Philippinen: Ehemaliger Polizeichef koordiniert Wiederaufbau nach Supertaifun „Haiyan“

Panfilo Lacson, 1948 in der Provinz Cavite nahe der philippinischen Metropole Manila geboren, heißt der Mann, auf den seit dem 10. Dezember landesweit alle Augen gerichtet sind. Seit knapp einer Woche hat Lacson, den seine Freunde kurz „Ping“ nennen, einen neuen – diesmal höchstverantwortlichen – Job. Am Nikolaustag hatte der philippinische Präsident Benigno S. Aquino III den 65-Jährigen qua Präsidialorder zu seinem Hauptberater für die Rehabilitierung und den Wiederaufbau der durch den Supertaifun „Haiyan“ zerstörten Regionen gemacht.

Für die konservativen Kräfte in Gesellschaft und Politik ist „Ping“ ein ebenso verlässlicher wie knallharter Law-and-Order-Mann, der die Dinge schon effizient richten wird. Für die fortschrittlichen und linken Kräfte im Lande ist Lacson nachgerade ihr verkörpertes Antiideal.

Bereits während der Marcos-Diktatur (1972–86) diente der an der Philippinischen Militärakademie in Baguio City ausgebildete Lacson im seinerzeit gefürchteten Metropolitan Command als Offizier mit dem Schwerpunkt nachrichtendienstliche Aufklärung und Sicherheit. Zig Studenten, die damals auf die Barrikaden gingen, wurden auf Anweisung eben dieses Offiziers festgenommen und weggesperrt. Weitere Stationen der Lacson-Karriere: Von 1999 bis 2001 war er Generaldirektor der Philippinischen Nationalpolizei, und seitdem saß er bis Ende Juni dieses Jahres im Senat.

Die philippinischen Medien bezeichnen Lacson aufgrund seines neuen Aufgabenbereichs kurz als „Rehab Czar“, als „Zaren des Wiederaufbaus“, nachdem der weltweit stärkste jemals gemessene Taifun (lokal „Yolanda“ genannt) am 8. November über die zentrale philippinische Inselgruppe der Visayas hinwegfegte.

Verwüstungen gigantischen Ausmaßes waren die Folge. Wenngleich es bis dato offiziell 6.000 Tote und 1.800 Vermisste geben soll, dürfte die Zahl der tatsächlich umgekommenen Menschen weitaus höher sein. Täglich werden neue Opfer aus den Trümmern eingestürzter Häuser geborgen und zeitweilig in Leichensäcken am Straßenrand aufbewahrt. Niemand weiß, wie viele Menschen einfach ins Meer geschwemmt oder als Fischerleute auf hoher See getötet wurden. Der Nationale Katastrophenrat und das Landwirtschaftsministerium bezifferten die vorläufige Schadenssumme zu Beginn dieses Monats auf mindestens 10,59 Milliarden Peso (zirka 176 Millionen Euro).

Der „Zar des Wiederaufbaus“ Lacson genießt weitreichende Vollmachten. Als Hauptmanager und -koordinator der Katastrophenhilfe kann er, gestützt auf die jederzeit abrufbare Hilfe der von ihm eingesetzten Experten und sämtlicher Regierungsbehörden, darüber verfügen, welche Mittel in welcher Höhe für welche Zwecke prioritär verwandt werden. Das ist ein idealer Nährboden für Nepotismus und Klientelismus und verleitet dazu, zumal in der philippinischen Politik, zuvörderst die eigenen Seilschaften zu bedienen.

Unmittelbar nach seiner Ernennung feuerte die im Untergrund agierende Kommunistische Partei der Philippinen (CPP), deren Neue Volksarmee (NPA) seit Anfang 1969 einen erbitterten Guerilla-Kampf gegen die Regierungstruppen führt, Breitseiten gegen „Aquinos wachsenden Militarismus“. In einer Stellungnahme der CPP vom 5. Dezember heißt es: „Durch die Ernennung Lacsons und die ihm erteilte Vollmacht über die Verwendung von Sonderfonds in Höhe von mehr als 40 Milliarden Peso (913 Millionen US-Dollar) verfolgt das herrschende Aquino-Regime das Ziel, die Anstrengungen des Wiederaufbaus den Interessen der mächtigen – insbesondere chinesischstämmigen – Kompradorenbourgeoisie unterzuordnen, zu der Lacson seit langem enge Beziehungen unterhält.“ Und weiter: „Die Ernennung Lacsons offenbart zugleich Aquinos militaristische Gesinnung, in den jüngst vom Supertaifun verwüsteten Gebieten den Widerstand der dortigen Bevölkerung zu unterdrücken. Dies geschieht im Rahmen von ,Oplan Bayanihan‘ (des seit drei Jahren gültigen „Operationsplans Nachbarschaftshilfe“ im Rahmen der gegen die radikale Linke entfesselten „Aufstandsbekämpfung“ – R. W.) und in der gleichen Weise wie vor genau einem Jahr, als während des damaligen Supertaifuns ,Pablo‘ (internationaler Name: „Bopha“ – R. W.) die Menschen aus Wut gegen das Aquino-Regime protestierten, weil dieses auf kriminelle Weise den Betroffenen angemessene Hilfen verweigerte.“

Auch diesmal waren Soldaten zuerst vor Ort, um gegen „Plünderer“ vorzugehen, anstatt den von „Haiyan“ geschädigten Menschen schnellstmöglich zu helfen. In den vergangenen Jahren war es wenigstens Usus, während der Weihnachtszeit einen befristeten Waffenstillstand zu wahren. Stattdessen nutzten die in den Notstandsgebieten stationierten Streitkräfte der 8. und 3. Infanteriedivision die angespannte Lage verstärkt zu Offensiven gegen die NPA. Die nämlich unterhält vor allem auf der Insel Samar seit langem konsolidierte Basen, wo Rekruten ausgebildet und höhere CPP-Kader geschult werden.

Von Rainer Werning, Pubilizist und Philippinen-Kenner

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