Stahltarifrunde: „Was am Ende raus kommt, hängt maßgeblich von unserer Kampfkraft ab“

Dortmund (Korrespondenz): Die lebhafte und engagierte Diskussion zur Vorbereitung der Stahltarifrunde war von der Vertrauenskörperleitung und auch der Jugendvertretung gut vorbereitet worden. Sie brachte folgendes Ergebnis:

1. Angesichts der Preissteigerungen durch Staat und Monopole wird eine Erhöhung von Lohn und Gehalt von mindestens 6 Prozent gefordert. „Die Kollegen haben genug von den Ritualen, die immer darauf raus laufen, dass wir nicht mal die Hälfte unserer Forderung bekommen! Tarifverhandlungen sind aber kein Bazar. Was am Ende raus kommt, hängt maßgeblich von unserer Kampfkraft ab! Wozu haben wir denn die Gewerkschaft sonst?“ Die Auszubildenden wollen 50 bis 100 Euro mehr Ausbildungsvergütung. Auf eine prozentuale Anbindung der Ausbildungsvergütung an den Facharbeiterecklohn konnten sie sich noch nicht einigen. Die Laufzeit soll nicht länger sein als 12 Monate.

2. Scharf kritisiert wurde die Absicht des IG-Metall-Vorstandes und der Bezirksleitung, die Tarifverhandlungen von Stahl und der Metallverarbeitung möglichst „weit auseinanderzuhalten“. Begründet wird das mit der „schlechteren“ wirtschaftlichen Lage der Stahlindustrie. „Das ist doch kein Grund, um Abstriche bei den Tarifforderungen zu machen! Oder sollen wir etwa die Abfindungen der Thyssen-Manager mit Zurückhaltung in der Tarifrunde finanzieren?“ Ein anderer Kollege kritisierte: „Was soll das denn für eine Strategie sein? Statt die Kräfte zu bündeln sie auseinanderzudividieren? Darüber kann sich doch nur unser Gegner freuen!“

3. In der Diskussion spielte die Rente mit 67 auch eine große Rolle. „Wir können und wollen uns damit nicht abfinden! Die Rente mit 67 muss weg, das geht nicht mit einer Tarifrunde. Wir müssen jeden Versuch ablehnen, durch die Tarifpolitik vom Kampf gegen die Rente mit 67 abzulenken.“ Deshalb forderten die Vertrauensleute auch einstimmig, dass die IG Metall zusammen mit anderen Gewerkschaften in den Betrieben und auf der Straße gegen die Rente mit 67 mobil macht und diese Kämpfe europaweit koordiniert werden!

4. Eine große Rolle spielte auch die Arbeitsplatzsituation in der Stahlindustrie. Es wurde deutlich, dass die Stahlarbeiter sich international auf einen massiven Arbeitsplatzabbau einstellen müssen!
„Das ist kein Grund, sich zurückzuhalten! Die flächendeckende Einführung von Kurzarbeit 2009 war ein gesellschaftlicher Großversuch, der bewiesen hat, dass Arbeitszeitverkürzung Arbeitsplätze erhält! Deshalb brauchen wir jetzt eine Initiative unter den Stahlarbeitern und ihren Familien für eine Arbeitszeitverkürzung, für die 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich für alle Kollegen!“ Tarifpolitisch ist eine Kündigung der Arbeitszeitregelung im Manteltarifvertrag möglich. Diese Forderung aufzustellen, hielten die Vertrauensleute in dieser Tarifrunde noch für nicht mehrheitsfähig, „aber beginnen müssen wir mit der Diskussion jetzt!“

5. Deshalb schlugen sie als ersten Schritt hin zu einer allgemeinen Arbeitszeitverkürzung die Verkürzung der Arbeitszeit für Kollegen ab 55 Jahre vor. „Mit zunehmendem Alter soll die Arbeitszeitverkürzung, natürlich mit vollem Lohnausgleich, gesteigert werden. Und zwar als tägliche Arbeitszeitverkürzung, wodurch natürlich ein Personalausgleich in den Betrieben durchgesetzt werden muss.“ Die Forderung nach einer Kündigung des Manteltarifvertrags zur Arbeitszeit sollte auf jeden Fall jetzt in allen Stahlbetrieben diskutiert werden!
Die Vertrauenskörperleitung wurde beauftragt, die Ergebnisse in einem „Tarifinfo“ bekannt zu machen und die Initiative der Kollegen für eine kämpferische Tarifrunde zu wecken!

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