Winterspiele in Sotschi – Russlands „Stuttgart 21“

Zurzeit bauen die Krefelder Siemensianer an Zügen für die Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Sotschi. Dazu dokumentieren wir einen Artikel aus der Zeitung „Elektro Rower – Von und für Kolleginnen und Kollegen im Siemens-Konzernverbund“, Nr. 2/2013:

Siemens-Kollegen in Krefeld bauen Regionalzüge für die russische Stadt Sotschi, anlässlich der Olympischen Winterspiele im Februar 2014. Dieses Projekt reiht sich ein in die europaweite Reihe „Unnütze Großprojekte mit verheerenden Folgen“. Große Konzerne versprechen sich dicke Gewinne. Bevölkerung und Natur bezahlen die Zeche. Ein Blick auf die Karte reicht, um zu sehen, wie absurd das Ganze ist.

Sotschi, eine Küstenstadt am Schwarzen Meer mit 335.000 Einwohnern, liegt auf demselben Breitengrad wie Nizza, es herrscht subtropisches Klima mit 300 Sonnentagen im Jahr. Der kälteste Monat ist der Januar, mit durchschnittlich sechs Grad plus. Es wachsen Palmen und Bananenbäume. Unter Stalin wurde Sotschi zum Kurort für Arbeiter. Wenn die warme, feuchte Luft von der Küste aufsteigt und in den Bergen abkühlt, fällt dort Schnee und man kann Ski fahren. Dmitrij K., ein Naturschützer, sagt: „Die Bucht ist einer der wichtigsten Rastplätze für Zugvögel, 200 Arten gibt es hier, ein Viertel ist vom Aussterben bedroht. Nicht auszudenken, wenn hier Stadien stehen.“ Als Swetlana B., eine arbeitslose Schneiderin, erfahren hat, dass Sotschi die Spiele austrägt, hat sie gedacht, jetzt bekäme ihr Haus, 1947 gebaut von deutschen Kriegsgefangenen, endlich eine Kanalisation, warmes Wasser, eine Gasleitung. „Nichts kriege ich, verschwinden soll ich.“ 1.500 Menschen sollen fort, die Familien werden enteignet und zwangsumgesiedelt. Man verspricht ihnen eine Wohnung im Plattenbau, 15 Kilometer im Landesinnern. Sie haben eine Bürgerinitiative gegründet, sie haben Briefe geschrieben an Putin und Medwedew – eine Antwort haben sie nie erhalten. Als Gesandte des IOC in Sotschi waren, wollten Aktivisten Plakate entrollen. Doch die Spezialeinheit „Omon“ griff ein. Es gibt ein Gesetz in Russland, mit dem Demonstrationen als terroristischer Akt gewertet werden können.

Wir Arbeiter können uns nicht aussuchen, was wir wofür produzieren. Unsere Züge werden der Bevölkerung dort hoffentlich auch nach den Spielen noch nutzen. Wir können und müssen uns aber dafür einsetzen, dass dieser Raubbau an der Natur und der Zukunft unserer Kinder endlich aufhört! Vom hartnäckigen, fundierten und massenhaften Widerstand gegen „Stuttgart 21“ kann man dabei viel lernen. Nutzen wir dafür auch die direkte Zusammenarbeit mit Kollegen anderer Länder!

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