„Die kurdischen Frauen sind besonders in ihrem Visier“

Auszüge aus einem Interview mit Asya Abdullah, Co-Vorsitzende der Partei der Demokratischen Einheit (PYD), zur Entwicklung in Rojava (Westkurdistan/Syrien)

Wie beeinflusst die Frauenbewegung die neue Gesellschaftsordnung in Rojava?

... Die Frauen packen überall mit an. Bei der Politik, bei der Diplomatie, im sozialen Bereich, aber auch im Krieg. Sie helfen bei sozialen Fragen, sie gehen zur Bevölkerung, sie bauen ein neues demokratisches System mit auf, und sie zeigen auf, wie eine neue und demokratische Familienordnung gestaltet werden muss. ...

In der letzten Zeit erreichten uns im Rahmen der Kämpfe mit der Al-Nusra-Front auch Meldungen, dass diese Vergewaltigungen an Frauen für legitim erklärt haben. Gibt es Zahlen zu den Vergewaltigungsfällen?

... Es sind nicht nur die kurdischen Frauen sondern alle Frauen Syriens, die im Visier dieser unmenschlichen Gruppen sind. Es gibt eine Vielzahl von Vergewaltigungsfällen. In der Region von Haseke wurden beispielsweise bis vor kurzem eine große Anzahl an armenischen Frauen entführt, vergewaltigt und ermordet. In dieser Region haben KurdInnen, AraberInnen, ChristInnen, DrusInnen, SunnitInnen und AlawitInnen friedlich miteinander gelebt. Diese Gruppen greifen zugleich auch dieses friedliche Zusammenleben an. Heute greifen sie die KurdInnen an, doch ihr Ziel ist es, das Zusammenleben der Menschen zu zerstören.
Die kurdische Frau ist besonders in ihrem Visier. Das liegt daran, dass die kurdischen Frauen auch aktiv an den Kämpfen beteiligen. Diese Frauen verteidigen nicht nur sich selbst, sondern eigentlich alle Frauen Syriens. Uns wurde vielfach berichtet, dass diese Gruppen, während sie auf den Straßen Busse mit flüchtenden Menschen stoppen, gezielt nach KurdInnen suchen. „Wenn es unter euch Kurden gibt, werden wir ihre Köpfe abhacken und so in den Himmel kommen“, sagen sie. Gegen solche Gräuel müssen alle Frauen des Mittleren Ostens sich wehren. ...

Wenn Sie eine Prognose wagen würden, wie sehen Sie die Situation in fünf Jahren?

... Die Gesellschaft wird für ihre Überzeugung ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen, den Widerstand weiterführen. Je länger sie diesen Widerstand führt, desto mehr Erfahrung wird sie in diesem Kampf sammeln. Zurzeit durchleben die Völker Syriens große Schwierigkeiten. Aber wir glauben, dass diese Schwierigkeiten auch als Preis für die Freiheit gesehen werden können. ...

Können Sie uns kurz darstellen, welche Errungenschaften die Frauen seit dem 19. Juli letzten Jahres (Datum, an dem die KurdInnen in Rojava die erste Stadt unter ihre Kontrolle gebracht haben – Anm. d. Übersetzers) durchgesetzt haben?

Die Revolution vom 19. Juli hat sich nicht von alleine ereignet. Es wurden große Opfer und Mühen aufgebracht, damit unser Kampf in einer Revolution münden konnte. Auch gegen das Baath-Regime hat die kurdische Frau einen großen Widerstand entwickelt. Aufgrund dessen haben Genossinnen von uns viele Jahre in Haft verbracht. ... Von dem Schicksal einer unserer Genossinnen, die im Jahr 2004 festgenommen worden war, wissen wir immer noch nichts. ... Das Selbstverwaltungssystem, das wir in Rojava aufgebaut haben, umfasst auch die Selbstorganisierung der Frauen. Diese Selbstorganisierung umfasst derzeit alle Teile Rojavas. ...

(Quelle: Türkische Zeitung „Radikal“ vom 22. 8. 2013, Übersetzung ins Deutsche: Informationsstelle Kurdistan)

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