Eine Bürgerin kommender Zeiten

Zum Gedenken an die Revolutionärin und antifaschistische Widerstandskämpferin Lina Haag

München (Korrespondenz): Die Begräbnisfeier für Lina Haag ist nun schon eine Weile her, trotzdem wert, nochmals einen Blick auf diese außergewöhnliche Frau und ihr außergewöhnliches Leben zu richten. Über 100 Menschen versammelten sich am 19. Juli auf dem Münchner Waldfriedhof, um Lina Haag die letzte Ehre zu erweisen. Sie war am 16. Juni im Alter von 105 Jahren verstorben. Sie war nicht nur die älteste der wenigen noch lebenden Zeitzeugen, sie war auch eine der ältesten Münchnerinnen, die uns da verließ.
Stadtrat Siegfried Benker (Grüne), der in Vertretung von Oberbürgermeister Christian Ude sprach, dankte der Verstorbenen im Namen der Landeshauptstadt München für ihr Wirken in der Erinnerungsarbeit und im Kampf gegen neue faschistische Tendenzen. Bemerkenswert an seiner Rede war die Stellungnahme zum KPD-Verbot. Er forderte eine Aufarbeitung des Unrechts gegen die ehemaligen Kommunisten, das durch das KPD-Verbot verursacht worden war, und bezeichnete das Verbot als ein Relikt des kalten Krieges.
Die ehemalige Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Dr. Barbara Distel, verband eine innige Freundschaft mit Lina Haag, die sie seit fast einem halben Jahrhundert durch deren Einsatz in der Gedenkstättenarbeit gekannt hatte. Sie betonte besonders die Verantwortung der Nachgeborenen der zweiten und dritten Generation für das Erbe der überlebenden Opfer der Nazi-Diktatur. Dazu gehört unbedingt das bewegende Buch von Lina Haag „Eine Hand voll Staub“, das zu den bedeutsamsten Zeugnissen über den deutschen Widerstand gegen den Hitlerfaschismus zählt.
Getragen wurde der Kampf dieser unerschrockenen Frau von einer tiefen Überzeugung für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung. In dem Vorwort zur Ausgabe ihres Buches von 1977 schreibt sie: „Ein amerikanischer Verlag lockte einmal mit der Bestsellerliste, wenn ich wunschgemäß auf dem ,Waschzettel‘ vermerken würde, daß meine und meines Mannes Parteizugehörigkeit einer ,besseren Einsicht‘ gewichen sei. Ich schmiss diesen Vertreter hinaus.“
Die Erträge ihres Buches spendete Lina Haag regelmäßig für die antifaschistische Arbeit. Auch dies sei zu ihrer Würdigung noch genannt.
In einem Brief an die Angehörigen schreibt die Landesleitung der MLPD Bayern: „Mit Lina Haag verlieren wir alle eine beeindruckende Antifaschistin mit großem Herzen und Ausstrahlungskraft. Sie verkörperte durch ihren Mut und ihre Zuversicht im besten Sinne eine Bürgerin kommender Zeiten.“

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