Was ist los in der Automobilindustrie?

Die über neun Millionen Automobilarbeiter auf der Welt, verteilt auf mindestens 36 Länder, stellen eine gewaltige Macht dar. Doch dazu müssen sie sich international zusammenschließen und durchschauen, mit welchen Manövern die Belegschaften der verschiedenen Konzerne und Länder gegeneinander ausgespielt werden sollen.

Mit der Behauptung angeblicher „Verluste“ wird versucht, die Belegschaften einzuschüchtern und zu entwaffnen. Die Autokonzerne unterhalten ganze Abteilungen, um ihre Bücher zu frisieren und solche „Verlustmeldungen“ herbei zu manipulieren. General Motors, größter Automobilkonzern der Welt, liegt den Opel/Vauxhall-Arbeitern in Europa damit seit Jahren in den Ohren. Doch wenn die Beschäftigten des GM-Konzerns im Jahr 2011 pro Kopf 44 Autos bauten gegenüber 21 im Jahr 2000 – wie erklären sich dann diese Verluste angesichts einer Verdoppelung der Arbeitsproduktivität?

Das eigentliche Problem sind nicht die herbei manipulierten Verluste, sondern der heftige Absatzeinbruch auf dem europäischen Markt mit sich vertiefender Tendenz. Er belief sich für Opel/Vauxhall von Januar bis August auf ein Minus von 15,4 Prozent an in der Europäischen Union zugelassenen Pkw. Ähnliche Absatzeinbußen müssen die Massenhersteller Peugeot/Citroën, Renault, Ford und Fiat verkraften.

Kurzarbeit breitet sich aus
Da die Konzerne ihre Maximalprofite absichern wollen, reagieren sie auf die sich abzeichnende Vertiefung der Weltwirtschafts- und Finanzkrise mit Kurzarbeit und geplanten Werksstilllegungen. Kurzarbeit gibt es mittlerweile bei Ford, Opel, Bosch und in der Folge bei zahlreichen kleineren Automobilzulieferern. Damit lassen sich die Unternehmen einen Teil der Löhne und Gehälter vom Staat bzw. den Sozialkassen finanzieren, verbunden mit mehr oder weniger großen Einbußen für die Belegschaften. Bei Opel wurde angesichts der verbreiteten Unruhe und einer Ablehnung weiterer „Opfer“ eine Aufstockung des Kurzarbeitergelds auf 94 Prozent vereinbart, um keine weitere Unruhe zu schüren.

Zulieferer werden ausgequetscht
Eine weitere Methode ist die Erpressung der Zulieferer. Das trifft sogar internationale Übermonopole unter den Zulieferern wie den Lenkungs- und Getriebehersteller ZF. Sein Vorstandsvorsitzender Stefan Sommer schilderte diese Praktiken in einem Interview: „Wir müssen die von den Fahrzeugherstellern eingeforderten Preisnachlässe natürlich an unsere eigenen Zulieferer weiterreichen. 500 Millionen Euro wollen wir in den kommenden beiden Jahren dort einsparen.“ („Süddeutsche Zeitung“, 18.9.2012) Durch dieses Preisdiktat der internationalen Übermonopole wurden in Deutschland im ersten Halbjahr schon über 30 Zulieferer in den Konkurs getrieben. Darunter große Unternehmen wie Druckguss Heidenau in Sachsen mit 1.200 Beschäftigten.

Werksschließungen auch in Europa
Fiat legte sein angekündigtes Investitionsprogramm von 20 Milliarden Euro in Italien auf Eis und verbreitet stattdessen, „nach amerikanischen Maßstäben“ müssten zwei Fabriken in Italien geschlossen werden. Ford hat Überlegungen, das belgische Werk in Genk zu schließen, fürs erste wieder zurückgenommen. Bisher wagte es nur PSA, die geplante Stilllegung seines Werks in Aulnay-sous-Bois bei Paris zu verkünden. Das zeigt die Defensive der Automobilmonopole.

Die deutschen Hersteller VW, BMW und Daimler wurden von diesem Abwärtstrend bisher nicht so stark wie ihre Konkurrenten auf dem europäischen Markt erfasst. Das liegt auch an bis zu zweistelligen Wachstumsraten in Japan, den USA, Russland, China, Indien und Brasilien, in denen sie ihre Position ausbauen, und einem breiteren Angebot teurerer Fahrzeuge, bei VW z. B. Audi und Porsche, die gegenwärtig noch besser verkauft werden.  Mittlerweile können sie sich dieser Entwicklung jedoch nicht länger entziehen und korrigieren ihre Produktionsplanung nach unten.

In den Automobilbelegschaften gibt es intensive Diskussionen, wie man sich konzern- und länderübergreifend zusammenschließen muss. Ein guter Schritt sind die für den 9. Oktober von der Gewerkschaft  CGT geplanten Streiks gegen die Regierungspolitik in Frankreich. Die Arbeiter von PSA bereiten dazu in Paris einen Aktionstag aller Werke vor, an dem sich auch die Belegschaften anderer Betriebe von Renault oder Opel beteiligen sollen.


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