Kräfteverhältnisse in der Weltwirtschaft verschieben sich

„Die Kräfteverhältnisse zwischen den herrschenden imperialistischen Ländern haben sich weitreichend verschoben: Das Zentrum der kapitalistischen Weltproduktion ist von der alten Welt nach Asien gerückt. Die bisherige zentrale transatlantische Achse zwischen den USA und Europa wurde durch eine neue führende transpazifische Achse zwischen Asien und den USA abgelöst.“

Ein „Rote-Fahne“-Leser aus Berlin fragte nach, was genau unter dieser Feststellung aus dem „Rote-Fahne“-Interview mit dem MLPD-Vorsitzenden Stefan Engel vom Ende letzten Jahres zu verstehen ist.

Nach dem II. Weltkrieg hatte die Achse Westeuropa – USA jahrzehntelang die Entwicklung des westlichen Kapitalismus dominiert. Dabei stand er in scharfer Konfrontation zum damals entstehenden sozialistischen Lager und nach 1956 zu den sogenannten Ostblockländern, in denen der Sozialismus verraten und ein bürokratischer Kapitalismus unter der Fuchtel der Sowjetunion errichtet worden war.

Mit dem Zusammenbruch des bürokratisch-kapitalistischen Blocks setzte ab den 1990er Jahren eine umfassende Neuorganisation der internationalen kapitalistischen Produktion ein. Die Kräfteverhältnisse verschoben sich zunächst schleichend, aber mit der 2008 ausgebrochenen Weltwirtschafts- und Finanzkrise in immer schnellerem Tempo.

Traditionell starke europäische Mächte fielen zurück – asiatische Länder, besonders China und Indien entwickeln sich dagegen zu aufstrebenden imperialistischen Mächten.

Noch 1993 entfielen 66,4 Prozent der gesamten Weltausfuhren auf Europa und Nordamerika und 52,1 Prozent auf Asien und Amerika. 2011 bewältigten Europa und Amerika zusammen noch 54,1 Prozent, aber Amerika zusammen mit Asien 59,5 Prozent de Weltausfuhren.
2011 gingen 27,8 Prozent der US-Exporte nach Asien, aber nur noch 21,3 Prozent nach Europa. Umgekehrt bezogen die USA 37,1 Prozent ihrer Einfuhren aus Asien, aber nur 18,4 Prozent aus Europa (WTO International Trade Statistics 2012, eigene Berechnung der GSA). Der Anteil der EU am Weltsozialprodukt sank von 26,2 Prozent im Jahr 2000 auf 25,1 Prozent im Jahr 2011, der Anteil Nordamerikas war ebenfalls rückläufig: von 32,9 auf 24,1 Prozent – dagegen stieg der Anteil Ostasiens zusammen mit der Pazifikregion von 25,0 auf 26,8 Prozent.

Die Achsenverschiebung wird besonders deutlich in der enormen Dynamik der Entwicklung einiger bedeutender asiatischer Länder. Die traditionellen imperialistischen Mächte in Nordamerika, Europa und auch Japan haben den Vorkrisenstand bei der Industrieproduktion bis heute nicht erreicht – oder rutschen noch tiefer in die Krise. Die EU lag im Jahr 2012 um 8,8 Prozent unter ihrem früheren Höchststand des Jahres 2007 vor Ausbruch der Weltwirtschafts- und Finanzkrise. Indonesien hat ihn dagegen um 24,4 Prozent übertroffen, Südkorea um 28,3 Prozent, Indien im November 2012 um 33,9 Prozent. Die chinesische Regierung nennt keine verlässlichen Zahlen für die Industrieproduktion, aber das Bruttoinlandsprodukt ist von 2,3 Billionen Euro im Jahr 2007 um 172 Prozent auf 6,3 Billionen Euro im Jahr 2012 gewachsen (Jahresberichte der People's Bank of China).
Hatte China im Jahr 2000 erst zwölf Großkonzerne unter den 500 größten der Welt, waren es 2012 bereits 73, Indien war im Jahr 2000 erst mit einem, mittlerweile mit acht Übermonopolen dabei, die Zahl für Südkorea stieg von 11 auf 13. Die Zahl der in der EU angesiedelten Übermonopole aus der Rangliste der weltweit 500 größten sank in diesem Zeitraum von 141 auf 138 – im Vorkrisenjahr 2008 war sie schon einmal auf 163 geklettert.

Der Krisenausbruch und das gemeinsame Krisenmanagement mit seinen enormen Rettungsschirmen für Banken und Konzerne haben diesen Prozess beschleunigt. Aber es sind US-Konzerne wie GM oder IT-Riesen wie Apple, die die Nase dort vorn haben – ebenso wie in Indien, Indonesien oder Südkorea. Eine derartige Kräfteverschiebung zwischen verschiedenen imperialistischen Mächten ist alles andere als ein friedlicher oder widerspruchsfreier Verdrängungswettbewerb, bei dem der eine etwas mehr, der andere weniger abbekommt.
Europäische Länder und chinesische Konzerne versuchen den USA Terrain in Lateinamerika oder Afrika abzujagen. Der erbitterte Wettstreit um den günstigsten Zugriff auf die Märkte des Konkurrenten, auf Rohstoffquellen und politische Dominanz wird auf die Spitze getrieben. Dazu gehört auch der Kampf zwischen den hauptsächlichen Achsenmächten. Mit einer transatlantischen Freihandelszone versuchen die USA und die europäischen Imperialisten wiederum Boden gut zu machen. VW oder Daimler unternehmen in China oder Indien große Anstrengungen, selber eine führende Rolle zu spielen.

Die massive Aufrüstung des sozialimperialistischen China, die jüngsten Kriegsdrohungen Nordkoreas, die erweiterte Stationierung von US-Streitkräften im pazifischen Raum zeigen, dass dies unter der Herrschaft des Imperialismus mit einer gesteigerten allgemeinen Kriegsgefahr einhergeht.

Anna Bartholomé

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