Aufruhr in „Boom“-Ländern

Aufruhr in „Boom“-Ländern

Extremer Bauboom in China

Neues aus der Weltwirtschafts- und Finanzkrise

Sie haben merkwürdige Kürzel wie BRICS (für Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) oder MIST (für Mexiko, Indonesien, Südkorea und Türkei). Diese Länder werden gern als die „Boom“-Länder des kapitalistischen Weltsystems angeführt. Ausgerechnet in einigen dieser Länder entfalten sich in den letzten Monaten aus scheinbar geringfügigen Anlässen heraus riesige Massenbewegungen.

Sowohl die BRICS- als auch die MIST-Länder waren zu Beginn der Ende 2008 aufgebrochenen und seither anhaltenden Weltwirtschafts- und Finanzkrise teils heftig betroffen. Aber gerade in diesen Ländern kam es zu einer schnellen Erholung, ja es gab sogar Erscheinungen der relativen Belebung und des Aufschwungs. Während die „alten“ imperialistischen Länder Europas, der USA oder Japans kaum aus dem Krisentief herauskamen, teilweise sogar noch tiefer absackten, wurden in diesen Ländern relativ hohe Wachstumsraten verzeichnet. Der Hauptgrund war, dass das überschüssige Kapital der internationalen Banken und Monopole, das durch die gigantischen Krisenprogramme und „Rettungsschirme“ auf Kosten der Staatskassen noch aufgebläht wurde, gezielt in diesen Ländern investiert wurde.

In den letzten Monaten aber geht dem „Boom“ in diesen Ländern die Puste aus. In Brasilien schnellte die Industrieproduktion nach einem Minus von 7,4 Prozent im ersten Krisenjahr 2009 auf Plus 10,4 Prozent im Jahr 2010 hoch, sackte aber bereits 2011 auf ein schwaches Plus von 0,3 Prozent ab und landete 2012 bereits wieder bei einem Minus von 2,7 Prozent.

Indien schien von der Krise unberührt, erreichte 2009 ein Plus bei der Industrieproduktion von 8,3 Prozent, 2010 von 9,8 Prozent, 2011 aber nur noch 4,8 Prozent und 2012 ganze 0,8 Prozent.

In der Türkei gab es bei der Industrieproduktion 2009 ein Minus von 9,9 Prozent, aber 2010 bereits wieder ein Plus von 12,8, 2011 ein Plus von 10,1 Prozent, das sich 2012 auf 2,5 Prozent abschwächte.

Auch in China – dessen sozialimperialistische Regierung nur sehr unzuverlässige Zahlen vorlegt – geht das Wirtschaftswachstum in die Knie. Der Widerspruch zu den angestauten Spekulationsblasen im Weltwirtschafts- und Finanzsystem verschärft sich dadurch. Das internationale Finanzkapital zittert vor der akuten Gefahr einer Finanzkrise – es wurden so gewaltige spekulative Objekte, besonders im Immobilienbereich, hochgezogen, dass immer mehr Investoren ihre Kredite nicht mehr bedienen können. Die jähen Kursstürze an den chinesischen und internationalen Börsen nach der Ankündigung von Chinas Staatsbank, die Geldvergabe zu drosseln, deuten darauf hin, dass diese Spekulationsblasen zu platzen beginnen. Das ist ein Hauptfaktor der explosiven Situation in den bisherigen „Boom“-Ländern.

Die gesamte gesellschaftliche Situation ist gerade dort von tiefen Umbrüchen geprägt. Bäuerlich geprägte Gesellschaften werden in kurzer Zeit zu Industrieländern, Millionen ziehen vom Land in die explodierenden Städte, die Arbeiterklasse wächst, Industriearbeiter produzieren in den Anlagen der internationalen Monopole auf dem gleichen technologischen Niveau wie ihre Kolleginnen und Kollegen in den „alten“ kapitalistischen Ländern. Mit Leih- und Zeitarbeitern und einem System der kleinbürgerlichen Denkweise wird mit ähnlichen Methoden Spaltung wie hier betrieben. Eine neue kleinbürgerliche Mittelschicht entsteht – mit großen Hoffnungen vor allem für die nachfolgende Generation, die jetzt zunehmend enttäuscht werden.

Gründe für die Empörung der jetzt aufflammenden Massenbewegungen gibt es mehr als genug. Die Neuinvestitionen des internationalen Finanzkapitals sind mit einer enormen Korruption der Regierenden verbunden. Allein in Indien laufen gegen ein Drittel aller Parlamentarier Strafverfahren wegen aufgeflogener Korruptionsdelikte.

Umweltverbrechen und brutale Ausbeutung bis hin zu Massakern an kämpfenden Minenarbeitern wie in Südafrika, Milliardensummen für Sportarenen, während das Bildungs- und Gesundheitswesen wie in Brasilien am Boden liegt; die feudale, mit brutaler Gewalt verbundene Unterjochung der Frauen in Indien; Umweltverbrechen wie in der Türkei und vielfach auch in China … Die Anlässe sind unterschiedlich – aber das Wesen ist die grundsätzliche Unvereinbarkeit des kapitalistischen Ausbeutersystems mit den Lebensinteressen der breitesten Massen. Auch wenn die gegenwärtigen Massenbewegungen noch vorwiegend kleinbürgerlich geprägt sind – in ihnen wird das Potenzial einer revolutionären Weltkrise erkennbar.

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