Explodierende Massenarbeitslosigkeit – weltweit

Neues aus der Weltwirtschafts- und Finanzkrise

Die Ausbeutungsschraube in den Betrieben wird immer schärfer angezogen. Das wichtigste Druckmittel: die Angst vor der Arbeitslosigkeit.

Bereits in seinem 1885 erschienenen Hauptwerk „Das Kapital“ kennzeichnete Karl Marx diesen mörderischen Druck: „Die Überarbeit des beschäftigten Teils der Arbeiterklasse schwellt die Reihen der Reserve, während umgekehrt der vermehrte Druck, den die letztere durch die Konkurrenz auf die erstere ausübt, diese zur Überarbeit und Unterwerfung unter die Diktate des Kapitals zwingt.“ (Marx/Engels, Werke, Bd. 23, S. 665)

In der seit Ende 2008 anhaltenden Weltwirtschafts- und Finanzkrise ist die industrielle Reservearmee – und damit der Druck auf die, die noch Arbeit haben – sprunghaft gewachsen. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) zählte 2013 201,5 Millionen Arbeitslose, gegenüber 169,7 Millionen im Jahr 2007 vor Krisenausbruch, bei weiter steigender Tendenz. Und das sind nur die offiziellen, häufig geschönten Zahlen. Dabei klaffen große Unterschiede.

In Ländern, die auf dem Weg sind, selber zu imperialistischen Mächten zu werden und in verschiedenen neokolonial abhängigen Ländern steigt die Zahl der Arbeitsplätze. Einzelne Branchen erleben sogar einen regelrechten Boom. Das gilt besonders für den Bergbau, wo zur Plünderung der Rohstoffreserven massenhaft Arbeiter – zum großen Teil als Leih- oder Zeitarbeiter – eingestellt werden und zu oft miserablen Arbeitsbedingungen schuften. Aber in den traditionellen Industrieländern und ganz besonders in Europa vermengen sich Überproduktionskrise, Finanzkrise, Staatsverschuldung und internationale Strukturkrise in enger Wechselwirkung und lassen die Massenarbeitslosigkeit geradezu explodieren (siehe Grafik).

In der Eurozone sind die offiziellen Zahlen vom Vorkrisenjahr 2007 bis zum April 2013 um 64,7 Prozent von 11,786 auf 19,375 Millionen angestiegen, in der EU27 um 56,8 Prozent von 16,955 auf 26,588 Millionen. Die Tendenz ist weiter ansteigend. In den Niederlanden, Portugal und Italien hat sich die Arbeitslosigkeit in dieser Zeit mehr als verdoppelt, in Spanien und Griechenland sogar mehr als verdreifacht. Spanien zählte im April 2013 6,102 Millionen Arbeitslose, mehr als Deutschland im Jahr 1932. Damals lebten in Deutschland 60 Millionen Einwohner, heute sind es in Spanien 47 Millionen. In Frankreich ist die offizielle Arbeitslosigkeit seit 2007 um über eine Million auf 3,276 Millionen angestiegen, den höchsten Stand seit 15 Jahren. Am krassesten ist überall die Jugend betroffen.

In Deutschland wird die offizielle Arbeitslosigkeit Anfang 2013 dagegen als um 582.000 niedriger als vor Beginn der Krise angegeben! Hier spielen verschiedene Sonderfaktoren eine Rolle: die deutsche Industrie erlebte auch auf Kosten ihrer Nachbarländer nach dem ersten tiefen Kriseneinbruch eine zeitweilige Belebung. Der Ausbau des Niedriglohnsektors, der Leih- und Teilzeitarbeit wurde hier besonders energisch vorangetrieben. Aber auch die relative Überalterung in Deutschland spielt eine Rolle – es wachsen weniger Jugendliche ins arbeitsfähige Alter hinein, die als Erwerbstätige in Rente gehen. Ein deutlich größerer Teil der Jugend wird zur schulischen Weiterbildung oder ins Studium geschickt. Die wenigsten haben eine Aussicht auf einen festen Job – aber sie tauchen nicht in der Arbeitslosenstatistik auf. Mehrere Jahre lang war Deutschland ein regelrechtes Auswanderungsland. Mittlerweile nimmt aber auch in Deutschland die Zahl der Entlassungen und Stellenstreichungen zu.

Die auf die Klassenzusammenarbeit eingeschworene ILO macht sich große Sorgen um den Erhalt des kapitalistischen Systems: „Fünf Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise warnt die Internationale Arbeitsorganisation ILO vor sozialen Unruhen in vielen Industriestaaten. Am stärksten sei die Gefahr in der Europäischen Union …“ (www.dradio.de, 3. 6. 2013)

Wer den Teufelskreis aus der Überarbeit der einen und der Arbeitslosigkeit der anderen durchbrechen will, der darf nicht bei „sozialer Unruhe“ stehen bleiben, sondern sollte sich an Karl Marx’ revolutionäre Schlussfolgerungen halten, das ganze kapitalistische Ausbeutersystem infrage stellen und sich für die internationale Revolution stark machen.

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