Krankheiten, Umweltzerstörung und Sterben für deutsche Kohleimporte

Krankheiten, Umweltzerstörung und Sterben für deutsche Kohleimporte

Australischer Kohlekumpel

Marl (Korrespondenz): Welch Widersinn? In Deutschland werden die Steinkohlezechen stillgelegt. Steinkohlezechen mit hohen Sicherheitsstandards und Untertageförderung. Gleichzeitig wird Kohle aus aller Welt importiert mit dramatischen Folgen für Menschen und Natur.

Gerne stellen sich führende Politiker und Konzerne aus Deutschland als Klimaschützer dar, als Vorreiter in der „sauberen“ Energieversorgung. Paul Corbit Brown, Naturschützer und Sprecher von Keepers of the Mountains, einer Umweltorganisation aus den USA, widerspricht dieser Darstellung: „Unsere Kohlekonzerne lachen sich kaputt darüber. Ausgerechnet die Kohleexporte nach Deutschland sichern ihr Geschäft, während sie zu Hause wegen des Fracking-Booms immer weniger verkaufen können.“

Er berichtet von den Appalachen, weite, von Wald bedeckte Berglandschaften eines der artenreichsten Gebiete Nordamerikas. Bergflüsse auf einer Länge von 2.000 Meilen wurden verschüttet und 6.500 Quadratkilometer Wald sind für die Kohleförderung vernichtet worden. 500 Bergspitzen sind zerstört, weggesprengt, nur noch gelbe, staubige Löcher, um an die Kohle heranzukommen. Der Abraum aus den gesprengten Bergspitzen wird in die Täler gekippt. Dort verseuchen Schwermetalle und andere Schadstoffe Flüsse und Grundwasser. Der Staub aus den Sprengungen bleibt in der Luft. Beides macht die Menschen krank: Krebserkrankungen, Herzleiden und Fehlbildungen bei Säuglingen nehmen zu; die Lebenserwartung sinkt. „Es ist die schrecklichste Form des Bergbaus, die man sich vorstellen kann“, sagt Corbit Brown. „Die Menschen in den Appalachen zahlen mit ihrer Gesundheit und ihrem Leben. Die Kohle bringt uns um. Mit einer sauberen Energieversorgung hat das nichts zu tun.“

Die Kohle aus den Appalachen ist vor allem für Deutschland bestimmt. E.on kauft 28 Prozent seiner Kohle in den USA, EnBW rund 24 Prozent, Vattenfall sogar 40 Prozent. „Wie würden die Deutschen es finden, wenn Bergbaukonzerne die Zugspitze sprengten?“, fragt Paul Corbit Brown. Er fordert, nicht nur aus der Kernenergie auszusteigen und erneuerbare Energien zu fördern, sondern Deutschland müsse auch aus der Kohleverstromung raus.

Auch die deutsche Menschenrechtsorganisation FIAN fordert den Ausstieg aus der Energiegewinnung aus Kohle in Deutschland. In ihrem Dossier „Bitter Coal“ berichtet sie, dass für das Geschäft mit der Kohle Menschen vertrieben, Arbeiter ausgebeutet, Gewerkschafter bedroht und ermordet, Landschaften zerstört und das Trinkwasser vergiftet wird.

Für E.on, RWE und Vattenfall ist Russland das zweitwichtigste Lieferland. Die Kohle kommt vor allem aus dem westsibirischen Steinkohlerevier Kuzbass. Dort sind Luft, Böden und Trinkwasser extrem durch Schadstoffe belastet. Lebensmittel aus dem Kuzbass weisen hohe Konzentrationen an Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen auf. Auch dort werden die Menschen häufiger krank und sterben früher. Das Land der Ureinwohner werde zerstört, sie stünden „an der Schwelle zum kulturellen Aussterben“. Und immer wieder sterben Kohlearbeiter durch Unfälle in den Minen.

Die deutschen Energieversorger kaufen Kohle in Russland, ohne sich um die Folgen für die Menschen zu kümmern“, kritisiert Vladimir Slivyak, Sprecher der russischen Umweltorganisation Ecodefense.

In Kolumbien, wo E.on, RWE, Vattenfall, Steag und EnBW einkaufen, machen bewaffnete Gruppen die Gegend unsicher, bedrohen Gewerkschafter, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in den Minen einsetzen. Kohle-Gewerkschafter und Umweltaktivisten wurden schon ermordet. Denn in Kolumbien wird die Steinkohle in riesigen Tagebauminen gefördert. La Guajira und Cesar gehören zu den ärmsten Regionen des Landes. Anwohner berichten von Krankheiten durch den Kohlestaub. Viele Dörfer mussten dem Mega-Tagebau schon weichen, weitere Umsiedlungen sind geplant.

In Südafrika, wo RWE, E.on, EnBW und Steag Kohle einkaufen, verfügen viele Einwohner nicht über sauberes Trinkwasser – für die Kohlekonzerne ist genügend Wasser vorhanden, so die Autoren von „Bitter Coal“. Zusätzlich vergifte das saure Grubenwasser Flüsse, Seen und Grundwasser. Das Gift kann auf lange Sicht die Existenzgrundlage vieler Landwirte, Händler und Tourismusunternehmer zerstören. Feinstaub macht auch hier die Menschen krank. Die Arbeitsbedingungen unter Tage seien so schlecht wie zu Apartheid-Zeiten. Deshalb wehren sich die Kumpel und ihre Familien mit Streiks.

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