme in der tiefen Lithosphäre unwiderruflich zerstört.
Fracking bedeutet eine Zerstörung der teilweise nur zehn Kilometer dicken Erdkruste in Tiefen bis zu sechs Kilometern, wie sie die Geschichte der Menschheit bisher nicht kannte. Zusammenhängende Gesteinsschichten werden großflächig ihrer Stabilität beraubt. Deshalb treten in Fracking-Gebieten gehäuft Erdbeben auf. (…)
Die US-amerikanischen Forscher bezeichnen Schiefergas und Kohleflözgas daher als ,schmutzige‘ Gase, denn ihre Verbrennung schädigt das Klima mehr als die Verbrennung konventionellen Erdgases. Fracking wird damit zu einem zusätzlichen Faktor der beschleunigten Erderwärmung und der drohenden Klimakatastrophe.“ (S. 204/205 und 210)
Die Forderung nach einem strikten Frackingverbot zusammen mit der Umstellung auf 100 Prozent Energie aus erneuerbaren Quellen steht weiterhin auf der Tagesordnung und wird Bestandteil des Europawahlkampfs der MLPD sein.     (da)

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