Vernichtendes Urteil zum Brandschutz bei „Stuttgart 21“

Das Schweizer Ingenierbüro Gruner AG in Basel war von der Bahn mit der Überprüfung des Brandschutzkonzeptes beauftragt. Die Prüfer kamen nun in einer Stellungnahme vom 20.09.12 zu dem vernichtenden Urteil: „Basierend auf unseren obigen Ausführungen kommen wir zu dem Ergebnis, dass derzeit kein gesamthaftes, funktions- und genehmigungsfähiges Konzept für Brandschutz, Sicherheit und Entrauchung der Projektbestandteile im Stadtgebiet Stuttgart (neuer Hauptbahnhof mit angrenzenden Tunnelstrecken) vorliegt.“  

Die Fluchtwege viel zu lang
Trotz zusätzlicher Treppen sind die Wege zur Verteilerebene über den Gleisen bis zu 45 m lang, aber da ist man noch lange nicht in Sicherheit. Die Versammlungsstättenverordnung verlangt 30 bis 35 m bis zu einem gesicherten Bereich. Wege und Treppen sind obendrein viel zu schmal, sodass sich der Personenstrom stark staut und die Gefahr des Überrennens und Niedertrampelns besteht. Nach Berechnungen der Gruner AG dauert die Evakuierung der Menschen bis zu 23 Minuten. Dazu kommen noch 7 Minuten für die Einfahrtszeit mit Aussteigen aus einem brennenden Zug und 2 Minuten für Erkennungs- und Reaktionzeit. Insgesamt maximal 32 Minuten für die Selbstrettung. Und das von einem Bahnsteig, neben dem ein brennender Zug steht! Alte, Gehbehinderte, Rollstuhlfahrer haben gar keine Chance. Bei Gebäuden gilt als Norm eine Evakuierungszeit von 2 bis 8 Minuten, laut Planungshandbuch der Bahn sind maximal 15 Minuten zugelassen.  

Bahnhofshalle als Rauchfalle
Das Entrauchungskonzept der Bahnhofshalle führt nach Aussage der Gutachter zu einer Verrauchung nach 24 Minuten. Dadurch, dass die Verteiler-Ebene ziemlich dicht unter dem Dach der Halle liegt, müssen im Katastrophenfall die Fahrgäste aller Bahnsteige in die Rauchzone eintauchen. Mit bis zu 16.000 Menschen ist zu rechnen!
„Unfassbar, absolut unverantwortlich, verbrecherisch“, so lautet das Urteil des Sachverständigen Hans-Joachim Keim im „Stern“. Keim wurde als Gutachter zur Tunnelkatastrophe der Kapruner Gletscherbahn hinzugezogen, Damals kamen 155 Menschen ums Leben. Keim zu „S 21“: „Das ist schlimmer als Kaprun“. Und nun, lässt sich die Planung ändern? Breitere Treppenaufgänge sind nicht möglich. Da müsste der ganze Trog breiter werden, wofür kein Platz ist. Vor allem muss gravierend umgeplant und neu genehmigt werden. Zeit und Kosten sind momentan völlig unkalkulierbar.

Zynische Reaktion der Bahn
Die Bahn weist die Kritik zurück. Zynisch bestätigt der Projektsprecher W. Dietrich die Verantwortungslosigkeit der Betreiber: „Man wird nie einen Bahnhof bauen, der allen gesetzlichen Regelungen entspricht.“ Deutlicher als von den Gutachtern kann man keine Vorlage dafür bekommen, die Aufhebung der Verträge von Bund, Land und der Bahn AG zu fordern. Hier muss sich die grün-rote Landesregierung mal erklären! Sie beruft sich immer noch auf die Volksabstimmung, als wenn sie dadurch gezwungen wäre, auch eine unverantwortliche Planung durchzuziehen.

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