Tickende Zeitbombe: Alte rostige CO-Pipeline von Bayer

Durch ein 49 Jahre altes rostiges Stahlrohr jagt Bayer täglich das hochgiftige Gas Kohlenmonoxid (CO) von Dormagen nach Leverkusen, 10 km weit, mit bis zu 18 Bar Überdruck, 3.500 m³ in der Stunde. Eine Akteneinsicht der CO-Pipeline-Gegner Philip Mimkes und Gottfried Schweitzer bei der Bezirksregierung Köln Anfang Februar enthüllt: Jeden Tag kann es ein Leck geben – dann ist das Leben von Tausenden von Anwohnern gefährdet!

Das Rohr baute Bayer vor 49 Jahren zum Transport ungiftiger Gase. Es hat keinerlei besondere Schutzvorrichtungen wie etwa die 2007 von Dormagen nach Uerdingen gebaute CO-Pipeline (zwei Kunstoffmatten über dem Rohr, eine Membranleitung über dem Rohr, die entweichendes Gas orten soll, Erbeben- und Kampfmittelschutz, nur 13 bar Druck usw.). Und selbst dieser neue Schutz ist so fragwürdig, der Protest dagegen so stark, dass diese Pipeline bis heute nicht in Betrieb gehen konnte.

Die Akteneinsicht ergab: Von 1967, von Beginn an funktionierte der Korrosionsschutz bei der alten Pipeline nach Leverkusen laut TÜV nicht richtig. Eine Prüfung 2001 stellt schon Rost an mindestens 202 Stellen fest! An zwei Orten war das ursprünglich 5,6 mm dicke Stahlrohr schon auf 3,66 mm und 3,87 mm durchgerostet.

Der TÜV bescheinigt aber: „Unkritisch“, denn 3 mm Restwandstärke seien ausreichend! Aber in einem späteren Gutachten schätzt derselbe TÜV, dass der Rost pro Jahr die Wandstärke um bis zu 0,5 mm verringern kann! Im Oktober 2011 gab es eine neue Prüfung des Rohrs. Der TÜV verzeichnete dazu am 26. Februar 2013 in den Akten: „Gravierende externe Materialverluste“; und er gab wegen des Rosts dem Rohr bei der Durchquerung des Rheins nur noch eine „Restlebensdauer von zwei Jahren“.

Die MLPD führte Ende Januar eine Informationsveranstaltung durch, noch vor der Akteneinsicht. Am gleichen Tag startete Bayer eine große Medienkampagne. Bayers NRW-Standortleiter Klaus Jäger erklärte: Alles sei ganz sicher und entspreche dem neuesten Stand der Technik! Die Akten widerlegen das als Lüge: Selbst der TÜV hatte schon am 26. Februar 2013 an Bayer gemeldet, dass die Leitung „nicht dem neuesten Stand der Technik entspricht“.

Bis Januar 2012 wurde in allen Schriftstücken Bayer als Betreiber der Rohrleitung genannt. Ab Februar 2013 hat Bayer den Namen eines neuen Betreibers hier und in allen folgenden Unterlagen geschwärzt! Was für einen anderen Grund kann es dafür geben als den, dass Bayer jetzt täglich mit einem Leck rechnet – und deshalb vorbeugend die Verantwortung für Tote, Haftungsansprüche usw. an eine GmbH weitergegeben hat?

Der TÜV ist ein Privatunternehmen. Die Akten belegen, dass der TÜV hier aber nicht wie bei Kfz-Untersuchungen selber prüft, sondern nur andere Berichte bewertet, meistens von Bayer! Als sich ab Anfang Dezember 2013 öffentlich Kritik an der Pipeline entwickelte, erstellte der TÜV gegen Bezahlung am 19. Dezember 2013 noch mal ein Gutachten: Die Korrosionsrate wird jetzt von 0,5 mm pro Jahr auf 0,25 mm heruntergesetzt und die Mindestwandstärke von 3,6 mm auf 2,5 mm. Und so ergibt sich plötzlich eine „Restlebensdauer von vier Jahren“ des Rohrs bei der Rheindurchquerung …

Die Bezirksregierung Köln ist die zuständige Aufsichtsbehörde. Nirgendwo in der Akte war ein Hinweis darauf zu finden, dass sie auch nur eine kritische Nachfrage stellte; sie nahm alle diese Infos von Pfusch und Korrosion von Anfang an entgegen und heftete und segnete sie ab.

Und die Justiz? Gottfried Schweitzer stellte eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen Bayer und gegen die Bezirksregierung – wegen bewusster Gefährdung des Lebens von Tausenden von Menschen. Aber letztlich auch der Generalstaatsanwalt erklärte: Die CO-Pipeline sei genehmigt und somit sei alles in Ordnung.

Bayer lässt sich vom TÜV Gefälligkeitsgutachten machen; lässt Bezirksregierung und Justiz nach seiner Pfeife tanzen und jagt weiter täglich CO durch die rostende Pipeline – Maximalprofit bringend.

Am 21. Februar 2014 traf sich in Leverkusen die Initiative „Sofortiger Stopp der hochgiftigen CO-Pipeline“ und beschloss umfangreiche Maßnahmen.

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