Stoppt die Bürgerkriegsübungen gegen Fußballfans!

Letzten Sonntag, 1. September, geriet das Schalker Heimspiel gegen Bayer Leverkusen zu einer Protestkundgebung gegen den zunehmenden Polizeiterror gegen Fußballfans, besonders den beim Heimspiel zur Championsleague-Qualifikation gegen den griechischen Club PAOK Saloniki. Hier hatte die Polizei am 21. August in einem brutalen Knüppel- und Gasangriff die Schalker Nordkurve gestürmt – angeblich, um eine mazedonische Flagge zu entfernen, die zur Provokation der griechischen Gästefans aufgehängt worden sei und angeblich kurz davor war, eine Gewalteskalation unter den Gästen auszulösen.
Bei dem Einsatz verletzten die Polizei-Schläger 80 Menschen, darunter auch Ordner und Sanitäter. Eine Frau musste aufgrund des massiven Gas-Angriffs die Nacht auf der Intensivstation verbringen. Bewaffnete Hundertschaften stürmten gleichzeitig von den Mundlöchern oben und vom Graben unten die Blöcke N4 und N5, kesselten sie auf engstem Raum ein und versperrten alle Fluchtwege. Dabei wurde reichlich von Faust- und Knüppelschlägen Gebrauch gemacht und massenweise Pfefferspray in die Menge geschossen. Die Gefahr einer Massenpanik und damit von Hunderten Schwerverletzten oder gar Toten wurde bewusst in Kauf genommen. Um die Übergriffe zu rechtfertigen, verkaufte die Polizei der Öffentlichkeit das Aufhängen des mazedonischen Banners gar als „Volksverhetzung“. Die Tatsachen entlarven ihre Argumente als Lügen: Das Banner geht auf eine internationale Fanfreundschaft von Schalker Fans mit den Fans des mazedonischen Vereins Vardar Skopje zurück und hing als Beleg dieser Freundschaft schon öfter in der Nordkurve. Das von der Polizei heraufbeschworene Problem einer angeblich bevorstehenden Eskalation im Block der griechischen Gäste bestand zu keiner Zeit. Dies bestätigen sowohl Schalker Fans der angrenzenden Blöcke als auch Aussagen vieler in Deutschland lebender PAOK-Anhänger, die am besagten Abend im Stadion anwesend waren. Zu keiner Zeit gab es aggressive Regungen im Gästebereich. Die besagte Fahne und der bürgerlich-nationalistische Hickhack zwischen Griechenland und Mazedonien haben dort niemanden interessiert. Die gefahrlose Lage war für die Polizei so offensichtlich, dass sie sogar auf die bei internationalen Spielen sonst übliche Blocksperre für die Gäste verzichtete.
Die Zunahme von Polizei-Übergriffen gegen Fußballfans hat in Wirklichkeit ganz andere Ursachen. Um auf deren Unterdrückung vorbereitet zu sein, sind für den Staatsapparat die Bürgerkriegsübungen notwendig. Gewaltsames Vorgehen gegen Tausende oder gar Zehntausende meist rebellische Jugendliche zu üben, dazu sind die Fußballstadien für die Polizei ideal. In diesem Sinne wurde auch letztes Jahr das neue „DFL-Sicherheitskonzept“ durchgedrückt – gegen den Widerstand von Fans aus allen Vereinen (siehe „Rote Fahne“ November/2012). Zahlreiche Transparente beim Heimspiel gegen Leverkusen (Bilder rechts) zeigen, dass dieser politische Hintergrund mehr und mehr verstanden wird. Ein riesiges Banner „Das wahre Gesicht der Polizei NRW – Sonntag bei uns, Mittwoch in GE“, drückte am 23. August auf der Südtribüne des BVB die Solidarität mit den Schalker Fans gegen den Polizeiterror aus. Öffentlich bekundete Solidarität zwischen den Fans von Schalke und Dortmund – ein bisher unvorstellbarer Vorgang. Auch in den Fankurven von Köln, Gladbach, Hannover, Mainz, Saarbrücken, Leverkusen, Wuppertal und Braunschweig gab es Solidaritätsaktionen gegen die Polizei.
Wenn aufgrund des Vorgehens der Polizei immer mehr Fans erkennen, dass im gemeinsamen Kampf für eine lebenswerte Zukunft die Einheit untereinander wichtiger ist als die Rivalität zwischen den Vereinen, haben die Herrschenden ein schönes Eigentor geschossen. Im Stadion bildeten die jüngsten Erfahrungen jedenfalls einen guten Anknüpfungspunkt, über die Polizeischikanen gegen die MLPD-Kundgebung in Kassel zu diskutieren – und wie sie mit Straßenblockade und Ultimatum erfolgreich zurückgeschlagen wurden.

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