Weltweit: Frauen erheben sich gegen Gewalt an Frauen

Der 25. November ist der Tag gegen Gewalt an Frauen. In Deutschland und vielen anderen Ländern der Welt werden an diesem Tag vielfältige Protestaktionen stattfinden, wird unter anderem „Flagge gezeigt“ gegen Gewalt an Frauen.

Die Bewegung der „Weltfrauen“, die die Weltfrauenkonferenzen der Basisfrauen organisiert, hat diesen Tag zu einem ihrer drei gemeinsamen Kampftage gemacht. Frauen (und Männer) der MLPD beteiligen sich aktiv an den Aktivitäten.

Gewalt an Frauen hat viele Gesichter und der Widerstand dagegen hat im letzten Jahr einen Aufschwung genommen:

• Die Folgen des verheerenden Taifuns auf den Philippinen entzieht Millionen von Frauen gewaltsam die Lebensgrundlage. Die philippinische Frauenorganisation GABRIELA verurteilt, wie im Kampf ums Überleben nach dem Taifun Vergewaltigungen zunehmen. Vor allem attackiert GABRIELA aber das vollständige Versagen der Regierung, das die Katastrophe für die Betroffenen noch viel schlimmer macht und fordert wirksame Katastrophenhilfe.

• In Bangladesch streiken derzeit die Textilarbeiterinnen und -arbeiter für höheren Mindestlohn und Gewerkschaftsrechte. Sie kämpfen dabei auch gegen die kapitalistische „Moral“, die es den Fabrikbesitzern erlaubt, Schlägerbanden anzustellen, die kämpferische Frauen verprügeln, vergewaltigen und umbringen. Die Arbeiterklasse, die vor allem jung und weiblich ist, fordert höheren Mindestlohn, Achtung ihrer Menschenwürde und die Perspektive eines menschenwürdigen Lebens. Deshalb stehen Führerinnen, die für eine revolutionäre, sozialistische Perspektive stehen wie die Weltfrauen-Koordinatorin Joly Talukder, besonders im Visier islamistisch-faschistischen Terrors.

• In Indien reißen die Massenproteste gegen Vergewaltigungen nicht mehr ab. Die Mehrzahl der vergewaltigten Frauen sind arm, aus abgelegenen Gegenden und von der diskriminierten Volksgruppe der Dalits, davon 85 Prozent Minderjährige. 2012 gab es eine einzige Verurteilung wegen Vergewaltigung! Unter dem Druck der Massen und mit dem wachsenden Frauenbewusstsein ändert sich das. Indien ist ein aufstrebendes imperialistisches Land und braucht dafür das Potenzial der Frauen. Eine wachsende Zahl junger Frauen arbeitet hochqualifiziert in Industrieproduktion und Computertechnik. Das ist Grundlage für neues Selbstbewusstsein und Veränderungen im Verhältnis zwischen Männern und Frauen. Sie rebellieren gegen ihre Unterdrückung durch die Familienordnung des Kapitalismus, die in Indien noch besonders reaktionäre feudal-patriarchale Elemente hat. Die Frauenbewegung Indiens ist die derzeit größte der Welt.

• Im Krieg in Syrien zwischen der gleichermaßen reaktionären Armee von Assad und der sogenannten Freien Syrischen Armee sind Frauen und Kinder die Hauptleidtragenden. In den kurdischen Autonomiegebieten von Rojava (Westkurdistan) haben sich die Frauen eine verantwortliche Rolle erobert. Wer eine Frau angreift, darf keine verantwortliche Aufgabe übernehmen.

• In Nairobi, Kenia demonstrierten Ende Oktober hunderte empörte Menschen. Nach der brutalen Gruppenvergewaltigung eines 16-jährigen Mädchens waren die sechs Schuldigen zum Rasenmähen um das Polizeicamp verurteilt und kurz danach freigelassen worden. In Abeokuta in Nigeria protestierten im August Hunderte von Frauen und Kindern mit Forderungen wie „Gebt uns Bildung, nicht Heirat“, „Gebt den Mädchen einen Stift, nicht einen Penis“.

