NSU-Skandal: Warum verbrannte Florian Heiliger?

Am 16. September 2013 parkt Florian Heiliger aus Eppingen im Landkreis Heilbronn das Auto seines Vaters in Stuttgart beim Campingplatz am Cannstatter Wasen. Florian Heiliger hat an diesem Tag einen Termin beim Landeskriminalamt: Er will zu möglichen Hintermännern des Mords an der Polizistin Michèle Kiesewetter im Jahr 2007 auf der Heilbronner Theresienwiese aussagen.

Aber dazu kommt es nicht mehr: Als Florian Heiliger sich wieder in das Auto setzt und sich wohl auch anschnallt, geschieht eine Verpuffung und das Auto steht in Flammen. Der junge Mann verbrennt bei lebendigem Leib. Schnell geht dann die Polizei von einer Selbsttötung aus, bei der jede Fremdeinwirkung auszuschließen sei. Allerdings bleiben die Fotos des toten Florian Heiliger bis heute unter Verschluss. Und so titelt die Wochenendzeitung „Kontext“ in Anspielung auf die Vernichtung von 200 Akten zu Neofaschisten kurz nach dem Auffliegen des NSU mehrdeutig: „Erst verbrennen Akten, dann Zeugen.“ („Kontext“ vom 25. September 2013)

Tatsächlich sind massive Zweifel an der „Selbstmordtheorie“ im Fall von Florian Heiliger angebracht: Der 21-Jährige war offensichtlich wohl vor einiger Zeit aus dem braunen Sumpf ausgestiegen. Schon 2011 hatte er ausgesagt, er wisse, wer Michèle Kiesewetter getötet hat. Allerdings wurden seine Aussagen rasch als „zu vage“ eingestuft. Und seine Information aus dem Jahr 2007 über ein Treffen des NSU mit einer weiteren neonazistischen Terrorgruppe mit dem bezeichnenden Namen „Neue Schutzstaffel“ im „Haus der Jugend“ in Öhringen wird als nicht belegbar bezeichnet. Und das, obwohl Beate Zschäpe im Oktober 2011 eine SMS auf einem in Stuttgart zugelassenen Handy erhalten hat, in der ein faschistischer Mitläufer dieses Treffen erwähnt. („Kontext“ vom 28. August 2013)

Offensichtlich muss die „Theorie“ von den beiden Einzeltätern Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt als Mörder der Streifenpolizistin Michèle Kiesewetter unter allen Umständen aufrechterhalten werden. Tatsächlich waren die beiden Terroristen aber nie auf der Heilbronner Theresienwiese gewesen. Nachforschungen von „Kontext“ vom 25. September 2013 belegen stattdessen: „Offenbar wimmelte es am Mordtag nur so von V-Leuten in Heilbronn. Insgesamt haben sich mindestens fünf Informanten von Polizei und Verfassungsschutz sowie mindestens ein LfV-Führer um den bis heute ungeklärten Mordfall herum bewegt.“ (LfV-Führer = Führer von V-Leuten des Landesamts für Verfassungsschutz; Anm. d. Red.)

Und: Gegen die „Einzeltäter-Theorie“ sprechen zwölf Phantombilder des Polizisten, der den Mordanschlag auf seine Kollegin schwer verletzt überlebt hat. Durch sie konnten mindestens zwei V-Leute identifiziert werden, die zur Tatzeit am Tatort waren. Und Phantombild Nr. 8 zeigt verblüffende Ähnlichkeiten mit dem polizeibekannten führenden Neofaschisten Alexander Neidlein aus Crailsheim. Der war in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Söldner der faschistischen kroatischen HOS-Miliz in Bosnien. Danach ging er nach Südafrika und nahm Kontakt mit der dortigen Sektion des rassistisch-faschistischen Ku-Klux-Klan auf, mit dem er bis heute verbunden ist. Wegen zweifachem Mordversuch an südafrikanischen Polizeibeamten landete er schließlich in Auslieferungshaft. Von 1998 bis 2000 war er dann „Stützpunktleiter“ der „Jungen Nationaldemokraten“ (JN) im NPD-Bezirk Schwäbisch Hall/Ostalb, 2003 wurde er zum baden-württembergischen Landesvorsitzenden, 2004 zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der JN gewählt. Neidlein gilt als Informant des „Verfassungsschutzes“.

Wahrscheinlich wollte Florian Heiliger am 16. September 2013 Einzelheiten eines Netzes von Unterstützern und Terroristen des NSU nennen. Und wahrscheinlich wären dabei auch weitere Querverbindungen zum „Verfassungsschutz“ deutlich geworden, der vom Mitglied der „Kritischen Polizisten“, Wüppensahl, als „versiffte Mischpoke“ bezeichnet wird. („Südwestpresse“ vom 28. 10. 2013) Ein solcher Verfassungsschutz gehört aufgelöst! Die NSU-Morde müssen lückenlos aufgeklärt werden!

Artikelaktionen

MLPD vor Ort
MLPD vor Ort Landesverband Nord Landesverband Nordrhein-Westfalen Landesverband Ost Landesverband Rheinland-Pfalz Hessen Saarland Landesverband Baden-Württemberg Landesverband Bayern
In Deutschland ist die MLPD in über 450 Städten vertreten.
Hier geht es zu den Kontaktadressen an den Orten.
Mehr...