Zehn Prozent besitzen mehr als die Hälfte aller Vermögen und die Hälfte gerade mal ein Prozent

Letzte Woche legte die Bundesregierung den Entwurf des vierten Reichtums- und Armutsberichts vor. Was sie berichtete, hat eine Woge der Empörung und Proteste in der Bevölkerung ausgelöst. „Ich fühle mich verarscht. Seit Jahren heißt es, wir alle müssen sparen und jetzt haben wir es schwarz auf weiß. Die Reichen sind noch reicher und die Armen noch ärmer“, meinte ein Bergarbeiter an einem Parteistand der MLPD im Ruhrgebiet. Ein Stahlarbeiter auf einer Montagsdemonstration: „Jetzt weiß ich, was die meinten, wir müssten die Krise als Chance nutzen. Mit ,wir‘ haben sie nur die Raffgierigen da oben gemeint.“
Das private Nettovermögen – darunter fallen Immobilienbesitz, Geldanlagen, Bauland und Ansprüche aus Betriebsfonds und -renten – hat sich in den letzten zehn Jahren von 4,6 Billionen auf rund 10 Billionen Euro mehr als verdoppelt. Vor allem seit Beginn der Weltwirtschafts- und -Finanzkrise hat der Zuwachs der Summe der Privatvermögen nochmals einen Schub bekommen und wuchs zwischen 2007 und 2012 um 1,4 Billionen Euro.
Allein 10 Prozent der Reichsten in Deutschland verfügen über 53 Prozent aller Privatvermögen. 1998 waren es noch 45 Prozent. Dagegen verfügt die untere Hälfte nur über gut ein Prozent. Dabei nehmen die statistischen Durchschnittswerte dem klaffenden Widerspruch zwischen Reich und Arm etwas die Spitze. Da gibt es die reichste Familie Deutschlands, die Familie Albrecht. Sie hortet inzwischen ein Vermögen von 43,2 Milliarden Euro. 2004 waren es noch 30,7. Auf der anderen Seite gibt es 4,5 Millionen Menschen, die in Deutschland mit Hartz IV leben  müssen.
Zugenommen haben Niedriglohnarbeiter in Minijobs, Teilzeit und Leiharbeit von 20 auf 25 Prozent. Was der Entwurf verschweigt und auch in vielen Talkshows nicht zur Sprache kommt, ist, welche Ursache der Widerspruch hat. Der Entwurf spricht von „einer sehr ungleichen Verteilung des Privatvermögens“. „Ungleich“ ist ein Hohn auf die Menschen, die täglich um ihre Existenz kämpfen müssen, die Schlange an den Tafeln stehen, die damit rechnen müssen, dass ihnen der Strom abgeschaltet wird, weil sie die Rechnung nicht bezahlen können und sich von Gelegenheitsjobs über Wasser halten müssen.
Was rechtfertigt eigentlich den Luxus, in dem eine kleine Minderheit in dieser Gesellschaft schwimmt und das massenhafte Elend, in dem inzwischen auch in dem reichen Land Deutschland eine wachsende Masse hausen muss?
Die Wurzel dafür liegt in der  kapitalistischen Klassengesellschaft und gesteigerten Ausbeutung. Eine Besteuerung der Reichen und die Abschaffung der Massensteuern sind unbedingt notwendig. Aber das wird den gesetzmäßigen  Widerspruch im Kapitalismus nicht wesentlich mildern und schon gar  nicht aufheben. Den hat bereits Karl Marx im ersten Band des  Buchs „Das Kapital“ als allgemeines Gesetz formuliert:
„Es bedingt eine der Akkumulation von Kapital entsprechende Akkumulation von Elend. Die Akkumulation von Reichtum auf dem einen Pol ist zugleich Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Brutalisierung und moralischer Degradation (Erniedrigung – Anm. d. Red.) auf dem Gegenpol, d. h. auf Seite der Klasse, die ihr eignes Produkt als Kapital produziert.“ (Marx/Engels, Werke, Bd. 23, S. 675)

Wolf-Dieter Rochlitz

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