• Mit der zunehmenden kapitalistischen Barbarei entstehen auch besonders barbarische Erscheinungen der Unterdrückung der Frau. So wird auf einer der größten chinesischen Handels-Websites eine „voll funktionsfähige“ Sexpuppe angeboten, in Größe und Aussehen eines neun- bis zehnjährigen Mädchens. Der Protest dagegen entfaltet sich!

• Gegen Frauen- und Mädchenhandel entwickelt sich weltweit Widerstand der kämpferischen Frauenbewegung und anderer Kräfte. Gegen die insbesondere in Deutschland auf der Grundlage des rot-grünen Prostitutionsgesetzes von 2002 rasant zunehmende industriell betriebene Zwangsprostitution fordern Aufrufe von Solwodi sowie der Zeitung „Emma“ das Verbot der Prostitution.

• Die seit 2008 anhaltende Weltwirtschafts- und Finanzkrise bringt eine wachsende Masse von Menschen in tiefe Existenzprobleme. Auch familiäre Gewalt gegen Frauen und Kinder nimmt zu. Psychische Erkrankungen von Frauen steigen an, die sich in den Familien vor der Verantwortung für die Lösung unlösbarer Widersprüche sehen. Auch in Deutschland nehmen das die Frauen nicht kampflos hin. Sie halten es verstärkt für notwendig, sich für ihre Interessen zu organisieren. Dazu gehören der Kampf gegen Niedriglöhne und die Ausweitung von Teilzeitjobs mit der Folge von Altersarmut vor allem von Frauen. Ausgehend von der Veröffentlichung der sexistischen Anmache des Herrn Brüderle entwickelte sich eine Massendiskussion gegen Sexismus.

• Eine Speerspitze der antikommunistischen Unterdrückung in Deutschland ist der Versuch, dem überparteilichen Frauenverband Courage e.V. die Gemeinnützigkeit und damit eine wichtige Finanzgrundlage zu entziehen. Courage wird angegriffen, weil der Verband sich erlaubt, über den Tellerrand des Kapitalismus hinaus zu denken. Genossinnen der MLPD arbeiten aktiv in Courage und der Verband auf Augehöhe mit der MLPD zusammen. Deshalb wird Courage vom Inlandsgeheimdienst „Verfassungsschutz“ bespitzelt, was schon für den Entzug der Gemeinnützigkeit reicht. Courage protestiert offensiv und erhält Unterstützung aus der ganzen Bandbreite der Frauenbewegung. Am 15. November lehnte das Finanzamt Wuppertal den Widerspruch des Verbands ab. Das bedeutet eine enorme Verschärfung der antikommunistischen Unterdrückung und muss von jedem Demokraten zurückgewiesen werden!

Die Wurzel der Gewalt an Frauen liegt in der bürgerlichen Staats- und Familienordnung, die untrennbar zum Kapitalismus gehört. Der Kapitalismus kann seine Ausbeuterordnung nur aufrecht erhalten, wenn gleichzeitig die bürgerliche Familienordnung ständig ausreichende, „funktionierende“ Arbeitskräfte dafür „liefert“. „Die Masse der Frauen ist in allen bisherigen Klassengesellschaften mehrfach unterdrückt. Zum einen als Teil der ausgebeuteten und unterdrückten Schichten. Zum anderen sorgt ein ganzes System der besonderen Unterdrückung der Frau für die systemerhaltende Wahrnehmung ihrer Funktionen in der Produktion und Reproduktion des menschlichen Lebens.“ („Neue Perspektiven für die Befreiung der Frau“, S. 64) Dieses System der besonderen Unterdrückung trifft auch bürgerliche Frauen. Dagegen ist ein breites Bündnis von Frauen aller Klassen und Schichten möglich und notwendig. Die Losung der Fahnen von „Terre des Femmes“: „Frei leben – ohne Gewalt“ drückt einen tief empfundenen Wunsch der Frauen aus. Verwirklicht werden kann er im Kapitalismus mit seiner strukturellen Gewalt gegen Frauen nicht. Die besondere Unterdrückung der Frau kann nur mit dem Sturz des Kapitalismus und im Prozess des Aufbaus der vereinigten sozialistischen Staaten der Welt grundlegend beseitigt werden.

