Zukunftsträchtiger Jubiläumsratschlag

„Anspruch auf die Hälfte der Macht … Sie kamen aus aller Welt und aus verschiedenen politischen sowie gesellschaftlichen Richtungen, und sie hatten eine Botschaft: Benachteiligung und Unterdrückung müssen ein Ende haben.“ So berichtete die „Ludwigsburger Kreiszeitung“ sichtlich beeindruckt über den 10. Frauenpolitischen Ratschlag. Am Wochenende des 15./16. September fand er zum zehnten Mal statt: als Jubiläumsratschlag in Ludwigsburg unter dem Motto „Weltfrauen verbinden – Visionen wagen“. Am Samstag zählte er 1.050 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, am Sonntag nochmals 840. Er wurde wieder zu dem selbst organisierten, selbst finanzierten frauenpolitischen Event in Deutschland!
Noch nie war der Frauenpolitische Ratschlag so breit und vielschichtig. Der 7,5-stündige „Frauenpowermarathon“ spannte einen facettenreichen Bogen „von Religion bis Revolution“. Zu jedem der zehn 15-minütigen Referate gab es jeweils zehn maximal einminütige Diskussionsbeiträge, die Aspekte der Vorträge vertieften, Meinungsverschiedenheiten offen ansprachen – durchweg kompetent und solidarisch!
Es gab eine breite Kritik an der Frauenpolitik der Bundesregierung. Angeklagt wurden
alle Formen der Ausbeutung und Unterdrückung von Frauen, von Beschneidungen in Afrika, Zwangsprostitution, frauenfeindlichem Mobbing, Lohndifferenz usw. Bewegend waren mutige Statements wie das der katholischen Ordensschwester Frau Dr. Lea Ackermann. Auf die Frage, ob sie denn im Kampf gegen Zuhälterei und Frauenhandel keine Angst habe, erwiderte sie: „Keine Angst zu haben, wäre naiv. Aber noch nie hatte ich so viel Angst, als dass ich irgendetwas nicht getan hätte, was ich für notwendig erachtete.“ Genauso begeistert wurde das revolutionäre Plädoyer von Monika Gärtner-Engel aufgenommen mit ihren „15 Thesen als Plädoyer für den Mut, Revolutionärin zu sein – oder zu werden“. Aus Brennpunkten der internationalen Frauenbewegung gab es Berichte aus erster Hand, wie aus Syrien, den Philippinen, aus Mali, von den Bergarbeiterfrauen aus Spanien oder den Stahlarbeiterfrauen aus Griechenland.
Beim Ratschlag dabei waren Top-Referentinnen und Vertreterinnen der christlichen Frauenbewegung, der kampfeslustigen Arbeiterinnen, der Gewerkschaftsbewegung, der rebellischen jungen Frauen und Mädchen, des Deutschen Frauenrats, aus dem Weltfrauenprozess, des Frauenverbands Courage, aus Parteien wie von der Partei „Die Linke“ oder der MLPD, der Umweltbewegung, fortschrittlicher Migrantenorganisationen, verschiedener revolutionärer Strömungen, Gastfrauen aus „aller (mindestens 15) Frauen Länder“ und viele, viele mehr.
Auf Grundlage der Gleichberechtigung, der Überparteilichkeit, der weltanschaulichen Offenheit und der Ablehnung antikommunistischer Ausgrenzung kam die ganze Vielfalt der Frauenbewegung zum Tragen, was den Horizont von Jeder/Jedem erweiterte. Konsens aller Beteiligten war, dass sich die Frauenbewegung nicht auseinander dividieren lassen darf, sondern in dieser Vielfalt auch künftig enger zusammenarbeiten muss, weil nur so die Befreiung der Frau erstritten werden kann.
Der ganze Ratschlag war eine runde Sache: Die Frauenpower-Demonstration mit 800 bis 1.000 Teilnehmerinnen, umrahmt von lila Ballons, war kämpferisch, optimistisch sowie internationalistisch und beeindruckte die Ludwigsburger Bevölkerung. Mehr Mädchen und jüngere Frauen brachten ihre besonderen Anliegen auf den Ratschlag, vor allem den Kampf gegen den Sexismus. Am Song-Contest wetteiferten 13 Bands um den besten Hymnenvorschlag für die Weltfrauenkonferenz. Abends wurde ausgiebig auf einem Open-Air-Festival gefeiert.
Am Sonntagmorgen gab es die Podiumsdiskussion mit „Pionierinnen der Frauenbewegung“. Jede Beteiligte hat an einem Punkt mit dazu beigetragen, den Weg für die ganze Frauenbewegung zu ebnen. „Sie sprachen stellvertretend für viele, die sich weltweit – oft ,im Stillen‘ – für die Frauenbewegung engagieren“, wie es in einem Bericht auf der Homepage des Frauenpolitischen Ratschlags heißt. Diskutiert wurde, wie man künftig den internationalen Zusammenschluss weiter entwickeln kann, über Solidarität bei einzelnen Kämpfen hinaus: Sich gegenseitig informieren, sich näher kennenlernen, die unterschiedlichen Mentalitäten und Visionen verstehen usw. Der Ratschlag würdigte die bisherige Arbeit des kämpferischen Frauenrats und wählte 26 Frauen in den neuen. Ein „Lkw nach Griechenland“ wurde beim bewegenden Abschluss auf den Weg geschickt: Mit über 270 Paketen und Geldspenden von 2.715 Euro ist er ein Signal der „brüderlichen“ Solidarität der deutschen Frauen und der Bevölkerung mit dem Kampf der griechischen Bevölkerung gegen die Troika von EU, EZB und IWF. Auch viele Männer beteiligten sich aktiv am Ratschlag, großteils als uneigennützige Helfer im Hintergrund.
Der einstimmig verabschiedete „Aufruf an die Weltfrauen“ endet mit den Worten: „Schließen wir uns also mit unseren Freundinnen und Kämpferinnen der ganzen Welt zusammen! Nehmen wir Kurs auf die 2. Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen 2016! Wir haben eine Welt zu gewinnen! Vamos mujeres!“

Peter Weispfenning

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