Wütende Proteste gegen „Horrorkatalog“ bei Daimler-Sindelfingen

Sindelfingen (Korrespondenz): In zwei Betriebsversammlungen am 12. und 15. Oktober in beiden Schichten der Produktion im Daimler Werk Sindelfingen ging es hoch her. Als der Werkleiter auftrat, drehte ein Großteil der Kollegen ihm demonstrativ den Rücken zu. Er kam wegen Pfeifen und Buhrufen minutenlang nicht zu Wort. Kollegen marschierten mit Schildern ein und stellten sich vorne hin. „Kollektive Absageschicht für den Vorstand“, „Das Beste für euch, für uns nichts“ oder „Kein Verzicht – wer Wind sät, wird Sturm ernten“, war da zu lesen.
Erst als der Betriebsratsvorsitzende Erich Klemm um Ruhe bat, konnte er – immer wieder unterbrochen von Pfeifkonzerten und empörten Zwischenrufen – seine Rede durchziehen. Hintergrund sind die momentan gescheiterten Gespräche von Betriebsrat und Werkleitung über die Arbeitszeitregelungen zunächst in der S-Klasse-Montage, die sich aber in der ganzen Produktion auswirken werden.
Der Daimler-Vorstand hat sich vorgenommen, im sogenannten „Premium-Segment“ wieder „Nummer 1“ zu werden. Angesichts rückläufiger Bestellungen in allen drei großen Baureihen ein schwieriges Unterfangen. Jetzt wird versucht, die Folgen auf dem Rücken der Belegschaften abzuwälzen. Als die Gespräche mit dem Betriebsrat scheiterten, rief der Vorstand nicht nur die Einigungsstelle an, sondern schob einen wahren „Horrorkatalog“ an Forderungen nach:
- Ausdehnung auf 18 Schichten, also Spätschicht Samstag-Nachmittag
- Variable Schichtlänge zwischen sechs und neun Stunden
- Verdoppelung der Absageschichten von sieben auf 15 Schichten
- Einseitige Anordnung von mehr als 20 Überstunden durch das Unternehmen.
Offensichtlich will der Vorstand gegenüber der Belegschaft vollständig über die Arbeitszeit der einzelnen Kollegen verfügen können – von heute auf morgen. Die Produktionskollegen sind wütend und wollen diesen Angriff unbedingt zurückschlagen. Wie freuten sie sich, als berichtet wurde, dass die Bremer Daimler- Kollegen gegen die Fremdvergabe von 200 Logistikern gestreikt haben.
„Das wollen wir auch machen“, rief spontan einer in die Versammlung rein. Das muss breit diskutiert werden, denn die Taktik, die die Betriebsratsspitze vertritt, heißt: „Protest durch Arbeit – Wir produzieren jetzt die Autos, die Daimler nicht haben will!“ Doch wie kann Arbeit eine Kampfmaßnahme sein? Um den Horrorkatalog ganz weg zu kriegen, muss die Belegschaft unmissverständlich ein Zeichen setzen. Ohne Kampfmaßnahmen kann es nur zu sehr faulen Kompromissen kommen.

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