Für die Befreiung der Frau ist der Kampf gegen die besondere Unterdrückung in ihren offen brutalen wie auch in den weniger offenen bis zu ihren subtilen Formen ein bedeutender Bestandteil. Er muss von Frauen und Männern gemeinsam geführt werden.

Das wird attackiert vom System der kleinbürgerlichen Denkweise, das gegen Frauen ein besonderes Arsenal hat. So die Lebenslüge von der angeblichen „Gleichberechtigung der Frau“ im Kapitalismus. Der Versuch, diese Lebenslüge zu retten, treibt absurde Blüten bis in die Koalitionsverhandlungen. So jubelt „Die Zeit“: „Die Wählerinnen werden ernst genommen“, weil ab 2016 gesetzlich geregelt ein Drittel der Posten in Aufsichtsräten an Frauen gehen soll. (18.11.13) Ein Aufstieg in die Führungsetage börsennotierter Unternehmen – das soll der Wille der Wählerinnen sein? Die Probleme der Masse der Frauen sind andere. So wäre ein Rechtsanspruch auf zehn Tage bezahlte „Familienpflegezeit“ ein Zugeständnis, aber auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein der 365 Tage Belastung durch die Verantwortung für häusliche Pflege von Angehörigen.

Eine besonders perfide Waffe des Systems der kleinbürgerlichen Denkweise ist eine tiefe Prägung von Frauen, sie wären immer „selbst schuld“.

Wenn Kinder Probleme haben, ist die Mutter schuld, die sich nicht ausreichend gekümmert hat. Wenn sie sich nicht nur um ihre Kinder kümmert, sondern organisiert in einer Frauenorganisation oder gar der MLPD um die Zukunft aller Kinder, ist sie „Rabenmutter“.

Wer vergewaltigt wurde, hat sich zu aufreizend angezogen. Wer keinen Partner findet, nicht aufreizend genug.

Männer und Frauen müssen mit den oft subtilen Wirkungen im eigenen Denken, Fühlen und Handeln fertig werden. Der gemeinsame Kampf für die Zukunft ist unvereinbar mit Chauvitum, kleinbürgerlich-feministischer und kleinbürgerlich-sexistischer Denkweise.

Wer im Betrieb zu Widerstand gegen Arbeitshetze, Entlassungen oder Werkschließungen aufruft, muss als Frau zusätzlich den Mut haben, mit oft ätzenden sexistischen Kommentaren fertig zu werden. Ist die Frau oder das Mädchen auch noch Revolutionärin, kann es ihr passieren, dass sie als „Kommunistenschlampe“ bezeichnet wird. Und macht sie das betroffen, gilt sie schnell als eine „mädchenhafte Mimose“. Deshalb brauchen unsere Kämpferinnen ein hohes Bewusstsein, vorbehaltlose Unterstützung und die Klarheit ihrer Kollegen: Solche Attacken schwächen und richten sich gegen den gemeinsamen Kampf. „Null Toleranz gegen Mobbing!“ ganz besonders in seinen sexistischen und antikommunistischen Spielarten ist wichtiger Teil des Kampfs gegen Gewalt an Frauen. Das gehört auch zum 25. November.

Entscheidend ist, der Gewalt an Frauen organisiert und gemeinsam an die Wurzel im System zu gehen und das Frauenbewusstsein für den revolutionären Kampf für die Befreiung der Frau zu stärken. Am besten als Mitglied der MLPD, im Jugendverband REBELL oder in der kämpferischen Frauenbewegung und dem Weltfrauenprozess.

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